zuerst der wind

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 28.06.2010, 20:59

zuerst der wind

als schraffiere
ein bleistift das hitzeblau
bis sich graphit im zeitraffer
an dachkanten ballt

das wallt und grollt und tobt
wie ich
reißt den oleander mir
in fetzen taumeln
plastiksäckchen durch blitzluft
angeschossnen tauben gleich
liegt auch das hochzeitskleid
im schrank verbraucht
am boden

und der süd
ja der süd schmeckt nach
wüste nächte ersticken träume
geboren irgendwann
im rosenrot flammt die letzte
sonne nur mehr kulisse fürs
losbrechende grau

fensterglas knirscht
ehe der regen trommelnd
entladung einpeitscht

ich atme auf



1. Fassung
als schraffiere
ein bleistift das hitzeblau
bis sich graphit im zeitraffer
an dachkanten ballt

das wallt und grollt und tobt
wie ich
reißt den oleander mir
in fetzen taumeln
nylonsäckchen durch blitzluft
angeschossnen tauben gleich
liegt auch das hochzeitskleid
in meinem schrank verbraucht
am boden

fensterglas knirscht
ehe der regen trommelnd
entladung einpeitscht
ich atme auf
Zuletzt geändert von Elsa am 09.07.2010, 08:41, insgesamt 2-mal geändert.
Schreiben ist atmen

Max

Beitragvon Max » 29.06.2010, 13:54

Liebe Elsa,

das finde ich sehr plastisch beschrieben.
Dabei habe ich zuerst etwas Schwieigkeiten gehabt, weil ich das schraffierte Hitzeblau in Bleifstift für ein statisches Bild halt, das danach aber beginnt zu wallen - ichmuss mich konzentrieren und "Zeitraffer" auch wirklich lesen und nicht an "zeitlupe" denken, dann funktioniert es viel besser ;-).

Die letzte Zeile würde ich - leicht dramatisch - absetzen

Liebe Grüße
Max

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noel
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Beitragvon noel » 29.06.2010, 19:29

metapherreich erschlagen, im besten sinne des wortes
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 29.06.2010, 21:45

Liebe noel, vielen Dank!

Es ist eben ein expressionistischer Text, der überschwappt!

Lieber Max, danke schön. Ich habe den Zeitraffer jetzt VOR die Dachkanten gestellt, da finde ich es passender von Ablauf her.

Lieben Gruß
ELsa
Schreiben ist atmen

Max

Beitragvon Max » 02.07.2010, 10:04

Liebe Elsa,

ja, das finde ich auch.

Liebe Grüße
Max

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 02.07.2010, 10:17

Max hat geschrieben:Liebe Elsa,

ja, das finde ich auch.

Liebe Grüße
Max


Fein! Danke lieber Max!

Eilige Grüße auf dem Weg in den Wald für 3 Wochen.
ELsa
Schreiben ist atmen

Max

Beitragvon Max » 02.07.2010, 14:14

Pass nur auf, dass Du auch wieder hinausfindest ;-)

Liebe Grüße
Max

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 03.07.2010, 12:38

Liebe Elsa,

dieser Text spricht mich sehr an, du hast treffende Bilder für das trockene, wüste, destruktive Element gefunden, dass diesen Hitzetagen innewohnt.

Für mich wäre der Text stärker, wenn kein lyrisches Ich darin vorkäme, etwa so:

das wallt und grollt und tobt
reißt den oleander
in fetzen taumeln
nylonsäckchen durch blitzluft
angeschossnen tauben gleich
liegt auch das hochzeitskleid
im schrank verbraucht
am boden

Die Erlösung durch den Regen kommt mir nach diesem kurzen Text (angesichts der nun schon lang andauernden Trockenperiode) eigentlich zu früh und schwächt damit das eindrucksvolle Bild, dass zu zuvor zeichnet. Der unerwartete Regen bremst mich als Leserin quasi aus, während ich eigentlich noch nachdenken möchte über den Hitzesturm, der in den Schrank hinein dringt (tolles Bild!) und das Kleid verheert.

Liebe Grüße
fenestra

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 04.07.2010, 13:46

Liebe fenestra,

danke schön! Ja, das finde ich eine gute Möglichkeit, das LI hier rauszuhalten. Ich denke darüber nach.

Sicher könnte es man es länger gestalten, wer weiß, was ich noch draus mache. Eine weitere Mittelstrophe fällt mir vielleicht noch ein.

Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen

Rala

Beitragvon Rala » 08.07.2010, 23:54

Wow, das fetzt! Da bleibt mir beim Lesen auch gleich die Luft weg.

Liebe Grüße,
Rala

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 09.07.2010, 08:39

Liebe Rala,

vielen Dank, fetzen soll es auch.

Ich habe aber nun um eine weitere Strophe verlängert (siehe oben), auf die Idee brachte mich fenestra (danke dir).

Liebe Grüße
ELsa
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 09.07.2010, 08:41

Danke auch Max fürs Absetzen der letzten Zeile :-)

Lieben Gruß
ELsa
Schreiben ist atmen

Quoth
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Beitragvon Quoth » 09.07.2010, 16:53

Hallo, Elsa,
zur eingefügten Strophe: Mit "zuerst der Wind" bereitet die Titelzeile ja das Schlussunwetter vor. Mit dem Südwind der neuen Strophe wird nun aber für mein Gefühl eine neue und andere Wetterlage angedeutet, gleichsam ein Zeitsprung hergestellt. Denn Südwind scheint der bisherige Wind nicht gewesen zu sein, wovon Du jetzt sprichst, das scheint mir eine Art von Schirokko zu sein, der gelben Wüstenstaub auf den Autos ablagert, aber keinen Regen bringt ...
Fenestras Wunsch, nicht so schnell aus der Trockenheit erlöst zu werden in Ehren - vielleicht müsste das etwas anders angestellt werden.
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 09.07.2010, 17:46

Lieber Quoth,

danke für deine Überlegungen, das bringt mich in einen inneren Konflikt, weil in der Gegend hier,
von der ich rede, dem Waldviertel, bringt der Südwind nach der Hitze das Unwetter.

Grübelnde Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen


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