aus der reihe
Hallo Klara,
Liebe Grüße
Flora
Dass mir das LIch leid tut, ist doch keine Kategorie? Es ist eine Rückmeldung zur Wirkung des Textes. Auch nicht anders, als wenn ich geschrieben hätte, dass mich der Text berührt, ich LIch so gut nachempfinden kann? Das ist natürlich keine Kritik am Text. Leidtun ist für mich aber auch nicht negativ besetzt, wie scheinbar für dich. Aber selbst wenn es das wäre, könnte das ja auch eine Reaktion sein, die du als Autorin beabsichtigt hast, mit der du arbeitest. Ein LIch sprechen zu lassen, ist für mich eine Entscheidung für eine bestimmte Erzählperspektive, kein Zeichen dafür, dass es jetzt aber autobiographisch wird. Ich weiß nichts über deine Schreibhintergründe und Bedingungen und möchte da auch nicht spekulieren (müssen), das fände ich wiederum sehr unangemessen. Ja eben, es geht um den Text?! Wo schreibe ich etwas anderes? Deinen Gedankensprung zur Stimmigkeit verstehe ich nicht. Ich hatte doch nicht geschrieben, dass der Text für mich nicht stimmig ist, sondern im Gegenteil, dass er sehr konsequent durchgehalten ist. Und für den Text hast du bestimmte Dinge entschieden, unter anderem, dass du sehr betont mit dem Wir und der direkten Ansprache des Lesers arbeitest. Es geht auch nicht darum, ob mir das "Wir" gefällt?? Sondern darum, wie es im Text (auf mich) wirkt, was es bewirkt. Ich gebe dir nur Rückmeldung, auch auf deine Nachfrage hin, versuche dem "warum" etwas mehr auf den Grund zu gehen und (mich) zu fragen, was die Wirkung verändern könnte, nachdem du sie "schade" fandest. Was du damit machst, liegt dann natürlich bei dir. Du musst (mir) auch nicht auf die Fragen antworten, aber stellen kann man sie (sich) denke ich schon.Als Textbetrachtungskategorie. Wenn mir Mozart "leid tut" in der Novelle von Mörike, ist es etwas Anderes. Aber das lyrische Ich z.B. in Bonhoeffers "Von guten Mächten wunderbar geboren" käme mir die Kategorie 'Leidtun' unangemessen vor. Auch oder gerade weil bekannt ist, unter welchen Bedingungen und Umständen das geschrieben wurde. Damit will ich jetzt keinesfalls in eine Reihe mich stellen mti diesem großen Mann, sondern verständlich machen, warum die Kategorie für mich (nur für mich???) nicht stimmt: Es ist doch der Text, der stimmen muss, nichts anderes, oder? Und der Text, um den es geht. Nicht ein Ich, das ein Wir wird, das dir nicht gefällt, dieses Wir, und ich soll antworten, warum mir das Wir wichtig ist. Aber das muss der Text beantworten. Wenn er es (für dich) nicht tut, ist er nicht gut, nicht gut genug oder schlecht - für dich oder insgesamt.
Da dir aber offensichtlich meine Reaktion nicht gefällt, wäre es doch interessant, der Frage jetzt nachzugehen? Für mich ist das ein Aspekt der Textarbeit, dann eben zu schauen, warum der Text wohl anders aufgenommen wird, als ich das möchte und ob ich deshalb am Text arbeiten muss, oder ob die Reaktion für mich in Ordnung ist, auch wenn ich es mir anders dachte.Das ist nicht der Weg, auf dem ich an so einen Text herangehe - weder beim Schreiben noch beim (hier) Einstellen. Deshalb muss ich die Antwort dir schuldig bleiben: Ich wüsste keine.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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Niko
sehr interessant, eure diskussion,
ich glaube, das ein autor nicht an einem text arbeiten soll(te), um ihn aufnahmekompatibler zu machen. was kann ein autor anderes tun, als zu schreiben? einem autor muss und darf nur wichtig sein, dass der text für ihn selbst stimmig ist. fange ich an, nach wohlwollenden mehrheiten mich auszurichten, verliere ich zwangsläufig meinen stil, meine authentizität, meine qualität.
ein text erreicht einen. oder er erreicht einen nicht. oder nur in teilen. - das alles liegt beim leser. und es gibt bei ein und demselben gedicht immer grundlegende unterschiede beim verstehen, verinnerlichen, beim schwingungen spüren. die einen lieben goethe, andere hassen ihn. - das sagt zunächst einmal nichts über qualität des schreibenden aus, sondern nur über die kompatibilität der lesenden.
etwas anderes ist es natürlich - und da gebe ich flora recht, dass man ja nicht erklären muss. es würde auch etwas kaputt machen am text. aber man kann die angebrachten kritikpunkte "im herzen bewegen" und sich setzen lassen. manchmal ist es so, dass man die kritik rational nicht ganz nachvollziehen kann, aber schon emotional sich etwas bei einem einpflanzt, was man dann bei den späteren werken -unter umständen - ganz unbewusst beherzigt und zumindest in kleinen schritten umsetzt. das nennt man: weiterentwicklung. und wer sich dem verschließt, ist auf dem weg rückwärts.
liebe grüße: niko
dann eben zu schauen, warum der Text wohl anders aufgenommen wird, als ich das möchte und ob ich deshalb am Text arbeiten muss
ich glaube, das ein autor nicht an einem text arbeiten soll(te), um ihn aufnahmekompatibler zu machen. was kann ein autor anderes tun, als zu schreiben? einem autor muss und darf nur wichtig sein, dass der text für ihn selbst stimmig ist. fange ich an, nach wohlwollenden mehrheiten mich auszurichten, verliere ich zwangsläufig meinen stil, meine authentizität, meine qualität.
ein text erreicht einen. oder er erreicht einen nicht. oder nur in teilen. - das alles liegt beim leser. und es gibt bei ein und demselben gedicht immer grundlegende unterschiede beim verstehen, verinnerlichen, beim schwingungen spüren. die einen lieben goethe, andere hassen ihn. - das sagt zunächst einmal nichts über qualität des schreibenden aus, sondern nur über die kompatibilität der lesenden.
sehe ich auch so. und ich finde - wie gesagt - der text muss im grunde nur für mich selbst als autor funktionieren. alles andere wäre ein schielen auf "gefällt mir" klicks wie bei facebook.und ich soll antworten, warum mir das Wir wichtig ist. Aber das muss der Text beantworten. Wenn er es (für dich) nicht tut, ist er nicht gut, nicht gut genug oder schlecht - für dich oder insgesamt.
etwas anderes ist es natürlich - und da gebe ich flora recht, dass man ja nicht erklären muss. es würde auch etwas kaputt machen am text. aber man kann die angebrachten kritikpunkte "im herzen bewegen" und sich setzen lassen. manchmal ist es so, dass man die kritik rational nicht ganz nachvollziehen kann, aber schon emotional sich etwas bei einem einpflanzt, was man dann bei den späteren werken -unter umständen - ganz unbewusst beherzigt und zumindest in kleinen schritten umsetzt. das nennt man: weiterentwicklung. und wer sich dem verschließt, ist auf dem weg rückwärts.
liebe grüße: niko
Liebe Flora,
Niko hat schon einiges gesagt, das für mich stimmt (danke für die "Moderation"), deshalb gehe ich nicht im Detail auf alles ein, was du sagtest, mit Verlaub.
Darüber freue ich mich ja auch. Ehrlich! Das ist wertvoll für mich.
(Scheinbar oder anscheinend?)
Mitleid läuft, denke ich, immer Gefahr, eine Herablassung zu implizieren, so wohlwollend sie/es auch (gemeint) sein mag.
"Negativ"? Nein. Nur am m.E. falschen Ort in Anschlag gebracht: Bei einer Textbesprechung: Einer Kommentatorin tut ein lyrisches Ich Leid. ? Das klingt für mich einfach, immer noch und pardon, nicht stimmig :)
Herzlich
Klara
Niko hat schon einiges gesagt, das für mich stimmt (danke für die "Moderation"), deshalb gehe ich nicht im Detail auf alles ein, was du sagtest, mit Verlaub.
Ich gebe dir nur Rückmeldung, auch auf deine Nachfrage hin, versuche dem "warum" etwas mehr auf den Grund zu gehen und (mich) zu fragen, was die Wirkung verändern könnte, nachdem du sie "schade" fandest.
Darüber freue ich mich ja auch. Ehrlich! Das ist wertvoll für mich.
genau :)Was du damit machst, liegt dann natürlich bei dir.
über deine Reaktion habe ich nicht zu urteilen, sondern über die Art der Textarbeit bzw. die Art, wie du Texte über die Autorin befragst. Und die passt mir in der Tat nicht, und ich finde, das kann ich dir auch wiederum rückmelden auf deine Rückmeldung. Natürlich kannst du mich fragen, was ich schreibend beabsichtigt habe, aber wenn der Text dir nicht antwortet, hilft es dem Text (und mir nichts), wenn ich deine Frage in einem Kommentar beantworte. Im Übrigen weiß ich es ad hoc wirklcih nicht. Ich schreibe, glaube ich, nicht auf bestimmte Reaktionen oder Wirkungen hin, wenn ich mich an so einem Text versuche wie dem obigen.Da dir aber offensichtlich meine Reaktion nicht gefällt
Mag sein.wäre es doch interessant, der Frage jetzt nachzugehen?
Für mich nicht, das wäre eher eine biografische Arbeit bzw. eine Frage nach dem "Was will ich, 'Dichter', damit sagen". So eine Frage möchte ich mir nicht öffeöntlich stellen, sondern für mich, nicht in der Textbesprechung, sondern im Text beantworten (oder eben auch nicht). Deshalb kann die Frage danach dennoch hilfreich sein - auch wenn ich sie nicht beantworte (n kann, will, muss, darf).Für mich ist das ein Aspekt der Textarbeit
Leidtun ist für mich aber auch nicht negativ besetzt, wie scheinbar für dich.
(Scheinbar oder anscheinend?)
Mitleid läuft, denke ich, immer Gefahr, eine Herablassung zu implizieren, so wohlwollend sie/es auch (gemeint) sein mag.
"Negativ"? Nein. Nur am m.E. falschen Ort in Anschlag gebracht: Bei einer Textbesprechung: Einer Kommentatorin tut ein lyrisches Ich Leid. ? Das klingt für mich einfach, immer noch und pardon, nicht stimmig :)
Herzlich
Klara
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