der zuseher

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Estragon

Beitragvon Estragon » 29.06.2008, 14:32

und da der morgen
ich sah ihn
ich war in amerika
ich war dort
man hatte mich lange nicht mehr gesehen
es führte zu nichts
ich brachte alles durcheinander
die abfallkörbe
als ich sie durchsuchte
sagte mir einer
hey you
auch ich grüßte ihn
er roch schlechter als ich
das musste sich ändern
ich badete im meer
das war schmerzhaft
ich stellte mir vor wie einer meiner verwandten über mich sprach
das telefon; es war franziska
sie fragte mich wegen den lottozahlen aus
sie sagte
das gehe nicht mit rechten dingen zu
ich hätte sie gerne gesehen
in diesem moment stellte ich sie mir vor
wie sie nackt oder nur mit einem t-shirt
einem bh einem slip und einer sehr guten jogginghose am telefon war
ich fragte sie
sie sagte
du probierst es immer wieder charly
aber in amerika
ich verstand die menschen dort nicht
als ich wieder zurückkam
ich wohnte dort
ich sagte es dir
du lachtest damals
und faltest dein gesicht zusammen
das war damals
so war es damals
es machte uns vergnügen so zu sein
wir lachten
aber nur im schllaf
morgens hielten wir uns fest
wir sagten nicht
das wir uns liebten
es war keine liebe
liebe ist bloß für die undurchsichtigen
jene
die man nur durch ein löschblatt erkennen kann
ich war damals oft müde
ich spielte fußball
ich war torwart
sie lachte als ich es ihr sagte
sie sagte
ich werfe dir einen stein auf den kopf
diese blicke
wir hingen aneinander
es war keine liebesgeschichte
es war mein leben
ich dachte wie unsichtbar das ist
vielleicht lag es daran
das wir zu lange diese strasse entlang gingen
und dass es zu nichts führte
eine eisschicht
wir begannen zu frieren
sie hing ihre socken nach draußen
sie war nervös
ich hatte das radio an
sie brachten ein hörspiel
jemand sah auf deinen stuhl
jemand dachte
vielleicht ist sie nackt
jemand vergrub seine muscheln
als kind hatte er seine träume damit gefüttert
die abfahrtszeiten
wir sahen sie an
wir lauschten den zügen
wir hörten wie unsere gemeinsamkeiten eintrafen
wie du einstiegst
ich hätte dir gerne etwas hinterhergerufen
ich rief
schweigen wir
sie nickte
dann rief sie mich an
das war später
später
das war nach der würfelweltmeisterschaft
ich hatte sie gewonnen
viele gaben mir die hand
aber niemand meinte es auch so
du kochtest den salat ab
ich fragte dich wozu
du zeigtest auf ein atomkraftwerk
das war weit von hier entfernt
ich fragte dich nicht
aber ich half dir beim salat
später warfen wir ihn weg
nein
wir hatten keine angst
wir hatten ihn einfach vergessen
da war dieser alte fluß
wir kannten ihn
es war leicht ihn zu rufen
er hörte nicht
wir hörten den zug
er kam uns vor wie eine falle
ich rief
steig nicht ein
aber da fuhr er schon los
du gabst mir einen zettel
da stand
beton
drauf
ich konnte damit nichts anfangen
später machte mich alles ratlos
der grillabend bei sigrid
wir hatten zu viel geraucht
ich hörte plötzlich was sie sagten
und gleichzeitig was sie dachten
ich lachte
denn alles ging so weit auseinander
du gabst mir einen apfel
du sagtest
du isst zu wenig
ich sah dich auf einem baum steigen
du fielst nicht hinunter
du riefst mich
aber ich tat so als würde ich dich verraten
dieser morgen
der strand
wir begannen
du grubst die alten muscheln aus
das war nicht gefährlich
du hattest dieses messer
von deinem opa
du erinnerst dich nicht gerne an ihn
ich kannte ihn nicht
sagtest du und lachtest über die muscheln
sie lagen dort schon einige zeit
und hatten immer noch ein leben
es war schwer liebe zu heucheln
ich heuchelte liebe
du fragtest was ich habe
ich sah in dein gesicht
du hattest so eins
man musste es lange ansehen

die pfützen
wir sprachen auch darüber
wir würden sie vergessen
aber die ausgesprochenen worte waren immer noch da
es war morgen
ich erwachte
und als ich erwachte stellte ich mir vor
das alles andere auch erwacht
alles das was einmal da war
das gelöschte
das vergessene
die erinnerungen werden nicht alt
es wurde nachmittag
die züge würden einfahren
ich stand am bahnhof
und stellte mir vor
sie würden es nicht mehr tun
Zuletzt geändert von Estragon am 30.06.2008, 20:51, insgesamt 11-mal geändert.

moshe.c

Beitragvon moshe.c » 30.06.2008, 20:18

Lieber Estragon!

Ein Erzählgedicht per se!

Ich komme wunderbar in den Schwung und den Rhytmus rein.

ABER: Schau bitte nochmal nach Fehlern. Das stört leider.

MEHR DAVON !!

Moshe

Estragon

Beitragvon Estragon » 30.06.2008, 20:52

Vielen Dank :-)

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Ylvi
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Registriert: 04.03.2006

Beitragvon Ylvi » 30.06.2008, 21:36

Hallo Estragon,

es gibt in diesem langgezogenen Gedicht einige Stellen, die ich wunderbar eingefangen finde
(vor allem den klang, als hätte sie keine socken an oder das hier:
die pfützen
wir sprachen auch darüber
wir würde sie wieder vergessen
aber die ausgesprochenen worte waren immer da)
Sie blitzen heraus. Aus dieser Aneinanderreihung, diesen Gedankensprüngen, dem Sehen des Prot. Insgesamt stört mich aber die ständige Wiederholung zu sehr, die doch keinem Rhythmus zu folgen scheint. Oder ich erkenne ihn nicht. Ich. Ich. Ich. Auch weiß ich nicht, woher plötzlich das „Du“ kommt, ist es eine dritte Person?
Und müsste der Andere nicht besser riechen, damit das Baden Sinn macht? Die Rechtschreibfehler stören und vermitteln mir den Eindruck, dass sich da Jemand mit dem Text nicht wirklich Mühe gemacht hat, was natürlich nicht stimmen muss, aber einfach danach aussieht. Ich weiß, dass eine starke Verdichtung den Gedanken des Textes zerstören würde, ich würde es aber trotzdem stellenweise versuchen, damit das Gefühl für den Text und den Prot. nicht ins Negative umschlägt. "Mehr davon." Ja, aber für meinen Geschmack ein wenig konzentrierter und durchkomponierter.

liebe Grüße smile

Estragon

Beitragvon Estragon » 30.06.2008, 21:41

Einige Fehler habe ich ja nun schon korrigiert....und mit dem du und mit dem ich ist doch leicht zu erklären...einmal gibt es da einen Ansprechpartner und einmal ist es ein Monolog


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