Mors

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Klimperer

Beitragvon Klimperer » 09.02.2013, 09:27

Der Tod ruft den frisch verstorbenen Billy an
und fragt:
"Weißt du, wer hier bei mir ist?"
Nein ...
"Der Billy!"

Billy schweigt, offensichtlich
kann er sich nicht gleich an sich selbst erinnern.

Der Tod sagt jetzt den Beinamen, den Kosenamen
des Verstorbenen.

"Ach, der ..."

So spricht der Tod mit uns.
Zuletzt geändert von Klimperer am 09.02.2013, 18:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 09.02.2013, 12:19

Hallo Klimperer! Das könnte für mich ruhig noch skurriler sein. So wirkt es... ein bisschen blass auf mich.

Außerdem meint "man" - so geht es mir jedenfalls -, dass es sich um ein Wortspiel handelt: "des Verschiedenen"; ist es aber wohl nicht. Schade!

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 09.02.2013, 16:20

Ich muss sagen, ich stehe ratlos vor diesem Gedicht.
Der "springende Punkt" scheint mir nicht so sehr zu sein, wie der Tod mit uns spricht, sondern wie wir antworten, wenn wir nach unserem Tod angesprochen werden ... mit anderen Worten, was wir sind, wenn wir gestorben sind.
Als Lebende sind wir die Summe unserer Teile, als Tote nur noch Teile?
Erinnerungen? Das scheint mir schlüssig. Aber als was verstehen wir uns selbst, wenn wir Erinnerungen sind?

:12: Grüße von Zefira
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 09.02.2013, 16:41

Hola Carlos,

auch ich rätsele hier ein bisschen, worauf du hier hinaus willst.
Ich glaube, es ist wohl eine sehr persönliche Frage, wie jeder für sich selbst den Tod sieht oder "das Leben nach dem Tod" und die Themen "Seele" und "Körper" nach dem Tod.
Klimperer hat geschrieben:offensichtlich
kann er sich nicht gleich an ihn selbst erinnern.

hier müsste es heißen: kann er sich nicht gleich an sich selbst erinnern.

Saludos
Gabriella

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 09.02.2013, 17:24

Gerade über diesen Satz habe ich auch gerätselt, Gabriella. Ich glaube aber eben nicht, dass Billy nach seinem Tod noch "er selbst" ist, folglich kann er jenen Teil von sich, der just beim Tod ist, nicht als "sich selbst" ansehen. Eine Entität Billy ist diejenige, die der Tod gerade angerufen hat. Eine andere Entität Billy ist beim Tod. Vielleicht gibt es noch mehr davon. Vielleicht haben die Namensnennungen etwas mit diesem "Zerfall" zu tun?

Bin mal gespannt, was Klimperer dazu zu klimpern hat ;o)

Grüße von Zefira
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nera
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Beitragvon nera » 09.02.2013, 18:05

mein problem: ist das lyrik? ich lese hier etwas richtung "fabel"?

lg

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 09.02.2013, 18:34

Hallo Amanita, Zefira, Gabriella, Nera,

vielen Dank für Eure Rückmeldung.

Ich werde "des Verschiedenen" durch "des Verstorbenen" ersetzen. Und "sich" anstatt "ihn", was eindeutig ein Fehler ist, wie es Gabriella gemerkt hat.

Ob es Lyrik ist? Ich glaube, es ist eine Anregung, sich über den Tod Gedanken zu machen.

Ich könnte expliziter darüber schreiben, dann wäre es aber nur reine Prosa. Hier kann ich es sagen: Der Tod spricht zu uns so wie zu kleinen Kindern, in der dritten Person.

Und der Verstorbene, vermute ich, ist schon im Begriff, sich von seiner Identität, an der er so sehr ein Leben lang klammerte, zu befreien. Wie unwichig das ist weiß jeder von uns, wenn wir von dem Tod eines Unbekannten erfahren.

Es wirkt sehr befremdend, was ich unter dem Titel "Mors" geschrieben habe. Ich bin nicht selbst auf die Idee gekommen, ich erlebte es in einem Traum.

Ich bin Euch wirklich sehr dankbar,

viele liebe Grüße,

Carlos

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nera
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Beitragvon nera » 09.02.2013, 18:51

ich denke mal, du möchtest damit sagen, dass das "ich" nicht mehr existiert, wenn man tot ist. allerdings frage ich mich dann, warum der tod in person dann diesen toden mit namen ansprechen sollte?
lg

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 09.02.2013, 19:14

Liebe Nera,

ich finde es sehr schön und schmeichelhaft, dass du dich mit diesem Thema beschäftigst.

Ich werde nachdenken und überlegen und mich zurückmelden.

Anders als ein Denker, bin ich ein Intuitionsmensch, aber ich werde es versuchen.

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nera
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Beitragvon nera » 09.02.2013, 19:28

wieso schmeichelhaft ?????

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 10.02.2013, 18:02

Liebe Nera,

eben habe ich gesehen, dass du noch was dazu geschrieben hast.

Ich meinte, ich finde es schmeichelhaft, dass du dich mit einem von mir angeschnittenen Thema befasst.

Ich hätte anstatt Thema Gedicht schreiben können, aber du hast ja, zu Recht, an dessem lyrischen Wert gezweifelt.


Liebe Grüße,


Carlos

pjesma

Beitragvon pjesma » 11.02.2013, 18:03

hm. mich reizt dies kleines textchen schon (oder thema?)...ich empfinde es zwar nicht als lyrisch, aber es erinnert mich sehr an etwas was ich über tod und reinkarnation las...wenn ein junger mensch gewaltigen todes stirbt, weiß er angeblich erstmal nicht dass er gestorben ist, erst wenn er sein toten körper "erblickt" begreift er es und verfällt erstmal in panik, in flucht...was sich dann in eine suche "ummildert"...nach neuem geburt oder abgang in nirvana...naja, ich weiß nicht ob du das angesprochen hast (zu spirituell?), aber bei mir klingelte grade das...
lg

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 17.02.2013, 07:52

Hallo Pjesma,

danke für deine Rückmeldung.

Ich weiß selber nicht genau, was ich da sagen wollte. Ich wachte aus einem Traum auf und hatte diese verrückte Idee im Kopf, samt Telefonat.

Stell dir vor, der Tod ruft dich an und sag dir, dass du bei ihm bist ...

Neulich war ich in einem Cafè und fragte die Kellnerin (sie kommt aus Polen), ob ihr das Wort Pjesma etwas sagt ... Sie wusste es nicht.

Mich erinnert es an das russische Wort für Hoffnung, das ich von einem Chanson von Georges Moustaqui kenne.


Vale

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 18.02.2013, 21:59

Hallo,

ich mag die bizarre, surrealistische Stimmung in diesem Text. Die Melodie mit dem runden, grotesken Ende ebenso.


Cheers,

P.


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