Weggeschlichen

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Hetti
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Beitragvon Hetti » 04.03.2013, 10:10

Weggeschlichen

Anlass
war dein verbummelter Autoschlüssel.

Türen aufreißen, Schränke und Schubladen ebenso
wieder zuschlagen, rasend
die Zeit
ist so knapp, du ringst nach Atem (Termine warten nicht)
die Hektik drückt die Dinge
hinauszuschreien (Diese warten geduldig).


Dann war alles vorbei,
die schöne Zeit
weggeschlichen.

poeta

Beitragvon poeta » 06.03.2013, 16:36

hi Hetti,

jetzt bin ich schon mehre Male hier herum- und weg- und wieder hergeschlichen.
gar nicht leicht für mich, dir zu diesem text etwas zu schreiben. ich empfinde die geschichte, die du hier erzählst als sehr widersprüchlich mag ja an mir liegen. aber vielleicht kannst du anhand einiger fragen herausfinden, wie das für dich aussieht, was du betonen und herausarbeiten möchtest.

Anlass
war dein verbummelter Autoschlüssel.

Türen aufreißen, Schränke und Schubladen ebenso
wieder zuschlagen, rasend
die Zeit
ist so knapp, du ringst nach Atem (Termine warten nicht)
die Hektik drückt die Dinge
hinauszuschreien (Diese warten geduldig).


Dann war alles vorbei,
die schöne Zeit
weggeschlichen.



1.frage: anlass wofür?

2.frage: was möchtest du mit dem wechseln zum infinitiv im zweiten abschnitt ausdrücken?

3.frage: ist 'ebenso' für die aussage wichtig?
(ich denke, dass du es als eine art 'scharnier' (apokoinu) zwischen die 'schubladen' und 'wieder zuschlagen' gesetzt hast, sodass die schubladen einerseits 'ebenso aufgerissen werden' als sie andererseits 'wieder zuschlagen' grundsätzlich mag ich das apokoinu an dieser stelle, das du ja in den zeilensprüngen 'rasend / die zeit / ist kapp' wieder eingebaut hast. aber wie sonst als 'ebenso' sollten die schubladen aufgerissen und zugeschlagen werden?)

4.frage: die klammereinschübe erzählen von einem gegensatz, dem nicht-warten der termine und dem geduldigen warten der dinge, wobei diese dinge sehr schwammig sind. worum geht es hier wirklich, darum dass für die beziehung wesentliches nicht angesprochen wird, weil äußerlichkeiten wichtiger erscheinen oder einfach keinen raum lassen?

5.frage: war wirklich dann erst alles vorbei, passierte diese 'wegschleichen' nicht schon viel früher und wurde durch den Anlass erst bewusst gemacht?

liebe Hetti, keine angst, wir sind hier nicht bei der inquisiton, es ist also überhaupt nicht nötig, dass du mir all diese fragen beantwortest, sie sollen lediglich dir als denkanstoß dienen.

deine geschichte ist zwischen anlass und wegschleichen angesiedelt oder eigentlich setzt (in meinen augen) der anlass den schlusspunkt unter das wegschleichen, wird durch das rausschreien der 'dinge' in negativ aufgeladener streßatmosphäre die verbindung abgeschnitten. oder siehst du das anders?

liebe grüße, poeta

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Hetti
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Beitragvon Hetti » 07.03.2013, 05:48

Hallo Poeta,

hier geht es sowohl um eine Paarbeziehung als auch um das Thema Zeit. Ohne einen Schwerpunkt festzumachen, sondern mehr um die Verschränkung dieser beiden Aspekte. Der Schwerpunkt liegt dann eher im achtsamen Umgang mit beidem.

Im mittleren Teil des Textes wird eine Erinnerung hervorgeholt, deshalb der Zeitenwechsel. Der Text beinhaltet widersprüchliche Elemente. Das Leben ist widersprüchlich.

Das Wort „ebenso“ bezieht sich nicht nur auf zuschlagen. Wenn ich es weglasse, verliert die Zeile für mich an Rhythmus? Oder? Ist aber gut möglich, dass ich mich irre.

Vielen Dank für deinen Kommentar.
LG Dede

poeta

Beitragvon poeta » 07.03.2013, 08:20

nach deiner antwort, liebe Hetti,
muss ich gestehen, dass mir leider gar nichts klarer geworden ist, ich eigentlich noch mehr verwirrt bin.
also ich hatte es folgendermaßen gelesen:

der anlass:
die hektische suche nach dem autoschlüssel (das kennt man ja, eigentlich sollte man schon dort sein (wichtiger termin) und kommt nicht weg, weil...)

also:
werden Türen, Schränke, Laden aufgerissen, durchwühlt zugeschlagen - ohne ergebnis - der druck steigt - die zeit rast, da kann man schon atemnot bekommen und in dieser hektik etwas hinausschreien, das schon lange innerlich gärt, aber immer schön unter verschluss gehalten wurde, weil nie der rechte moment zu sein schien, weils nicht so wichtig (viele kleinigkeiten können auch großigkeiten werden) schien, man genügend ausgelastet war, mit dem, was unbedingt sein musste...

die konsequenz:
nun ist es angesprochen, ausgesprochen, kann nicht mehr zurückgenommen werden, z.b. die schlamperei:'nie sind die dinge, wo sie sein sollten.'; oder, 'nie hast du zeit für mich, immer ist alles andere wichtiger.'...
das macht bewusst, dass sich was weggeschlichen hat, unbemerkt oder bemerkt und verdrängt, dass das gemeinsam, das schöne, das verband, nicht mehr da ist.
durch das 'dann war alles vorbei' klingt es sehr endgültig. vielleicht sind durch das 'hinausschreinen' auch verletzungen passiert, die irreparabel erscheinen...

siehst du ungefähr so habe ich diese drei abschnitte gelesen und nun rätsle ich was du mir damit sagen möchtest:
hier geht es sowohl um eine Paarbeziehung als auch um das Thema Zeit. Ohne einen Schwerpunkt festzumachen, sondern mehr um die Verschränkung dieser beiden Aspekte.


und kann damit gar nichts anfangen:
Im mittleren Teil des Textes wird eine Erinnerung hervorgeholt, deshalb der Zeitenwechsel. Der Text beinhaltet widersprüchliche Elemente.

mit dem infinitiv hebst du m.M. nach den mittelteil überhaupt aus der zeitebene, wenn schon, dann würde ich ihn immer wiederkehrenden handlungen oder der gegenwart zuordnen. zum wiederkehrenden passt aber das hinausschreinen nicht so, oder fand das auch schon immer wieder statt? was ist dann diesmal anders und der verbummelte autoschlüssel anlass wofür?

verzeih mein beharrliches nachforschen, aber für mich ist das so irgendwie unbefriedigend. das mag natürlich allein mein problem sein, aber dann würde ich doch gern erfahren, wo ich mich in diesem text 'verlaufen' habe.

liebe grüße, poeta

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.03.2013, 10:38

Hallo Dede, ich kann das alles recht gut "verstehen", nur ist mir der Sprung von 2 nach 3 einfach zu groß. Man sucht in Schränken herum und damit begegnet einem Vergangenheit; und zwar auch dann, wenn es schnell gehen muss (weil man weg will/ muss wie das Ich hier). Ich würde mir nur eine deutlichere Brücke zum Vorbei wünschen, da ich Dann war alles vorbei vermutlich in einem falschen Zeitraum (also gegenwartsnäher/ denn "Anlass war" eben auch der Autoschlüssel).

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Hetti
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Beitragvon Hetti » 08.03.2013, 08:33

@poeta,

vielen Dank für die ausführliche Beschäftigung mit meinem Text. So wie ich das sehe, hast du ihn richtig gelesen. Verwirren wollte ich dich mit meiner Antwort natürlich nicht. Tatsächlich hat sich die schöne Zeit weggeschlichen wegen der Verletzung/Kränkung durch einen unbeherrschten, verbalen Ausbruch. Innigkeit und Vertrauen wurden zerstört.

@amanita,
verstehe! Ich sehe die Gefahr der falschen Zeitzuordnung jetzt auch und werde nach einer „Brücke“ Ausschau halten. Andererseits will ich mit dem Übergang von 2 nach 3 die entstandene Kluft darstellen, die Ernüchterung, eine gewisse Größe (von 2 nach 3) sollte bleiben. Mal sehen ob es gelingt. Vielen Dank für deinen Hinweis.

Liebe Grüße
Dede


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