Endfassung:
japanische hände
winke mich zu dir
mit den handflächen nach unten
ich bin ein mensch und kein tier
zeige nicht mit dem finger auf mich
lenke deine ganze hand zu mir hin
zeigst du auf dich selbst
so deute auf deine nase
stecke deine hölzchen niemals senkrecht ins mahl
dies ist opfergaben für tote vorbehalten
gib keine speisen mit stäbchen an mich weiter
sonst überreichst du mir knochenasche meiner verwandten
begehrst du keinen weiteren trunk
lasse dein glas bis zur hälfte gefüllt
schenke dir selbst nicht nach
überlasse diese geste mir
so wie auch du mein glas auffüllen wirst
gib mir kein trinkgeld
mein guter service wird vorausgesetzt
zähle nie das wechselgeld vor mir
ich bin kein betrüger
zeige kein interesse an einem gegenstand von mir
du nötigst mich ihn dir zu schenken
gib mir kleines und nicht großes
so bringst du mich nicht in zugzwang
verpacke es bunt und ohne schleifen
du überbringst mir sonst trauer
reiche mir nichts als quartett
die vier ist für mich die zahl des unglücks
schenke mir weder messer noch schere
sie lösen die bande unserer freundschaft
überreiche mir die gabe mit beiden händen
so kommt sie von herzen
2. Version
japanische hände
möchtest du jemanden zu dir winken
so halte deine handfläche nach unten
mit der fläche nach oben werden tiere gerufen
zeige nicht mit dem finger auf menschen
lenke deine ganze hand zu ihm hin
zeigst du auf dich selbst
so deute auf deine nase
stecke deine hölzchen niemals senkrecht ins mahl
dies ist opfergaben für tote vorbehalten
gib speisen nicht stäbchenweise weiter
sonst überreichst du knochenasche an verwandte
begehrst du keinen weiteren trunk
lasse dein glas bis zur hälfte gefüllt
schenke dir selbst nicht nach
überlasse diese geste deiner begleitung
so wie auch du ihr glas auffüllen wirst
gib kein trinkgeld
guter service wird vorausgesetzt
zähle nie das wechselgeld
du stellst den verkäufer als betrüger dar
zeige kein interesse an einem gegenstand
du nötigst den besitzer ihn dir zu schenken
gib kleines und nicht großes
du bringst den beschenkten in zugzwang
verpacke es bunt und ohne schleifen
du überbringst sonst trauer
reiche nichts als quartett
die vier ist die zahl des unglücks
verschenke weder messer noch schere
sie lösen die bande der freundschaft
überreiche die gabe mit beiden händen
so kommt sie von herzen
Einige grammatische Fehler behoben, dank poeta!
Ursprungsversion:
sprechende hände
wild stürmt es in meinem geist
halte die hände still
zeige einem menschen beachtung
meine hand führt zu ihm hin
richte meine handfläche nach unten
kein tier wird gerufen
richte meine hölzchen quer ins mahl
keine opfergabe für tote
gebe speisen nicht stäbchenweise weiter
überreiche keine knochen aus asche
bin nicht durstig
mein glas bleibt bis zur hälfte gefüllt
schenke mir selbst nicht nach
überlasse die geste meiner begleitung
gebe kein trinkgeld
der service sagt mir zu
zähle nie das wechselgeld
der verkäufer ist kein betrüger
zeige kein interesse an einem gegenstand
keine pflicht es mir zu schenken
gebe kleines und nicht großes
zugzwang wird nicht gefordert
verpacke es bunt und niemals weiß
keine trauer wird überbracht
reiche nichts als quartett
unglück ist verbannt
verschenke weder messer noch schere
die bande der freundschaft bleibt erhalten
überreiche die gabe mit beiden händen
es kommt von herzen
japanische hände
Der Text ist zu kryptisch und "scheinbar" voller Widersprüche, hm?
Ich überlege, ob ich den Titel ändere bzw. um ein Wort ergänze. Dann würde nämlich schnell klar, wovon ich hier schreibe. Ein Rätseltext soll es nicht sein.
Aber vielleicht kommt ja doch jemand drauf. ,-)
Ich überlege, ob ich den Titel ändere bzw. um ein Wort ergänze. Dann würde nämlich schnell klar, wovon ich hier schreibe. Ein Rätseltext soll es nicht sein.
Aber vielleicht kommt ja doch jemand drauf. ,-)
tja, liebe gabi, ich steh hier tatsächlich etwas auf dem schlauch ...
es könnte sich um irgendein ritual handeln, eine tradition ... ich dachte auch an hochzeit ...???
es liest sich zum teil wie eine anleitung zu irgendwas ...
auch frage ich mich, ob es intendiert ist ein "ich" jeweils voran zu lesen (manchmal ist es eindeutig so), oder aber ist es als aufforderung an ein du/ den leser gedacht? vielleicht könntest du ab und zu ein "ich" ergänzen ...für mich zumindest ist es ein klein wenig verwirrend so.
vielleicht sieht aber doch noch jemand klarer als ich ...
liebe grüße,
diana
es könnte sich um irgendein ritual handeln, eine tradition ... ich dachte auch an hochzeit ...???
es liest sich zum teil wie eine anleitung zu irgendwas ...
auch frage ich mich, ob es intendiert ist ein "ich" jeweils voran zu lesen (manchmal ist es eindeutig so), oder aber ist es als aufforderung an ein du/ den leser gedacht? vielleicht könntest du ab und zu ein "ich" ergänzen ...für mich zumindest ist es ein klein wenig verwirrend so.
vielleicht sieht aber doch noch jemand klarer als ich ...
liebe grüße,
diana
Hallo Diana,
ich dachte mir schon, dass es schwer zu verstehen ist.
ja, damit liegst du ganz richtig.
Die vielen "Ich" wollte ich nicht schreiben, da deren Anhäufung etwas zu viel gewesen wäre. Man soll sich das "Ich" dazu denken (in meiner ersten Version hatte ich das Ganze als Aufforderung an ein Du geschrieben, doch das wirkte mir zu streng/maßregelnd).
Es geht hier um den Verhaltenskodex (hier habe ich die Hände im Fokus, es gibt noch viel mehr) einer nicht-europäischen Kultur.
Liebe Grüße
Gabi
ich dachte mir schon, dass es schwer zu verstehen ist.
birke hat geschrieben:es liest sich zum teil wie eine anleitung zu irgendwas ...
ja, damit liegst du ganz richtig.
Die vielen "Ich" wollte ich nicht schreiben, da deren Anhäufung etwas zu viel gewesen wäre. Man soll sich das "Ich" dazu denken (in meiner ersten Version hatte ich das Ganze als Aufforderung an ein Du geschrieben, doch das wirkte mir zu streng/maßregelnd).
Es geht hier um den Verhaltenskodex (hier habe ich die Hände im Fokus, es gibt noch viel mehr) einer nicht-europäischen Kultur.
Liebe Grüße
Gabi
-
RäuberKneißl
Hallo Gabi,
die erste Zeile ist für mich sehr rätselhaft, ich würde ihn ungern nur als Prolog für den (japanischen?) Rest sehen - damit wäre er für mich 'überfordert' - er drückt für mich eine andere inhaltliche Befindlichkeit aus.
So wie ich es lese, würde dem Text vermutlich eine strengere, einheitlichere Form (z.B. immer Zeilenpaare und etwas knapper) noch mehr Kraft geben. Ein spannender Ansatz, aber für mich noch nicht ganz auf dem Punkt.
Herzliche Grüße
Franz
die erste Zeile ist für mich sehr rätselhaft, ich würde ihn ungern nur als Prolog für den (japanischen?) Rest sehen - damit wäre er für mich 'überfordert' - er drückt für mich eine andere inhaltliche Befindlichkeit aus.
So wie ich es lese, würde dem Text vermutlich eine strengere, einheitlichere Form (z.B. immer Zeilenpaare und etwas knapper) noch mehr Kraft geben. Ein spannender Ansatz, aber für mich noch nicht ganz auf dem Punkt.
Herzliche Grüße
Franz
Hallo Franz,
mit deinem Einwand zur ersten Zeile hast du vermutlich Recht. Es geht hier darum, dass wildes Gestikulieren, wenn man wütend ist, in Japan als extrem unangenehm empfunden wird.
Auch drücke ich hier eine andere "Ebene" der Befindlichkeit aus, stimmt.
Insgesamt muss eine stringentere und wohl auch reduzierte Form her, auch da stimme ich dir zu.
Fokus sollen auf jeden Fall die Hände bleiben. Es ist schon faszinierend, welche Handbewegung oder Haltung einer Hand für welche Geste steht und wie sehr man sich mit einer falschen Handbewegung bis auf die Knochen blamieren kann oder den Unmut der Japaner erzeugt (man sogar durch eine fasche Geste hervorrufen kann, dass ein Japaner sein Gesicht verliert), und man weiß gar nicht, wieso. ,-)
Saludos
Gabriella
mit deinem Einwand zur ersten Zeile hast du vermutlich Recht. Es geht hier darum, dass wildes Gestikulieren, wenn man wütend ist, in Japan als extrem unangenehm empfunden wird.
Auch drücke ich hier eine andere "Ebene" der Befindlichkeit aus, stimmt.
Insgesamt muss eine stringentere und wohl auch reduzierte Form her, auch da stimme ich dir zu.
Fokus sollen auf jeden Fall die Hände bleiben. Es ist schon faszinierend, welche Handbewegung oder Haltung einer Hand für welche Geste steht und wie sehr man sich mit einer falschen Handbewegung bis auf die Knochen blamieren kann oder den Unmut der Japaner erzeugt (man sogar durch eine fasche Geste hervorrufen kann, dass ein Japaner sein Gesicht verliert), und man weiß gar nicht, wieso. ,-)
Saludos
Gabriella
Liebe Gabi,
das ist ein sehr spannender Text, in dem einerseits das Fremde hindurchscheint, dann aber auch wieder Erinnerungen aufblitzen an Regeln oder Aberglaube, den man selbst einmal gehört hat (verschenke keine Messer).
Formal habe ich ähnliche Schwierigkeiten, wie Franz und birke. Wenn ich ein paar Zeilen ohne Ich gelesen habe, kippt der Text und ich lese es als Aufforderung. Der Wechsel ist dabei das schwierige, da fliegt man jedesmal raus. Die erste Strophe ist mir zu gemischt von den Bezugsebenen her:
weil dir die verschiedenen Regeln durcheinander geraten vermutlich. Aber diese Zeile brauchts gar nicht, denn nach dem Lesen der vielen Regeln wird es dem Leser schon selbst im Geist stürmen. Oder du setzt die Zeile vielleicht an den Schluss?
Das klingt nun wirklich wie eine Aufforderung. Allerdings hätte ich überhaupt kein Problem damit, wenn der Text durchgängig in der Aufforderungsform geschrieben wäre. Man würde sich innerhalt dieses Rituals an die Hand genommen fühlen und die Dinge eben so ausführen, wie es richtig ist. Es kommt ja auch darauf an, welche Stimme man sich beim Vortrag dieses Gedichts vorstellt.
...
Ist das auch eine Regel? Dann müsste sie vielleicht heißen: die hand führt immer zum anderen hin
Richte die Handfläche immer nach unten
Rufe niemals ein Tier
... klänge das hier nicht sogar besser?
Also, ich denke, eine formale Überarbeitung wäre sehr lohnend für diesen inhaltlich sehr interessanten Text.
Viele Grüße
fenestra
das ist ein sehr spannender Text, in dem einerseits das Fremde hindurchscheint, dann aber auch wieder Erinnerungen aufblitzen an Regeln oder Aberglaube, den man selbst einmal gehört hat (verschenke keine Messer).
Formal habe ich ähnliche Schwierigkeiten, wie Franz und birke. Wenn ich ein paar Zeilen ohne Ich gelesen habe, kippt der Text und ich lese es als Aufforderung. Der Wechsel ist dabei das schwierige, da fliegt man jedesmal raus. Die erste Strophe ist mir zu gemischt von den Bezugsebenen her:
wild stürmt es in meinem geist
weil dir die verschiedenen Regeln durcheinander geraten vermutlich. Aber diese Zeile brauchts gar nicht, denn nach dem Lesen der vielen Regeln wird es dem Leser schon selbst im Geist stürmen. Oder du setzt die Zeile vielleicht an den Schluss?
halte die hände still
Das klingt nun wirklich wie eine Aufforderung. Allerdings hätte ich überhaupt kein Problem damit, wenn der Text durchgängig in der Aufforderungsform geschrieben wäre. Man würde sich innerhalt dieses Rituals an die Hand genommen fühlen und die Dinge eben so ausführen, wie es richtig ist. Es kommt ja auch darauf an, welche Stimme man sich beim Vortrag dieses Gedichts vorstellt.
...
meine hand führt zu ihm hin
Ist das auch eine Regel? Dann müsste sie vielleicht heißen: die hand führt immer zum anderen hin
richte meine handfläche nach unten
kein tier wird gerufen
Richte die Handfläche immer nach unten
Rufe niemals ein Tier
... klänge das hier nicht sogar besser?
Also, ich denke, eine formale Überarbeitung wäre sehr lohnend für diesen inhaltlich sehr interessanten Text.
Viele Grüße
fenestra
Hallo fenestra,
ich glaube, du hast Recht. Da es teilweise wirklich verwirrend ist, ob ein "ich" davor zu lesen ist oder es als Aufforderung gemeint ist (was Diana ja auch schon meinte), werde ich mal versuchen, den ganzen Text wirklich als auffordernde Anleitung zu schreiben. Danke dir.
Sag mal: meinst du, ich sollte den Titel ergänzen?
Vielleicht: japanisch sprechende hände? Oder: die sprache der hände in japan?
Saludos
Gabriella
ich glaube, du hast Recht. Da es teilweise wirklich verwirrend ist, ob ein "ich" davor zu lesen ist oder es als Aufforderung gemeint ist (was Diana ja auch schon meinte), werde ich mal versuchen, den ganzen Text wirklich als auffordernde Anleitung zu schreiben. Danke dir.
Sag mal: meinst du, ich sollte den Titel ergänzen?
Vielleicht: japanisch sprechende hände? Oder: die sprache der hände in japan?
Saludos
Gabriella
ja, ich fände es gut, im titel einen hinweis zu geben, gabi.
warum nicht zb einfach "japanische hände"?
interessant dein text, allemal!
lg, diana.
warum nicht zb einfach "japanische hände"?
interessant dein text, allemal!
lg, diana.
-
poeta
hallo gabriella,
ja so hast du mit dem hinweis im titel für viel mehr klarheit gesorgt. auch finde ich es sehr passend, durchgängig als anleitung, als 'verhaltenskodex', zu formulieren. es haben sich da aber noch ein paar grammatische ungereimtheiten eingeschlichen, z.b. lautet der imperativ von 'geben' ganz einfach 'gib' etc.
ich versuchs mal im detail anzumerken:
kürzen würde ich eigentlich nicht mehr. ich finde diesen einblick in die japanische kultur, die mir total fremd ist, sehr interessant, so interessant, dass ich mich gern näher damit beschäftigen würde.
vielen dank für diese anregung
.
liebe grüße, poeta
ja so hast du mit dem hinweis im titel für viel mehr klarheit gesorgt. auch finde ich es sehr passend, durchgängig als anleitung, als 'verhaltenskodex', zu formulieren. es haben sich da aber noch ein paar grammatische ungereimtheiten eingeschlichen, z.b. lautet der imperativ von 'geben' ganz einfach 'gib' etc.
ich versuchs mal im detail anzumerken:
japanische hände
möchtest du jemanden zu dir winken
so halte deine handfläche nach unten
mit der fläche nach oben werden tiere gerufen
zeige nicht mit einem dem finger auf einen menschen
lenke deine ganze hand zu ihm hin
zeigst du auf dich selbst
so deute auf deine nase
steckte deine hölzchen niemals senkrecht ins mahl
dies ist opfergaben für tote vorbehalten
gebe gib speisen nicht stäbchenweise weiter
sonst überreichst du knochen aus asche an verwandte [? knochenasche?]
begehrst du keinen weiteren trunk
lasse dein glas bis zur hälfte gefüllt
schenke dir selbst nicht nach
überlasse diese geste deiner begleitung
so wie auch du sein ihr glas auffüllen wirst [die begeleitung]
gib kein trinkgeld
der guter service wird vorausgesetzt
zähle nie das wechselgeld
du stellst den verkäufer als betrüger dar
zeige kein interesse an einem gegenstand
du nötigst den besitzer es ihn dir zu schenken [der gegenstand]
gib kleines und nicht großes
du bringst den beschenkten in zugzwang
verpacke es bunt niemals weiß und ohne schleifen [bezug nicht ganz klar: 'niemals weiß ohne schleifen' also 'bunt mit schleifen' oder 'bunt und ohne schleifen'
du überbringst sonst trauer
reiche nichts als quartett
die vier ist die zahl des unglücks
verschenke weder messer noch schere
sie lösen die bande der freundschaft
überreiche die gabe mit beiden händen
so kommt es sie von herzen
kürzen würde ich eigentlich nicht mehr. ich finde diesen einblick in die japanische kultur, die mir total fremd ist, sehr interessant, so interessant, dass ich mich gern näher damit beschäftigen würde.
vielen dank für diese anregung
.liebe grüße, poeta
hallo, liebe gabi.
also, mir gefiel die erste version deutlich besser, weil sie nicht so ausführlich und direkt bis ins detail alles beschreibt. das ist mir in der zweiten version irgendwie zu deutlich und ausführlich ...
nur meine meinung.
und mit dem titel finde ich, dass die erste version auch durchaus trägt und bestand hat.
aber zumindest würde ich die überarbeitete fassung kürzen.
herzlich,
diana
ps - die kleinen ungereimtheiten sprach poeta gerade an, wie ich sehe.
also, mir gefiel die erste version deutlich besser, weil sie nicht so ausführlich und direkt bis ins detail alles beschreibt. das ist mir in der zweiten version irgendwie zu deutlich und ausführlich ...
nur meine meinung.
und mit dem titel finde ich, dass die erste version auch durchaus trägt und bestand hat.
aber zumindest würde ich die überarbeitete fassung kürzen.
herzlich,
diana
ps - die kleinen ungereimtheiten sprach poeta gerade an, wie ich sehe.
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