[... wird es still]

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birke
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Beitragvon birke » 05.03.2026, 15:12

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wenn alles gesagt ist wird es still*
dann kräht kein hahn mehr
nach den gedanken
einer tacita
folgen töne
die im vakuum verhallen
und ein schweigen
das sich gewaschen hat
mit dem klaren wasser
eines bachs
wenn alles gesagt ist
wird es längst
nicht still


*stefan gwildis
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jondoy
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Beitragvon jondoy » 05.03.2026, 18:12

mag den Kontrast zwischen 'anfang' und dem 'ende', die worte dazwischen wirken auf mich wie eine bloße (wort)melodie, austauschbare bebilderte variation, in der sich das auslösende motiv dieses gedankens finden lässt, damit sie wirken kann, die ruhe in der aussage dieser spiegelung
Zuletzt geändert von jondoy am 05.03.2026, 18:18, insgesamt 1-mal geändert.

jondoy
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Beitragvon jondoy » 05.03.2026, 18:12

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birke
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Beitragvon birke » 06.03.2026, 09:33

danke dir, jondoy!
wie genau meinst du das mit der mitte des gedichts, "(wort)melodie" klingt mir gut, aber austauschbar...? immerhin lässt sich wohl das "auslösende motiv des gedankens" finden ;)
[es könnte natürlich darauf hindeuten, dass alles gesagt sei? und eben doch nicht "still" ist, vllt meintest du das so?]
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jondoy
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Beitragvon jondoy » 06.03.2026, 17:43

es war ein Versuch, reduziert zu umschreiben, wie der Text nach dem ersten Lesen auf mich gewirkt hat,
meinen unmittelbaren Leseeindruck nach dem erstmaligen Lesen des Textes.
der erste und der letzte "Satz" erschien mir wie ne Einrahmung, die fußnote, woher die erste Zeile stammt, war bedeutungslos. Der "nackte" 'Kontrast' zwischen diesen beiden Aussagen (ohne das Gesagte dazwischen) wirkte auf mich gleichzeitig wie eine eigenständige Aussage, die über 'bloße Einrahmung' hinausgeht, warum auch immer, wohl weil ich nach dem Lesen der "Schlusszeile" augenblicklich an die erste Zeile denken musste und dieser Sprung das zwischendrin Gelesene in mir hat schlagartig gedanklich verblassen lassen, und in mir nur noch die Wortmelodie des zwischendrin Erzählten nachhallte, in diesem Moment für mich austauschbar

Wegen deiner Frage hab ich die Bedeutung des mir bis dahin bislang unbekannten Wortes 'tacita' nachgelesen.
Jetzt beim beim zweiten Mal lese ich den Text bereits aus einer anderen Perspektive, meine Fantasie verbindet anders als mathematisch gesteuerte Berechnungen aus einem generierten Datenpool.

Das 'Zwischendrin' illustriert Wechselwirkungen dieser beiden Aussagen', find ich jetzt, es trägt deine Handschrift, er erzählt in einem Rythmus, die oft eine Zeile mit der vorigen und zugleich in einem neuen kontext mit der nachfolgenden verbindet, und will vielleicht davon erzählen, wenn alles gesagt ist, bleibt dennoch nicht alles gesagt, sondern es bleibt etwas im Verborgenen zurück, die nachfolgende Stille ist ein Resonanzraum, der sich gewaschen hat, in dem Verborgenes aufbrechen oder Neues zum Vorschein kann, da kommen mir kulturell geprägte Bilder wie bsplsweise vierzig Tage schweigen in der wüste und wie laut es da sein kann, in den Sinn, oder die lärmende Stille, die allmählich verebbt und Verborgenes an Land spült, meine Fantasie denkt da beispielsweise an eine neue Sprache, die ich gefangen habe, mit einem Netz aus handgeflochten Worten von dir, birke, die KI wird das nie verstehen.

ich weiss nicht, was ich damit sagen sagen wollte. aber du vielleicht.


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