nicht so

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 22.04.2013, 18:19



nicht so


in deine deutungen
legte ich meine ohnmacht

sei nicht so sagenhaft
sei nicht umwoben

vorüber ziehen verbleichungen
fremdes ergrauen am saumgrün
es eilt das bleiben
vorbei

sei nicht so unbewusst
sei nicht vergärend

wir sind eine wand
mit seidenem tuche veredelt
nichts wird eine versuchung sein
was wir nicht versuchen
zu sein

sei nicht so
sei


.

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Ylvi
Beiträge: 9473
Registriert: 04.03.2006

Beitragvon Ylvi » 23.04.2013, 13:49

Hallo Niko,

in deine deutungen
legte ich meine ohnmacht

sei nicht so sagenhaft
sei nicht umwoben

vorüber ziehen verbleichungen
fremdes ergrauen am saumgrün
es eilt das bleiben
Das ist klasse und könnte für sich stehen. Vor allem die ersten beiden Zeilen haben es mir angetan.
Danach wird es für mich persönlich wieder zu wortspielerisch und am Ende auch zu belehrend und zeigefingerig und nimmt so dem starken Anfang die Kraft.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

ecb

Beitragvon ecb » 23.04.2013, 18:07

Etwas soll offen bleiben, ganz offen und frei - scheint mir.
So lese ich es, und es gefällt mir, da auch die Sprache offen ist für meine Gedanken.

Liebe Grüße
Eva

Niko

Beitragvon Niko » 01.05.2013, 18:10

hallo ihr beiden,

das zeigefingrige wird mir wohl lebenslänglich anhaften. da nutzt es auch wenig, wenn ich versuche, mich zu erklären, darzulegen, dass das zeigefingrige eigentlich ganz anders gemeint und gewollt ist. - es kommt rüber, wie es rüber kommt.
aber es überwiegt bei weitem die freude, dass euch der text in weiten teilen anspricht und gefällt!

vielen dank für eure kommentare!

liebe grüße: niko

Dohle

Beitragvon Dohle » 24.09.2013, 14:03

Hallo Niko,

dein gedicht gefällt mir gut.
Es drückt aus für mich, dass es doch um nichts anderes geht letztendlich als (bloß) zu sein. Alles andere (menschliche) herum ist ja nur ein Gerüst, dass anfällig jederzeit zu zerfallen droht. Und doch macht das Sein Spass. "Es eilt das Bleiben vorbei" - das gefällt mir besonders. Trost liegt darin...Trost und Akzeptanz. Ein optimistischer Ton in schöner Melancholie!

beste Grüße
Dohle


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