Wer hat der hat
Das gilt auch in der Hölle
Wer einen Hut hat
Der verschmäht die Mütze
Ein Hut aus Stroh macht noch keinen Sommer
Und die fehlende Stille nichts aus
Das ist viel.
So verkehren sich die Dinge in ein Teil
Und wandern durch die Gegend
Als sei die Sprache Landschaft
Und als solche allein
Betreten verboten
Hier stutzt der Greis
Ich kann mir nicht folgen
Ich führe alles so gerne aufs Eis
Dann werde ich zum dicken Kind
Und erkenn mich nicht wieder
(erkennen was ist das? Jeder Seher ist blind)
Ich aber vergesse die Essenz der Geschichte
Nur ihr Rhythmus bleibt
Fall heißt Herbst
Fallen Angels wie Blätter
Segeln durch blaue Lüfte
Also Himmel
Cielo Sky
Hier ist Winter grau weiß
Und ich gebe gerade wieder einmal auf
Den aufrechten Gang zu üben
Und das ist mindestens ein auf zuviel
Letztes Jahr
(auch da gab es einen Winter
und ich glaubte an nichts als Eis)
Traf ich einen Zaunkönig
Ich duzte ihn und glaubte ihm seine
Himmelblauen Geschichten
Dann zensierte ich mich
Weil man so nichts begreift
Womöglich hatte der Zaunkönig mir das beigebracht
Weniger wie man sich verneigt und tötet
Und die Sache mit dem aufrechten Gang
Das erschien ihm überaus lächerlich
Lass dir Flügel wachsen rief er
Und ich antwortete
Ich tu was ich kann.
Wer hat der hat
Hallo Xanthi,
ich wundere mich gerade, dass hier noch niemand geschrieben hat. Eigentlich hatte ich gehofft jemand sagt etwas Kluges, .-) denn ich muss zugeben, dass ich etwas unsicher bin, ob diese Zeilen wirklich nur auf das Schreiben, sich selbst referieren, am Ende eine Art Mentor auftaucht, oder ob die einzelnen, scheinbar losen Gedanken noch eine ganz eigene Geschichte erzählen, die ich nicht sehe.
Diese Zeilen hier schienen mir aber der Mittelpunkt zu sein:
Ich aber vergesse die Essenz der Geschichte
Nur ihr Rhythmus bleibt
Ich kann mir nicht folgen
Ich führe alles so gerne aufs Eis
Und in diesem Rhythmus kommen und gehen die Gedanken, sie reihen sich aneinander. Die Worte drehen sich, verkehren sich nicht im Mund sondern in der Hand. Wortspielereien, die den Leser aufs Glatteis führen. Aber dort ist er scheinbar nicht allein, auch LIch kann sich (seinen Gedanken) nicht folgen. Betreten verboten.
Das gefällt mir.
Und auch wenn das Schild Betreten verboten über der Hölle oder unter dem Himmel des Gedichtes hängt, lässt es einen doch etwas davon spüren, von diesem "Ich weiß nicht wohin, oder wie", aber ich tu mein Bestes. Ein spannendes Gedicht.
Liebe Grüße
Flora
ich wundere mich gerade, dass hier noch niemand geschrieben hat. Eigentlich hatte ich gehofft jemand sagt etwas Kluges, .-) denn ich muss zugeben, dass ich etwas unsicher bin, ob diese Zeilen wirklich nur auf das Schreiben, sich selbst referieren, am Ende eine Art Mentor auftaucht, oder ob die einzelnen, scheinbar losen Gedanken noch eine ganz eigene Geschichte erzählen, die ich nicht sehe.
Diese Zeilen hier schienen mir aber der Mittelpunkt zu sein:
Ich aber vergesse die Essenz der Geschichte
Nur ihr Rhythmus bleibt
Ich kann mir nicht folgen
Ich führe alles so gerne aufs Eis
Und in diesem Rhythmus kommen und gehen die Gedanken, sie reihen sich aneinander. Die Worte drehen sich, verkehren sich nicht im Mund sondern in der Hand. Wortspielereien, die den Leser aufs Glatteis führen. Aber dort ist er scheinbar nicht allein, auch LIch kann sich (seinen Gedanken) nicht folgen. Betreten verboten.
So verkehren sich die Dinge in ein Teil
Und wandern durch die Gegend
Als sei die Sprache Landschaft
Und als solche allein
Das gefällt mir.
Und auch wenn das Schild Betreten verboten über der Hölle oder unter dem Himmel des Gedichtes hängt, lässt es einen doch etwas davon spüren, von diesem "Ich weiß nicht wohin, oder wie", aber ich tu mein Bestes. Ein spannendes Gedicht.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Liebe Flora, lieber Henkki, ich danke euch für eure Kommentare, spät zwar, aber gefreut habe ich mich doch. Es ist ja so eine Sache mit diesen assoziativen Gedichten, man weiß nie, wie weit der Leser da folgen kann und will und wenn es dann eine Leserin gibt, die das Gedicht spannend findet und einen, der es zweimal liest und dem die Skurriliät undder Hauch von Melancholie gefällt, ist das viel, finde ich und schön es zu erfahren.
Lieber Rosebud,
ich finde es gar nicht einfach auf diesen Kommentar zu reagieren. Aber gar nicht zu reagieren, geht nicht. Also fange ich mit Deinem Ende an: Ich mag ihn sehr, weil dieser Kommentar auch prickelt auf meinen Synapsen... Und überhaupt bin ich sehr sehr erstaunt, über die Reaktionen, die dieses Werk bekommt. Gerade bin ich in so einer Phase, wo ich darüber nachdenke, inwieweit man eine formulierbare Haltung braucht, inwiefern man also theoretisch ausdrücken können muss, wohin man will mit seinen Gedichten, so eine Art Poetologie und ich habe diesbezüglich viel gelesen und war sehr verunsichert, eine Zeit lang, weil ich gemerkt habe, das ist alles so anders als die Art, wie ich schreibe, auch wie ich lese und eure Kommentare, (Deiner ganz besonders!) helfen mir, meine vorläufige Einsicht beizubehalten, dass es diesen Betrieb gibt, wo Leute sich aufeinander beziehen und sehr klare Meinungen formulieren, dass das aber nichts mit mir zu tun haben muss, dass ich das nicht bewerten muss, mich aber auch selbst nicht bewertet fühlen muss, dadurch. Sondern eher durch solche Sätze, dass jemand mein Gedicht schon 20 x gelesen hat, und noch immer nicht genug davon hat.
Vielen herzlichen Dank für diese Sätze. Ich mag sie wirklich sehr.gif)
ich finde es gar nicht einfach auf diesen Kommentar zu reagieren. Aber gar nicht zu reagieren, geht nicht. Also fange ich mit Deinem Ende an: Ich mag ihn sehr, weil dieser Kommentar auch prickelt auf meinen Synapsen... Und überhaupt bin ich sehr sehr erstaunt, über die Reaktionen, die dieses Werk bekommt. Gerade bin ich in so einer Phase, wo ich darüber nachdenke, inwieweit man eine formulierbare Haltung braucht, inwiefern man also theoretisch ausdrücken können muss, wohin man will mit seinen Gedichten, so eine Art Poetologie und ich habe diesbezüglich viel gelesen und war sehr verunsichert, eine Zeit lang, weil ich gemerkt habe, das ist alles so anders als die Art, wie ich schreibe, auch wie ich lese und eure Kommentare, (Deiner ganz besonders!) helfen mir, meine vorläufige Einsicht beizubehalten, dass es diesen Betrieb gibt, wo Leute sich aufeinander beziehen und sehr klare Meinungen formulieren, dass das aber nichts mit mir zu tun haben muss, dass ich das nicht bewerten muss, mich aber auch selbst nicht bewertet fühlen muss, dadurch. Sondern eher durch solche Sätze, dass jemand mein Gedicht schon 20 x gelesen hat, und noch immer nicht genug davon hat.
Vielen herzlichen Dank für diese Sätze. Ich mag sie wirklich sehr
.gif)
-
Renée Lomris
Liebe Xanthippe,
Mir geht es ähnlich wie den Vorkommentatoren. Dein Gedicht war von Beginn an, als ich es zum ersten Mal gelesen hatte, ganz präsent, mit Wort, Laut und Sinn. Es hat auch nichts "Vor den Kopf stoßendes, Randalierendes" und trotzdem enthält es genug Selbstbehauptung durchmischt von all den Unzulänglichkeiten des Seins. Es ist auch menschlich-kreatürlich (gerade im Augenblick bin ich der schieren Brutalität der Sprache, von der ich manchmal gern aus Dornröschenträumen aufgeschreckt werde, recht müde).
Heute war also der richtige Tag (wegen der sprachlichen Erschöpfungserscheinungen), um deine Wanderung auf meinen Synapsen "zuzulassen"
Was ich besonders schön finde, ist die Stimmigkeit aller Versteile untereinander, so könnte man zum Beispiel auch schreiben:
(ein Versuch, fast zufällig die Zeilen durcheinander zu schütteln):
Wer hat der hat
Und ich antwortete
Ich tu was ich kann.
Das gilt auch in der Hölle
Wer einen Hut hat
Der verschmäht die Mütze
Ein Hut aus Stroh macht noch keinen Sommer
Und die fehlende Stille nichts aus
Das ist viel.
Letztes Jahr
(auch da gab es einen Winter
und ich glaubte an nichts als Eis)
Traf ich einen Zaunkönig
So verkehren sich die Dinge in ein Teil
Und wandern durch die Gegend
Als sei die Sprache Landschaft
Und als solche allein
Betreten verboten
Hier stutzt der Greis
Ich duzte ihn und glaubte ihm seine
Himmelblauen Geschichten
Weniger wie man sich verneigt und tötet
Und die Sache mit dem aufrechten Gang
Womöglich hatte der Zaunkönig mir das beigebracht
Das erschien ihm überaus lächerlich
Lass dir Flügel wachsen rief er
Ich kann mir nicht folgen
Hier ist Winter grau weiß
Und ich gebe gerade wieder einmal auf
Den aufrechten Gang zu üben
Und das ist mindestens ein auf zuviel
Ich führe alles so gerne aufs Eis
Dann werde ich zum dicken Kind
Und erkenn mich nicht wieder
(erkennen was ist das? Jeder Seher ist blind)
Ich aber vergesse die Essenz der Geschichte
Nur ihr Rhythmus bleibt
Dann zensierte ich mich
Weil man so nichts begreift
Fall heißt Herbst
Fallen Angels wie Blätter
Segeln durch blaue Lüfte
Also Himmel
Cielo Sky
Ich finde, das ist ein Beweis für die Ausdrucksstärke der einzelnen Teile ...
Bewundernde Grüße
Renée
Mir geht es ähnlich wie den Vorkommentatoren. Dein Gedicht war von Beginn an, als ich es zum ersten Mal gelesen hatte, ganz präsent, mit Wort, Laut und Sinn. Es hat auch nichts "Vor den Kopf stoßendes, Randalierendes" und trotzdem enthält es genug Selbstbehauptung durchmischt von all den Unzulänglichkeiten des Seins. Es ist auch menschlich-kreatürlich (gerade im Augenblick bin ich der schieren Brutalität der Sprache, von der ich manchmal gern aus Dornröschenträumen aufgeschreckt werde, recht müde).
Heute war also der richtige Tag (wegen der sprachlichen Erschöpfungserscheinungen), um deine Wanderung auf meinen Synapsen "zuzulassen"
Was ich besonders schön finde, ist die Stimmigkeit aller Versteile untereinander, so könnte man zum Beispiel auch schreiben:
(ein Versuch, fast zufällig die Zeilen durcheinander zu schütteln):
Wer hat der hat
Und ich antwortete
Ich tu was ich kann.
Das gilt auch in der Hölle
Wer einen Hut hat
Der verschmäht die Mütze
Ein Hut aus Stroh macht noch keinen Sommer
Und die fehlende Stille nichts aus
Das ist viel.
Letztes Jahr
(auch da gab es einen Winter
und ich glaubte an nichts als Eis)
Traf ich einen Zaunkönig
So verkehren sich die Dinge in ein Teil
Und wandern durch die Gegend
Als sei die Sprache Landschaft
Und als solche allein
Betreten verboten
Hier stutzt der Greis
Ich duzte ihn und glaubte ihm seine
Himmelblauen Geschichten
Weniger wie man sich verneigt und tötet
Und die Sache mit dem aufrechten Gang
Womöglich hatte der Zaunkönig mir das beigebracht
Das erschien ihm überaus lächerlich
Lass dir Flügel wachsen rief er
Ich kann mir nicht folgen
Hier ist Winter grau weiß
Und ich gebe gerade wieder einmal auf
Den aufrechten Gang zu üben
Und das ist mindestens ein auf zuviel
Ich führe alles so gerne aufs Eis
Dann werde ich zum dicken Kind
Und erkenn mich nicht wieder
(erkennen was ist das? Jeder Seher ist blind)
Ich aber vergesse die Essenz der Geschichte
Nur ihr Rhythmus bleibt
Dann zensierte ich mich
Weil man so nichts begreift
Fall heißt Herbst
Fallen Angels wie Blätter
Segeln durch blaue Lüfte
Also Himmel
Cielo Sky
Ich finde, das ist ein Beweis für die Ausdrucksstärke der einzelnen Teile ...
Bewundernde Grüße
Renée
Zakkinen hat geschrieben:Ich las es grad zum zweiten mal und las es gern und doch kann ich nicht viel dazu sagen. Mir gefällt dieses assoziative wandern, die skurrilität, aber auch der Hauch der Melancholie.
Henkki
so ergeht es mir auch
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).
Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel
Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel
Liebe Renée, liebe Noel,
es berührt mich regelrecht, dass immer noch Kommentare kommen zu diesem Gedicht! Danke dafür! Und Dir Renée besonders für das Durcheinanderschütteln der Verse, das finde ich sehr spannend und übrigens (ein wenig außerhalb des Themas) : Dein Zyklus hat mir auch sehr sehr gut gefallen, nur leider finde ich momentan keine Zeit mich mit irgendetwas näher zu beschäftigen. Noch einmal vielen Dank für eure Resonanz!
es berührt mich regelrecht, dass immer noch Kommentare kommen zu diesem Gedicht! Danke dafür! Und Dir Renée besonders für das Durcheinanderschütteln der Verse, das finde ich sehr spannend und übrigens (ein wenig außerhalb des Themas) : Dein Zyklus hat mir auch sehr sehr gut gefallen, nur leider finde ich momentan keine Zeit mich mit irgendetwas näher zu beschäftigen. Noch einmal vielen Dank für eure Resonanz!
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 20 Gäste