Café Willkür

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
poeta

Beitragvon poeta » 26.10.2011, 13:44




Café Willkür


Unentwegt seh ich zur Tür,
nippe kaum an meiner Tasse,
weile hier und doch nicht hier.
In Gedanken nur bei dir,
läuft ein Film ab und ich fasse
leider in des Nachbarn Bier.
Klasse, denk ich, wirklich Klasse!
Überall verläuft die Masse,
reuig zahle ich dafür,
lächle zaghaft und dann lasse
ich ein weiteres servieren.
Charme versprühend über Bieren
hebt er an, mich zu verführen.




Das Wort der Vorwoche "unwillkürlich" war Auslöser für diese Spielerei. :smile:

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 28.10.2011, 20:10

Hallo Poeta!

Das ist sicher geschrieben, aber inhaltlich vielleicht doch ein wenig blass? So richtig "warm" geworden bin ich jedenfalls nicht mit dem Text ...

Das "Masse" finde ich etwas eigenartig an dieser Stelle.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

poeta

Beitragvon poeta » 29.10.2011, 07:12

hallo ferdie,
danke für dein feedback. du hast schon recht, ein großer wurf ists nicht (was man ja auch am echo sieht). war hat eher so eine fingerübung und spielerei, trotzdem war ich neigierigig, ob da da jemandem was aufgefallen ist außer der "masse"?

liebe grüße, poeta

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 29.10.2011, 08:40

Hallo Poeta,

ja, ist mir aufgefallen (Wörter mit "C" am Zeilenanfang sind denen, die es selbst tun, immer ein Hinweis), änderte aber an meinem Eindruck der "inhaltlichen Blässe" nichts?! Ich bin eben sehr misstrauisch formalen Bestandteilen eines Textes gegenüber, die sich verselbstständigen und beginnen, sich den Inhalt unterzuordnen (Schüttelreime usw.). Natürlich ist das hier bei dir nur milde spürbar, aber gerade die Reimhäufung (die im Gegensatz zu anderen Gestaltungsbestandteilen "wirklich" ist, hörbar) ist - wie eigentlich immer - eher eine Belastung als der Gewinn, den sich die Schreibenden oft davon erhoffen.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 29.10.2011, 13:15

Hallo poeta,
poeta hat geschrieben:trotzdem war ich neigierigig, ob da da jemandem was aufgefallen ist

klar, es ist ein Akrostichon. Aber ich stimme Ferdi zu, was die "Blässe" betrifft.
Auch finde ich es nicht lustig genug. Aber du schreibst ja selbst, es sei eine Fingerübung und Spielerei. ,-)

Saludos
Gabriella

poeta

Beitragvon poeta » 03.11.2011, 10:05

hallo ihr beiden,

danke für eure rückmeldung. :-) Mit der "blässe" habt ihr schon recht, doch, was an farbe fehlt, macht es mit tempo wett... :mrgreen:

@Gabriella,
es freut ich, dass ich dich immerhin inspririeren konnte, ebenfalls zu thema ein akrostichon zu schreiben. dann hat sichs ja gelohnt.


liebe grüße, poeta

carl
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Beitragvon carl » 15.11.2011, 19:27

Hallo Poeta,

also, mir gefällt es!
Die Masse ist natürlich das verlaufende Bier und dem Reim geschuldet. Finde ich aber eine lässliche Sünde für ein Nonsens-Gedicht.
Der Schluss könnte noch eine Zeile vertragen mit einem Reim auf "ier", zur Not auch "ieren", das Ganze hängt sonst etwas in der Luft. Wenn man die erste Silbe einfach weglässt, klappt auch das Wort der Woche noch.
"- doch er landet nicht bei mir"
oder so... jedenfalls aus ersichtlichem Grund ;-)

LG, Carl

poeta

Beitragvon poeta » 22.11.2011, 07:40

hallo carl,

entschuldige die verspätete antwort; erst hat mich eine schwere lungenentzündung und dann die liegengeblieben arbeit vom blauen salon ferngehalten; doch langsam bekomme ich wieder boden unter die füße, hoffentlich!

ich danke dir für deine großartige anregung; da noch einen vers anzuhängen, halte ich für eine prima idee. du hast ganz recht, dass da noch was fehlt. ich hab da auch noch ein bischen weiter gedacht und bin auf folgendes gekommen:

" - ... da könnt ich was riskieren!"

so könnte man das "unwillkürlich" auch in den letzten vers mit hineinlesen... und das ende bliebe irgendwie offener. ???

es freut mich, dass dir meine kleine fingerübung, die mir im übrigen ganz einfach spaß gemacht hat, doch gefällt, wenn sie auch ein bisschen "reimgesucht" rüberkommt. ich fand das spiel mit maß und masse beim bier auch irgendwie witzig, sodass ich dachte, dass mans in diesem sinn schon durchgehen lassen könnte.

vielen dank und liebe grüße, poeta

carl
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Beitragvon carl » 22.11.2011, 08:44

Hallo Poeta,

na, das war ja keine Kleinigkeit! Gute Genesung!

Deine Lösung gefällt mir insofern, als sie am Anfang tatsächlich mit einer Auslassung beginnt und die erste betonte Silbe fehlt. Wodurch man ins Stolpern kommt beim lesen.
Andrerseits ist "riskieren" der 4. Reim in Folge und schließt eben nicht ab.
Ein männlicher Endreim von "früher" hat da mehr Wirkung im Sinne:
"Ob ich da noch was riskier?"

LG, Carl

P.S.: äh, geht mich ja nix an, aber bist du eine Frau?

poeta

Beitragvon poeta » 23.11.2011, 07:17

hallo carl,

und was hältst du davon, den "asse"- Reim noch einmal aufleben zu lassen?

" - ... fragt sich, ob ich was verpasse?"
" - ... fragt sich, ob ich was riskier?" - ginge natürlich genauso.

ich würde gern ein "fragt sich" dazwischen schieben, weil dann die ganz ausgeschlafenen auch

"unwillkürlich fragt sich, ob..." lesen können.
Was meinst?
Danke für deine Anregungen, die mir enorm weiterhelfen! :smile:
P.S.: äh, geht mich ja nix an, aber bist du eine Frau?

die chancen stehen 50:50! :mrgreen:
aber: ja, ich bin eine frau! wie bist du darauf gekommen? und macht es einen unterschied?


liebe grüße, poeta

carl
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Beitragvon carl » 23.11.2011, 21:35

Hallo Poeta,

zum Gedicht: das sind Nuancen! Was gefällt denn dir besser?
" - ... fragt sich, ob ich was verpasse?" hört sich für mich so an, als ob das Lyr-Ich sich bereits dagegen entschieden hätte.
"... ob ich da wohl was verpasse?"
wäre auch eine Möglichkeit, die für mich unmittelbarer klingt.

Wenn du mir meinen Chauvinismus nachsehen willst:
ich war ganz selbstverständlich von poeta (lat.) der Dichter ausgegangen und ich empfinde eine gewisse Lässigkeit im und eine Freude am Reimen, die ich natürlich unbewusst nur Männern zugetraut habe :mrgreen:
Willkommen im Club!

Carl


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