es sind die tage...

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yaira

Beitragvon yaira » 11.09.2012, 18:53

es sind die tage, die mir zu nächten werden
ihr grau schleift das glitzern
vom sonnenstein ab was bleibt
ist ein müdfahler fels

dem heulen (wie wölfe, dem mond zu)
hab ich abgeschworen
die antwort war schweigen kein mit-
laut noch -leid

so wandre ich nachttags
durch stunden der stille
und sehn mich zurück in die sonnenuhrzeit

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 11.09.2012, 20:59

Hallo yaira, vielleicht hast Du's ja schon gemerkt - wir scheinen (zumindest hin und wieder) ganz ähnliche Gedanken in ganz ähnliche Worte zu fassen (ich denke beispielsweise an dieses hier viewtopic.php?f=2&t=13404), daher kann ich mit Deinem Gedicht schon viel "anfangen".

Aber: Der letzte Satz ergibt sich eigentlich schon aus Strophe eins (klingt jedenfalls an), überhaupt ist - mir - die letzte Strophe der ersten zu ähnlich. Dafür kann ich die zweite nicht richtig mit den anderen verbinden; für mich ist sie was völlig anderes.

Ich habe das Gefühl, dass die Feile nochmal ran muss, und zwar an die gesamte Struktur - dann kämen die einzelnen Bilder besser zur Geltung. Aber auch en detail könnte hier und da was verbessert werden - z. B. würde ich vor den fels nicht den sonnenstein setzen, das empfinde ich als zu "steinig".
Zuletzt geändert von Amanita am 11.09.2012, 21:22, insgesamt 1-mal geändert.

yaira

Beitragvon yaira » 11.09.2012, 21:21

Hallo Amanita,

du sprichts eines meiner größten Probleme an: einen Text enden zu lassen. Du hast recht - die dritte Vergruppe ist in gewisser Weise redundant. Mein Hirn experimentiert schon mit einer kürzeren, lakonischeren Fassung (Gedankenansatz: an nachttagen bleib ich allein).

Viel schwieriger wird, was du mit der Gesamtstruktur meinst... Ist die Verbindung zwischen den ersten beiden Versgruppen wirklich zu schwach? Für mich entsteht sie über die gemeinsamen Motive Nacht und eben (lebloses) Gestein und Himmelskörper, deshalb stört mich persönlich auch die Steinanhäufung nicht. Hm, darüber muss ich länger nachdenken...

ich danke dir für die Denkanstöße.

Viele Grüße
yaira

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Beitragvon Amanita » 11.09.2012, 21:26

Ja, ich würde vielleicht auch kürzen, auch ein "Umdrehen" der Reihenfolge hatte ich schon im Sinn - das meine ich mit Struktur(veränderung).

Sonnenstein und Fels könnten auch beide bleiben, nur so unmittelbar hintereinander schwächen sie sich m. E.

DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 11.09.2012, 22:44

Hallo,

ich habe noch Probleme mit der ersten Strophe. Die "tage" sind doch "grau", weil eben die Sonne fehlt. Demnach wäre es schief, zu sagen, die grauen Tage würden die Sonne abschleifen und dadurch grau werden. Das wäre ein Zirkelschluss ^^ Oder stehe ich gerade ganz auf dem Schlauch?
Ich finde den Gedanken, dass die Sonne abgeschliffen wird und so zum Mond wird, ja nicht schlecht, aber in der Konstellation stimmt da für mich etwas nicht.
Man möge mich aufklären, wenn ich Stuss rede.

Grüße
David

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Beitragvon Amanita » 11.09.2012, 22:53

Hm, David, das könnte stimmen, wie Du das sagst. Ich hatte es anders gelesen: Durch irgendetwas, vermutlich ein - ziemlich böses - Ereignis, wurden dem LyrIch die Tage zur Nacht, so übermächtig, dass sie (gefühlt) sogar die Sonne "abschleifen", alles in müdes Grau tauchen. Das LyrIch heult nicht und kriegt kein Mitleid, wandert - sozusagen beherzt - weiter, sehnt sich nur ab und zu nach der Zeit, als die Sonnenuhren noch funktionierten, aber nimmt sein "Schicksal" letztendlich hin.

DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 11.09.2012, 23:16

Durch irgendetwas, vermutlich ein - ziemlich böses - Ereignis, wurden dem LyrIch die Tage zur Nacht, so übermächtig, dass sie (gefühlt) sogar die Sonne "abschleifen"


Ich glaube, das ist das Gleiche. Wenn die Tage zur Nacht werden, dann deshalb, weil die Sonne verschwindet. Ein Tag kann doch nicht zur Nacht werden und dabei die Sonne abschleifen.
Ein böses Ereignis könnte die Sonne abschleifen und dann den Tag zur Nacht machen, aber das wäre bildlich irgendwo schwach, solange dieses Ereignis abstrakt bleibt.

Oh Mann, wie ich mich gerade anhöre .. :rolleyes: Solche Diskussionen über Bilder können schon was Komisches an sich haben.

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Beitragvon Amanita » 11.09.2012, 23:23

Vielleicht hast Du recht: Bildlich schwach. Ich habe es dennoch nicht so empfunden. Ich habe keine Probleme damit, wenn der Tag zur Nacht wird und dabei die Sonne abschleift, für mich klingt das plausibel (auch wenn es das wirklich nicht ist :).

DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 11.09.2012, 23:37

Ich bin manchmal auch übertrieben pedantisch, wenn es um Sprachbilder geht. Oft stolpere ich schon über Kieselsteine, über die jeder vernünftige Leser einfach hinwegschreitet.
Mal sehen, was die anderen noch sagen.

Gerda

Beitragvon Gerda » 12.09.2012, 03:59

Liebe yaira,

ich finde es schön, dass du dich auch imit einem eigenen Text vorstellst.
Wirklich rund empfinde ich deinen Text indes noch nicht und schließe mich den Vorkommentatoren an , die schon jene Punkte angesprochen haben, bei denen sich ein Feilen lohnte.

Mir sticht aber noch etwas anderes, leider nicht positiv ins Auge.
"Der Mond und die Wölfe", ist mir ein zu aufdringliches, ja abgenutztes Bild, als dass ich es noch gern in einem Text lesen würde. (Achtung: Kitschgrenze)

Liebe Grüße
Gerda

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Beitragvon Amanita » 12.09.2012, 07:51

Hallo Gerda, das war so ein Punkt, warum ich mit der zweiten Strophe nicht klarkomme.

Gerda

Beitragvon Gerda » 12.09.2012, 08:03

Danke für die Info, Amanita.

Peter

Beitragvon Peter » 12.09.2012, 08:32

Hallo yaira,

für mich passt das Gedicht, allerdings weniger auf seiner bildlichen Ebene als mehr auf seiner stimmlichen, und es scheint mir auch so gewollt und aufgebaut zu sein: es lebt weniger von den Bildern als von seinem Ton.

Besonders hier:
"so wandre ich nachttags
durch stunden der stille"

Ich versuch mir hier auch nichts mehr vorzustellen, sondern lass mich eigentlich mittragen.

Ein anderer, wahrscheinlich mit dem Ton zusammenhängender Punkt ist, dass mir das Gedicht glaubhaft erscheint, obwohl es, wenn ich sozusagen aufwache und mir die Zeilen bewusst ansehe, nicht glaubhaft ist. Auf der bewussten Ebene bricht dann vieles auseinander, das Heulen, wohin? Warum Sonnenuhrzeit, es wurde doch nur von der Sonne gesprochen? aber all das scheint mir Beiwerk, ein brüchiges Bildwerk in einem Raum, der glaubhaft dunkel ist und daher aus seiner Dunkelheit nächste, unausgesprochene Bilder bezieht.

So mein Lesen!

Liebe Grüße,
Peter

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Beitragvon Amanita » 12.09.2012, 08:36

Liebe yaira, Peter hat schön beschrieben, wie es mir - ungefähr - auch geht. Ja, der Ton ist es. Aber ich bleibe dabei: Die zweite Strophe hat einen anderen "Ton" + passt für mich nicht so gut zu allem anderen.


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