Windjammer

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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fenestra
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Beitragvon fenestra » 30.01.2013, 18:49

Diesen älteren Text stelle ich mal ein, weil Amanitas "Wir" mich daran erinnert hat.


Windjammer


ein Schiff soll ich sein
und du der Kapitän
wann stechen wir in See
unter welcher Flagge
worauf nehmen wir Kurs

einst war ich deine Yacht
im Hafen von Saint Tropez
bist du nicht von Deck gewichen
damit keine Landratte
auf meinen Hüften schaukeln konnte

dann war ich dein Luxusliner
alles was Rang und Namen hatte
wurde geladen zum Kir Royal
unterhalten und verschaukelt
und in alle Winde zerstreut

nun bin ich dein Containerschiff
hast mir den Bauch vollgestopft
ob Kapstadt, Shanghai oder Signapur
du bist auf Landgang
und die Ladung ist noch nicht gelöscht

ein Luftkissenboot sollte ich sein
ohne Kapitän in See stechen
unter meiner Flagge
Kurs nehmen
aufs eigene Leben

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.01.2013, 21:30

Hallo fenestra,

klasse, von A - Z. Der Titel ist schon perfekt dazu gewählt.
Sehr gelungen! :daumen:

Saludos
Gabriella

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 30.01.2013, 22:16

Liebe fenestra,

mir gefällt der Text nicht so gut, weil das Bild so eine deutliche Interpretationssprache spricht und dazu sehr hölzern auf mich wirkt - dadurch berühren mich die Schilderungen nicht, obwohl mich das Thema durchaus anzieht. Es klingt dadurch alles so harmlos und zugleich toternst?

liebe Grüße
Lisa

PS: Ich habe übrigens erst beim zweiten Draufklicken, als ich mich für eine Antwort entschied, gelesen, dass der Text älter ist -- vielleicht merkt man es, ich habe nämlich gleich gedacht, dass ich einen Text, der aufgrund der oben genannten Gründe nicht gefällt, noch nie von dir gelesen habe. (was nicht heißen soll, dass mir andere texte nicht gefallen hätten, kann mich an keinen erinnern .-), aber diese Art "Fehler" hätte ich bei dir nicht vermutet).
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.01.2013, 22:55

Mir gefällt hier gerade die deutliche Interpretationssprache. ,-)

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 31.01.2013, 20:56

Es klingt dadurch alles so harmlos und zugleich toternst


Liebe Lisa, das ist ja gerade die Absicht, darin finde ich eigentlich keinen "Fehler". Ansonsten hast du natürlich Recht, der Text ist relativ eindimensional (meinst du das mit "hölzern"?), eben eine Art Frauenbefreiungsgedicht in klassischer Tradition der feministischen Bewegung. Würde ich heute nicht mehr so schreiben, aber in manchen Phasen können solche Texte schon mal befreiend wirken, denke ich.

Liebe Gabriella, danke für deine positive Rückmeldung! Windjammer ist wirklich ein interessantes Wort. Hier jammert der Wind gerade auch mächtig ums Haus.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 31.01.2013, 21:12

fenestra hat geschrieben:Würde ich heute nicht mehr so schreiben, aber in manchen Phasen können solche Texte schon mal befreiend wirken, denke ich.

Ja, erstens das und zweitens finde ich es auch erfrischend, wenn man mal etwas ganz klar lesen und verstehen kann, da die meisten von uns (mich inbegriffen) oft sehr kryptisch schreiben. ,-)


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