irrlichter

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.05.2011, 16:35

irrlichter

im abendleuchten
kommen die trugbilder
greifen nach mir
murmeln ihr zittriges licht
über abwege
fluten die leere, ziehen
mich mit

am morgen
schüttel' ich mir
den betrug aus den federn
in meinen augen spiegelt
die frühe und singt

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 06.05.2011, 12:29

Hallo Amanita,

sieht man im Abendleuchten zittrige Lichter? Können zittrige Lichter Flutlichter sein? Da passt etwas für mich auf der Bildebene noch nicht zusammen, als dass ich wirklich die mitziehende Kraft der Irrlichter sehen könnte.
Die zweite Lichtquelle des Abendleuchtens würde ich wegnehmen und dem Abend etwas anderes zuschreiben.
Statt dem "fluten" könnte ich mir vorstellen, dass du die Bewegung der Irrlichter aufnimmst, wie sieht LIch sie in der Leere, taumelnd, flatternd, huschend...?
Ich finde es auch schade, dass du das Bild "Irrlichter" belegst mit "Trugbilder" und "Betrug", denn das Wort trägt das doch selbst schon in sich, es wirkt dann wie die Suche nach einem Synonym für mich, oder dass du dem Wort nicht zutraust, dass es selbst wirken kann und das schwächt das Bild in meinen Augen.
Warum nicht einfach "sie" statt Trugbilder und "das Irren" statt "den Betrug"?

Auch wenn das jetzt viele Anmerkungen sind, habe ich das sehr gern gelesen. Vor allem diese Zeilen haben es mir angetan:
"murmeln ihr zittriges licht
über abwege"
"schüttel' ich mir
(das irren) aus den federn
in meinen augen spiegelt
die frühe und singt"

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Gerda

Beitragvon Gerda » 06.05.2011, 13:00

Hallo Flora,

wo bitte steht denn "Flutlichter"?
Ich lese in Amanitas Text, dass "Trugbilder" eine Leere fluten ...
Der Bezug eht m. E. auf Trugbilder und nicht auf "zittriges Licht".

Liebe Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 06.05.2011, 13:02

Hallo Amanita,

du beschreibst m. M. n. fein, einen Zustand, der etwas mit Einsamkeitserfahrungen zu tun hat, die einen besonders gern am Abend in den Griff zu bekommen suchen.
.
Ferner ist es ein Text, der davon erzählt, am Abend vor (Lebens)Müdigkeit nicht mehr weiter zu wissen, aber wenn die Nacht vorüber ist, sieht die Welt gleich wieder frische und besser aus.
Ich finde, dass der Text rund und gelungen ist.
Er mag keine neue Erkenntnis beinhalten, aber in sich logisch ist er auf alle Fälle und gefällt mir.

Liebe Grüße
Gerda
Zuletzt geändert von Gerda am 06.05.2011, 13:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.05.2011, 13:03

Stimmt, liebe Gerda, Flutlicht ist nicht drin.

Danke - von Amanita

(jetzt hat jemand was Weiteres gepostet - ich lese es gleich, schicke das erstmal ab)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.05.2011, 13:05

Nochmal danke, Gerda!

Es geht allerdings nicht nur um Einsamkeit - kann natürlich -, sondern überhaupt um das, was sich mitunter am Abend "dämonenhaft" aufbläht - alle, die im Stress sind und/ oder schlecht einschlafen, dürften das kennen.

Gerda

Beitragvon Gerda » 06.05.2011, 13:18

Ja, klar auch das, Amanita, ... natürlich... aber es blänht sich eher auf, wenn man allein ist, nicht wahr.
LGG

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 06.05.2011, 14:00

Danke fürs Gespräch, Amanita. :confused: So langsam aber sicher vergeht mir die Lust.

Hallo Gerda,

wo bitte steht denn "Flutlichter"?
Ich lese in Amanitas Text, dass "Trugbilder" eine Leere fluten ...
Der Bezug eht m. E. auf Trugbilder und nicht auf "zittriges Licht".
Das zittrige Licht (schwaches, kleines Licht)wird aber laut Text von den Trugbildern verursacht, die für mich zumindest wiederum den Titel "Irrlichter" aufgreifen, oder parallel zu ihm stehen. Und vom Licht ausgehend lese ich dann eben auch das Fluten (womit ich ein starkes, kräftiges Licht assoziiere). Vielleicht steht das aber auch bildlich einfach alles völlig unzusammenhängend nebeneinander und ich verstehe die bestechende innere Logik auf Bildebene einfach nicht.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.05.2011, 14:09

Flora, warum bist Du mir denn jetzt böse?

Warum sprichst Du von "bestechender innerer Logik"? Dass ich die drin hätte, habe ich nie behauptet.

Wenn Du von "Flutlicht" sprichst - also das Wort benutzt -, dann glaube ich Dir sofort, dass Du das so verstehst. Das Wort habe ich aber effektiv nicht benutzt. Ich meine einfach, dass in der Dämmerung/ Dunkelheit so manches Licht geradezu "flutet", einfach weil es einen Kontrast bildet.
Und was die Logik angeht: Irrlichter, Trugbilder können m. E. gar nicht logisch sein (auch wenn ich mich in meinen Texten immer um eine Art "logischen Bodensatz" bemühe).

Ich weiß jetzt nicht, was ich hätte sagen müssen, um Dir nicht den Spaß zu verderben.

Gerda

Beitragvon Gerda » 06.05.2011, 14:49

Hallo Flora,

was ärgert dich eigentlich mehr, dass ich dich darauf aufmerksam gemacht habe, dass du etwas liest, was nicht im Text steht
oder ist wirklich Amanita (was ich mir nicht vorstellen kann, sie hat ja nichts getan, was Misstimmung verursacht haben könnte)?
Ich habe das Wort "Logik" ins Spiel gebracht.
Aber auch hier bitte ich dich, genauer zu lesen, dieser stechende Ton, um dann von "bestechender" Logik zu schreiben ist obsolet.
Es geht und das dürfte dir, bei deiner jahrelangen Erfahrung mir Lyrik nicht fremd sein, um die immanente Logik eines Textes.

In diesem Sinn bitte ich dich herzlich, deinen Frust anderswo abzuladen, als einen Faden Amanitas dazu zu benutzen.

Freundliche Grüße
Gerda

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.05.2011, 15:05

Flora, sorry, ich bin nicht immer "voll da" (also hier) - ich habe vier Kinder und werde auch schon mal abgelenkt, weil ich nicht im "Kämmerchen" sitze, sondern für alle ansprechbar.

Ich hatte mich wohl erstmal allzu sehr am "Flutlicht" festgebissen!

Aus bestimmten Gründen habe ich das Thema "Irrlichter" bearbeitet und mir dann natürlich die Frage gestellt, was ("genau") für mich Irrlichter wären bzw. sind. Und die Trugbilder lagen für mich näher; es sind keine Synonyme, für mich war es eher eine Eingrenzung.

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Beitragvon ferdi » 06.05.2011, 15:59

Hallo Amanita,

vielleicht ist Flora einfach wenig angetan vom dem Umstand, dass du ihren ersten Beitrag schlicht missachtest hast - oder besser, und für sie noch frustrierender, dich mit Gerda über ihren Beitrag austauschst statt mit ihr selbst.

Und dann ist, Gerda, dieser Faden genau die richtige Adresse für eine solche Rückmeldung (die nichts mir dir zu tun hat, oder?)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Beitragvon Pjotr » 06.05.2011, 17:26

Guten Abend,

bei mir ist es wie bei Flora; das im Lauf der Zeilen entstehende Bild zerstört sich im weiteren Verlauf selbst:

murmeln ihr zittriges licht
über abwege
fluten die leere, ziehen
mich mit


Ein zittriges Licht kann, in meiner Fantasie, weder fluten noch ziehen; Zittrigkeit ist etwas schwaches. Das Murmeln schwächt es noch mehr, weil Murmeln etwas leises ist. Zumal das Murmeln wiederum insofern nicht zu Zittern passt, als Murmeln etwas fließendes ist, während das Zittern etwas unterbrochenes darstellt.


Cheers,

Pjotr

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 06.05.2011, 19:57

Hallo Amanita,

ich bin dir nicht "böse". Ferdi hat es ziemlich genau auf den Punkt gebracht, was mich geärgert hat und ich dachte ehrlich gesagt, das wäre offensichtlich, da wir das Thema ja auch kürzlich schon in ähnlicher Form hatten. Und dann sag ich es lieber gleich und dann ist auch wieder gut. :-)
Ich weiß jetzt nicht, was ich hätte sagen müssen, um Dir nicht den Spaß zu verderben.
Irgendetwas in meine Richtung wäre schon nett gewesen. ;-)
Warum sprichst Du von "bestechender innerer Logik"? Dass ich die drin hätte, habe ich nie behauptet.
Das ging ja auch an Gerda - siehe Anrede.
Ich meine einfach, dass in der Dämmerung/ Dunkelheit so manches Licht geradezu "flutet", einfach weil es einen Kontrast bildet.
Auch wenn ich persönlich das trotzdem nicht "fluten" nennen würde, kann ich den Gedanken nachvollziehen. Im Gedicht ist es aber für mich nicht "dunkel", da steht ja "im abendleuchten", (ich sehe das warme Licht einer tiefstehenden Sonne) von daher auch meine Frage, ob man "im leuchten" ein kleines zittriges Licht überhaupt wahrnehmen kann.
Natürlich hast du nicht "Flutlicht" geschrieben, vielleicht hätte ich besser "flutendes Licht" schreiben sollen. Ich dachte nur, dass dieses Wort ganz gut illustrieren kann, was für mich nicht zusammenpasst.

Liebe Grüße
Flora

Hallo Gerda,

hmm...
In diesem Sinn bitte ich dich herzlich, deinen Frust anderswo abzuladen, als einen Faden Amanitas dazu zu benutzen.
Das finde ich ziemlich unverschämt, habe aber keine Lust mich darüber zu ärgern und hoffe, dass sich das für dich inzwischen auch geklärt hat.
Aber auch hier bitte ich dich, genauer zu lesen, dieser stechende Ton, um dann von "bestechender" Logik zu schreiben ist obsolet.
Es geht und das dürfte dir, bei deiner jahrelangen Erfahrung mir Lyrik nicht fremd sein, um die immanente Logik eines Textes.
Genau diese textimmanente Logik hatte ich vermisst, woraufhin du geschrieben hast: aber in sich logisch ist er auf alle Fälle
Ja nun, dann muss ich wohl etwas übersehen haben, wenn das so offensichtlich ist. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn du auf meine Fragen und Kritikpunkte eingegangen wärst und mir erläutert hättest, warum du es anders siehst und worin für dich die Logik besteht. Dass da nicht wörtlich "Flutlicht" steht, sehe ich auch ohne deinen Hinweis.

Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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