Wo ist das Wunder hinverschwunden? Heiße Hunde
springen in den grauen See, mein Liebster
ist ins tiefe Schilf gewunden, er ist im Irgendwo
und nie mehr dort, wo ich ihn seh –
Schau die weißen kleinen Brüste einer Zarten
oder schau woanders hin, weil sie sich schämt;
ich gleite in das nasse Lichterspiel und warte,
dass sich meine Dichterspindel lähmt.
Ich will das Wasser durch alle Erinnerungen
jagen, aber es dringt mir kaum bis unters Haar;
all die Jahre hab ich mich am Schilf geschnitten,
denn Wunder waren dunkel und das Wasser klar.
So klar, dass man den Grund noch lange sehen kann,
mein Liebster würde nie dort liegen, denn zum Grunde
sinkt das Tote hin und man kann es sehr gut sehen!
Wir treiben dann darüber oder tauchen manchmal ab…
Ich schaue lang herüber ins Gesträuch und bete, dass
es raschelt – ach, er ist so weit ins Grün gegangen
und hat mir einen Haken tief im Bauch gelassen,
ich versuche ihn herauszuziehen, doch es tut mir weh –
Mein Liebster ist ins tiefe Schilf verschwunden
und ich will ihn fragen wie es ihm dort geht
und ob er sich am Halm verletzte oder ob er weiß
von diesem Ufer, wo wir uns vor vielen Träumen trafen
und ob er weiß wie er ins Grün gewickelt war und wie ich
in den See gefallen bin, und ich will ihn fragen
und ich will ihn fragen wie es war
Änderungen:
1. Aus der "Dichterspule" wurde die "Dichterspindel"
2. Die Hunde laufen nicht mehr, sie hetzen und nun springen sie
3. In der letzten Strophe bin "ich" zuerst in den See gesprungen, nun falle ich
Nachsalz III
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