Sei friedlich

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 26.05.2011, 23:22

Sei friedlich, mein Schatten.
Lieg nur, ich lese dir vor.

Fließ ruhig aus den Adern,
schmecke Erde, zum ersten Mal.

Stolze, vornehme Geschichten
werde ich dir lesen.

Sei friedlich, Sonnenblut.
Ich weiß, was hinter dir liegt.

Du bist jetzt Zuhause.

moonlight

Beitragvon moonlight » 27.05.2011, 14:05

Hallo Franz,
ich interpretiere dein "sei friedlich" als ein Akt des Sterbens.

Hat mir eine Gänsehaut beschert ich bin beeindruckt.

LG
Moonlight

Max

Beitragvon Max » 10.06.2011, 21:01

Lieber Franz,

das Verständnis dieses Textes liegt darin, wie man das Wort "Schatten" verstehen mag.
In Anspielung an die "Schattenreiche" der Mythologien scheint die Interpretation als Seele sehr stimmig und sie gibt dem Text auch einen konsistenten Klang.

Sehr gefällt mir das Sonneblut als ein sehr kraftvoller Ausruck - in diesem Fall würde ich sagen als das Lebendige der Seele im Gegensatz zu dem eher transparenten der Schattenseele.

Der Gescmack von Erde erinnert mich an den "Geruch von Erde", der mir selbst neulich als Bild kam.

Liebe Grüße
Max

Nicole

Beitragvon Nicole » 10.06.2011, 21:21

Hi Franz,

das ist wunder, wunderschön!

Ich liebe das Sonnenblut, wie Max bereits bemerkte, ein starkes Bild, ich mag das nachstellte "zum ersten Mal", ebenso wie die melodische Formulierung "stolze, vornehme Geschichten werde ich Dir lesen".
Und der Abschluß mit "Du bist jetzt zu Hause" ist so schlicht und vollumfänglich...

Hier paßt für mich alles, die Wortwahl, die Bilder und vor allem der Klang der Sprache.

Danke hierfür.

Nicole

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 11.06.2011, 09:44

Vielen Dank den freundlichen Worten! Freut mich, wenn es Euch anspricht.
Liebe Grüße
Franz

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 11.06.2011, 09:48

Ohne Worte ...
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 11.06.2011, 10:50

Hallo Franz,

ja, ohne Worte ...
leise lese ich deine Zeilen und sie berühren mich und sie lassen mich zurück ohne Worte, weil ich hier einfach nur fühle.
Schön!

Liebe Grüße
Gabi

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leonie
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Beitragvon leonie » 11.06.2011, 11:47

Lieber Franz,

ganz fein finde ich Deinen Text. Lässt Raum für eigene Assoziationen. Ich lese viel Versöhnliches.

Liebe Grüße

leonie

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 12.06.2011, 01:55

Hallo,
nochmals Danke an alle.
Ich bin überrascht über das so positive Feedback, da Metaphern wie Sonnenblut leicht als 'kosmisches Raunen' empfunden werden, was nach meiner Wahrnehmung in der aktuellen Lyrik sehr verpönt ist.
Grüße
Franz


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