Abschied

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 15.12.2011, 12:33

II. gekürzte Version

Abschied

Heute bin ich
aus der Eisesstille geschlichen

Meinen Löffel hab ich
in der Lade gelassen,
sein Klappern wäre dir wohl zu laut

nur ein paar Bilder nehme ich mit in den Schlaf








Abschied


Heute bin ich
aus der Eisesstille geschlichen

Meinen Löffel hab ich
in der Lade gelassen,
sein Klappern wäre zu laut

ein paar Bilder nehme ich mit in den Schlaf
hin zum Verschlag in der Nacht
wo – weißt du noch?
unser Lachen hauste, damals
im Regenlicht

so lange, bis erste Nebel aufkamen
die schleppend alles in uns verschluckten

und als der Winter aufs Herbstliche folgte
Eisblumen in die Hütte grinst

sind wir von Stille eingehüllt
sagen nichts mehr
weil es stört
Zuletzt geändert von Amanita am 20.12.2011, 16:34, insgesamt 2-mal geändert.

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 15.12.2011, 23:53

Hallo Amanita,

das Gedicht finde ich recht ansprechend, aber auch verwirrend. Meine Eindrücke:
V1-4 finde ich sehr gelungen - LI macht sich auf den Weg, verabschiedet sich
V5 ist eine Erklärung, Begründung, Rückbezug auf die Stille in V2 - finde ich etwas dick
V6 - Gegenwart und "in den Schlaf": nanu-LI geht zu Bett? Krieg ich in der engen Folge nicht mit V2 zusammen - heißt das, doch kein Abschied?
V7 - "ein Verschlag" dieses Objekt schwebt etwas beziehungslos; "in der Nacht"- die Info hat der Leser schon, wg. Schlaf
V8 - Einleitung Rückblick
V9 - Lachen=die Töne zu den Bildern aus V4, hauste Kontrast zu V5. "damals" - aus V8 bereits bekannt
V10 - Regen Kontrast zu Eis, Licht Kontrast zu Nacht
V11 Jetzt kommt als dritten Wetter-Bild der Nebel, Abbruch des konkreten Rückbezugs, das Bild ist etwas bieder
V12 Versuch, die Metaphorik aus V11 durch Übersteigerung zu retten; gelingt der ..schlepp ...schluck.. Kette m.E. nicht
V13 noch ein Ritt auf der Wetter-Schiene, eine sehr abgenutzte Herbst-Winter-Folge in der Vergangenheit
V14 plötzlich Gegenwart, eine 'Hütte' und 'grinst', nächster Rettungsversuch, hat sprachlich schon eher was; nur kann ich inhaltlich keinen Zusammenhang finden denn:
V15 hat ein 'wir' zum Gegenstand.
Hier bin ich abgehängt, die Stille bindet an den Anfang, wo das LI allein aus der Küche geht, ebenso die Gegenwart
V16/17 erschließen sich mir ebenfalls nicht: ist das sagen/schweigen das eigentliche Thema? Was ist das 'es', was stört? Oder ist gemeint: weil (das sagen) es (das schweigen) stören würde? Das würde inhaltlich für mich auch nicht wirklich als Schluß Sinn machen ...
Oder sollten die letzten drei Verse eigentlich in der Vergangenheit stehen, LI war eingehüllt, bevor es sich in den Eingangsversen verabschiedet?

Lies das bitte nicht als Kritik, ich versuche nur zu erzählen, wie es einem spätnächtlichen Leser ergehen kann (der dabei das Gefühl hat, auf irgendeinem Schlauch zu stehen, der im Morgenlicht schon fröhlich sprudeln kann (es ist nur leider Eiseskälte angesagt) - eventuell liegen meine Probleme an unsauberem Umgang mit den Zeiten?
Nebelige Grüße
Franz

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 16.12.2011, 07:44

Doch, als Kritik lese ich es schon ... macht aber nix. Ist mir jetzt ein bisschen zu aufgebröselt (ja hier sonst nicht üblich).

Wenn bis auf den Anfang nur abgenudelte Wendungen da sind oder verzweifelte Rettungsversuche, muss ich den Schritt zum Eimer mal überdenken.

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Eule
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Beitragvon Eule » 17.12.2011, 11:30

Hallo Amanita, ganz im Gegenteil, es wäre besser, am Text zu arbeiten. Thema und Ausführung wären es aus meiner Sicht allemal wert. Für mich wirkt das Gedicht leicht konfus, ich würde mir mehr Verdichtung und Abrundung wünschen, auch um die zentralen Gedanken besser zu verstehen.
Zuletzt geändert von Eule am 17.12.2011, 15:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 17.12.2011, 14:00

Hallo Eule, hast Du Vorschläge? (Bin noch demotiviert ... it's your part, das zu ändern :daumen: )

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Eule
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Beitragvon Eule » 19.12.2011, 22:55

Hallo Amanita, die ersten drei Strophen kann ich sehr gut lesen, dann ufern die Zeilen für mich aus, beginnen geschwätziger und ungenauer zu werden. Besser fände ich: ... dann schleppten Nebel/verschluckten Alles in uns/und als der Winter aufs Herbstliche folgte//sind wir ... /sagten nichts mehr/weil es störte , also stärkere Verkürzungen und mehr Konzentration auf die Textentwicklung. Dadurch würde auch der Titelbezug klarer. Viele Grüße !
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 19.12.2011, 22:57

Danke - das ist ein Ansatzpunkt. Ich gucke morgen näher hin! Gute Nacht!

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 20.12.2011, 11:32

Hallo Amanita,

für mich war Räubers genauer Blick interessant zu verfolgen und ich finde es eigentlich schade, dass vor allem im Lyrikbereich hier selten so ins Detail geschaut wird, oder zumindest dies selten schriftlich festgehalten und dem Autor gezeigt wird. Ich empfinde das nicht als aufbröseln, oder sonst irgendwie negativ, sondern eben als eine Möglichkeit sich mit einem Text auseinanderzusetzen, der sich einem nicht auf anderem Weg erschließt.
Für mich bringt Räubers Kommentar jedenfalls vieles auf den Punkt und zeigt großteils genau das auf, was auch mich irritiert und verwirrt.
Ich würde mir neben den Zeiten und der Titelfrage vor allem noch einmal anschauen, wie die Stille hier "besetzt" sein soll. In der letzten Strophe scheint es plötzlich durch das "eingehüllt" und die Begründung "weil es stört", eine positive, kuscheligwärmende und schützenswerte Stille zu sein. Was dann das Lachen, das im Verschlag haust für mich in die Nähe des Grinsens rückt und eine negative Wendung erhält ... was ich dann aber wieder mit dem Abschied und der "Eisesstille" nicht zusammenbekomme.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 20.12.2011, 16:39

Hallo Flora! Nichts gegen den genauen Blick ins Detail. Aber dass jede Zeile mehr oder weniger süffisant beleuchtet wird, habe ich hier selten erlebt und hilft mir nicht sehr.

Für mich ist das Ding kaputt, vielleicht zu Recht.

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 20.12.2011, 19:06

Hallo Amanita,
ich habe das nicht zur Selbstdarstellung geschrieben. Süffisant bin ich immer mal wieder, kann sich hier vermutlich auch aufzeigen lassen - Intention war ein ausführliches Feedback, hier an vielen Stellen Kritik.
Ich hätte bei meinen eigenen Sachen, würde ich wie du pauschal mit "Tonne" reagieren, die Frage, ob nicht das nächste Gedicht ebensowenig standhalten würde? Und würde sie deshalb für mich akzeptieren oder abweisen (inhaltlich). So beschleicht mich schon sehr der Verdacht, daß das Obige vergebliche Liebesmüh war.
Schöne Grüße
Franz

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Beitragvon Mucki » 20.12.2011, 19:18

Hi Amanita,

die gekürzte Version finde ich sehr gelungen. Sie hat etwas Beklemmendes. So lautlos, wie sich LI verhält, so ergeht es mir als Leser, ich halte quasi die Luft an.
Bei der längeren Version war diese Wirkung nicht da. Insofern hat sich die Überarbeitung auf alle Fälle gelohnt!

Saludos
Gabriella

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Beitragvon Amanita » 20.12.2011, 23:26

Franz, es wird wohl an mir liegen. Deine Bemerkungen sind, vielleicht nicht in dieser Absicht, bei mir etwas "oberlehrerhaft" angekommen. Das ist an sich nichts Schlimmes, allerdings habe ich da wohl einen Pavlov-Reflex.

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Eule
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Beitragvon Eule » 20.12.2011, 23:36

Amanita hat geschrieben:Hallo Flora! Nichts gegen den genauen Blick ins Detail. Aber dass jede Zeile mehr oder weniger süffisant beleuchtet wird, habe ich hier selten erlebt und hilft mir nicht sehr.

Für mich ist das Ding kaputt, vielleicht zu Recht.


Das fände ich sehr schade. Die zweite Version gefällt mir auch, aber ich würde noch die Zeilen drei, vier und fünf dazunehmen, dann wäre das Gedicht für mich komplett. Herzliche Grüße !
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Beitragvon Amanita » 20.12.2011, 23:42

Hallo Eule, könntest Du mir das mal zusammenkopieren? Ich kann Deiner Zählweise nicht so ganz folgen.

(P. S.: Bevor sich Gabriella zu Wort meldete - Danke übrigens, Gabriella! - war ich so weit, alles durchzustreichen)


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