Das Loch

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
moshe.c

Beitragvon moshe.c » 29.07.2008, 21:56

Das Loch

Das Loch in meinem Hemd
ist genäht für den Knopf.

Ein Knopfloch von keinem
Computer.

Ein Knopfloch für jeden
Knopf, genäht.

Ein Knopfloch für jeden
Knopf an meinem Hemd
aus Bolivien.

Sie näht mit Singers
Fußpedal
vierhundertfünfzig Löcher
am Tag.

Und ißt Maisbrei
fünfundvierzig Jahre lang.

Max

Beitragvon Max » 30.07.2008, 12:23

Lieber Moshe,

die originelle Beobachtung an dem Gedicht finde ich den Aspekt, dass man Löcher nähen kann und dass das Leben der Bolivianerin sich in aneinandergenähten Löchern messen ließe. Den Satz

Und ißt Maisbrei
fünfundvierzig Jahre lang.


halte ich dagegen für eine verkehrte Richtung des Gedichts. Es ist dabei gar nicht so einfach zu sagen, was ich dabei verkehrt finde - vermutlich ist es das: Es gibt zwar (vermutlich) die Bolivianerin, vorausgesetzt Dein Hemd ist nicht"made in china", aber das Gedicht handelt nicht von ihr, sondern es erhebt sie zum Archetyp, was ein vornehmes Wort für Klischee ist. Und nun isst dieses zumindest verkürzte Bild Maisbrei, was eben genauso wahr ist, wie die Bolivianerin wahr ist. Und wenn dann nicht eine so originelle Idee, wie das Nähen von Löchern dazu kommt (die für mich sehr viel sagen kann, auch wenn man sie nicht in den üblichen Rahmen bettet), dann zeigt das Gedicht nichts - nur die Vorstellungen des Autors.

Liebe Grüße
Max

moshe.c

Beitragvon moshe.c » 30.07.2008, 20:41

Lieber Max!

Ein sehr guter und orgineller Kommentar.
Besten Dank.
Der letzte Halbsatz gefällt mir besonders. :daumen:

Mit bestem Gruß

Moshe

Max

Beitragvon Max » 30.07.2008, 21:00

Lieber Moshe,

dann sind wir ja alle zufrieden ;-)

Liebe Grüße
Max


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