Labor - III

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 17.08.2012, 21:54

punktgenau
ein Stück Leben
in Augenschalen verpflanzen

fixieren
und wenn es winkt
nicht beirren lassen

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Eule
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Beitragvon Eule » 19.08.2012, 09:30

Gefällt mir sehr gut. In wenigen Zeilen beschreibst Du sehr aussagesstark eine zwischenmenschliche Situation, die wohl fast jede/r schon erlebt hat.
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 19.08.2012, 22:49

DANKE - Eule!

Gerda

Beitragvon Gerda » 19.08.2012, 23:34

Dass Eule schreibt, dass jeder so etwas schon mal erlebt hat. Das finde ich seltsam.
Ich denke bei dem Text eher an die Transplatationsmedizin ... wenn Zellen an der falschen Stelle implantiert werden ...
Ist die Verwirrung gewollt? Auch der Titel verleitet mich dazu an einen medizinischen Fehleingriff zu denken, oder Versuche mit Stammzellen, also eher an Dr. Frankenstein als an nettes Augenzwinkern. :blink2:

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 20.08.2012, 11:32

Da hast Du ganz recht, Gerda (auch wenn es nicht unbedingt explizit um Transplantation gehen muss) - aber in meinen Labor-Gedichten sind auch immer Aspekte von (mehr oder weniger gestörter) Kommunikation drin.

ecb

Beitragvon ecb » 21.08.2012, 12:32

Aber was sind dann hier Augenschalen? Sind sie etwas Fachliches aus dem Laborbetrieb?
Denn ich kenne sie nur als besondere antike Trinkschalen.

Das wüßte ich noch gern, ehe ich meine Gedanken zu deinem Gedicht formuliere, Amanita.

Vorläufige Grüße
Eva

Niko

Beitragvon Niko » 21.08.2012, 13:47

hallo amanita,

wieder ein text, der mehrere gedankengänge zulässt und dabei immer schlüssig bleibt!

für mich ist es ein trauriger text.

punktgenau
ein Stück Leben
in Augenschalen verpflanzen

fixieren
und wenn es winkt
nicht beirren lassen

das in die augenschalen verpflanzte leben (verinnerlicht, indem es hinter das auge geht. augenschalen sind für mich die augenhöhlen) das hat man verpflanzt. aber nicht so verinnerlicht, dass lyrich es lebt. es macht ihm...........angstt vielleicht? wenn die situation eintrifft, und man jetzt, genau jetzt dieses eingepflanzte stück leben umsetzen möchte - nicht beirren lassen. denn dieses neue stück leben wirft aus der bahn, lässt mich mein normales leben schwanken. also: verharren, erstarren, warten bis das winken aufhört. nach dem man sich so sehnt. und das soviel angst macht........

mir gefällt das sehr!

liebe grüße: niko

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 21.08.2012, 14:48

Stimmt, Eva, das sind antike Trinkschalen. Au wei, diesen Begriff kannte ich nicht.

Ich habe Begriffe wie Petrischale und Okular (die ich aus dem Labor kenne) vermengen wollen, so dass gleichzeitig noch eine organische Assoziation hinzukommt.

Was mache ich denn jetzt :) ???

ecb

Beitragvon ecb » 21.08.2012, 20:50

Ich finde, du solltest es so lassen, Amanita. Durch den Titel habe ich mir nämlich schon etwas Labormäßiges vorgestellt und dachte, daß es in der Laborwelt vielleicht so etwas wie Augenschalen gibt, da kenne ich mich nicht aus.
Wenn du etwas Zusammengesetztes aus dieser Welt beabsichtigt hast, funktioniert das für mich eigentlich gleich gut, indem ich mir vorstelle, daß da (in einem Labor oder im Leben oder dem Leben als Labor - wie auch immer) etwas Lebendiges mit naturwissenschaftlicher Exaktheit "behandelt" wird, zu welchem Zweck alles Gefühl ausgeschaltet werden muß. In diesen Vorgang würden für mich auch besonders Nikos Überlegungen hineinreichen, der Text ruft tatsächlich sehr weitgehende Assoziationen hervor, was ich für seine ganz besondere Qualität halte.
Da ist etwas Wesentliches unglaublich schlagend auf den Punkt gebracht, "punktgenau", eine Problematik, die auch nicht leicht oder vielleicht gar nicht eindeutig entschieden werden kann, die immer wieder nach allen Seiten reflektiert werden muß.

Ich finde den Text in seiner konzentrierten Kürze große Klasse :daumen:

Liebe Grüße
Eva

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Beitragvon Amanita » 21.08.2012, 20:58

Dann sage ich Dir auch schönen Dank, Eva!

Gerda

Beitragvon Gerda » 21.08.2012, 22:24

Ja, Amanita, ich finde er Text sollte so (deutungsoffen) bleiben wie er ist.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 21.08.2012, 22:27

Schön, Gerda, freut mich! Danke!

(Und, Nifl, wo bisse?)

Nifl
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Beitragvon Nifl » 22.08.2012, 20:06

Hi Ama.

die Geister, die ich rief.

War ein bisschen flapsig, Gabriella, gebe ich zu - dahinter steckte aber schon auch das ernsthafte Anliegen, einen Kontrapunkt einzufangen :)

Menno, ich bin doch kein Kontrapunktefabrikant!
(und Vorsicht mit der Flapsigkeit! Hier geht es um Gedichte und Kommentare, also um Leben und Tod)

(habe keine Kommentare gelesen)

Kurzlyrik ist ein schwieriges Feld, da sollte jedes Wort stimmen. Oft ist sie so entkernt, dass sie alles und nichts sein kann, aus einem Generator stammen kann oder aus endlos tiefsinnigen Gedankenschleifen.
Diese Beliebigkeit abzuwenden, ist dir hier mE. gut gelungen. Ich lese klar die Anleitung zu einem Flirt heraus. Anleitungen oder Laborberichte aber sind schematisch und trocken, minimieren Spielräume per se. Und da tut sich für mich der bestellte Kontrapunkt auf, der vielleicht gewollt ist und den ganzen Prozess auch in ein ironisches Licht stellt. Das korrespondiert auch mit deiner Wortwahl.

punktgenau
ein Stück Leben
in Augenschalen verpflanzen

Irgendwie denke ich dabei auch an Kinder, die mit Dartpfeilen spielen ...
vielleicht liegt es am scharfen "punktgenau". Auch das "in Augenschalen verpflanzen" sagt mir nicht so zu. Beim Wort "Verpflanzen" schwingt für mich Gewalt mit und die Augenschalen finden sich in meiner Vorstellungswelt in der Pathologie wieder.

fixieren
und wenn es winkt
nicht beirren lassen

"fixieren" ist ein Unwort für jeden Hundehalter mit einem leinenaggressiven Hund. Sofort das Fixieren unterbinden! Aber davon ab transportiert das Wort auch ein "Festmachen" und das ist "freiheitsberaubend" und ebenfalls aus der "Gewaltwelt".

Will sagen: Der Laborbericht ist gelungen, der Funke zum Flirt entfacht aber nicht.

LG
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 22.08.2012, 22:16

Hey Nifl, Anleitung zum Flirt? Ganz spannender Aspekt!

Dann würde ich das Fixieren allerdings ganz gewaltlos als Fixieren mit den Augen deuten.


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