Herbstanhnung (überarbeitet)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
scarlett

Beitragvon scarlett » 11.08.2006, 22:19

Es legt sich langsam eine Stille
groß und golden auf das Land,
Dahlien blühen an den Wegen —
was stumm gesammelt deine Hand
reift nun dem Herbst entgegen.

Du siehst von weitem noch das Licht
der Sommersonnen sanft verglühn,
die Luft schmeckt herb, nach kühlem Wein —
schon fügt sich in dein Weitergehn
Abschied und Vollendung ein



Erste Fassung:
Es legt sich langsam eine Stille
groß und golden auf das Land,
Dahlien blühn auf allen Wegen-
was du gesammelt stumm in deiner Hand,
reift nun dem Herbst entgegen.

Du siehst von weitem noch das Licht
der Sommersonnen sanft verglühn,
die Luft schmeckt herb, nach kühlem Wein –
so fügt sich in dein Weitergehen
schon Abschied und Vollendung ein.



scarlett, 2006
Zuletzt geändert von scarlett am 13.09.2006, 07:46, insgesamt 5-mal geändert.

Herby

Beitragvon Herby » 13.08.2006, 19:14

Liebe Scarlett,

das ist ein wirklich wunderschöner Text, der mich gleich beim esten Lesen in seinen Bann zog!

Eine Frage zum Versmaß, Scarlett. Es ist ja nicht einheitlich. Die ersten beiden Verse der Strophen sind vierhebige Trochäen, dann folgen jeweils viehebige Jamben, und der letzte Vers der 1. Strophe ist ein dreihebiger Jambus, der der zweiten Strophe dagegen wieder ein vierhebiger Trochäus.
War diese Unregelmäßigkeit gewollt oder spielt sie für dich hier nur eine untergeordnete Rolle?

Aber wie auch immer, diesen Text hab ich mehr als gerne gelesen und werde ihn mit Sicherheit noch öfter lesen!

Liebe Grüße und Danke für die Herbstahnung!
Herby

pandora

Beitragvon pandora » 13.08.2006, 19:21

hallo scarlett,

wunderbar ... für mich klingt ein bisschen rilkeherbstimmung an.
sehr ruhig, sehr getragen. ein bisschen melancholisch. frühherbst eben.
perfekt - großes kompliment.

lg

p.

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 13.08.2006, 20:27

Also falls ich mich (wieder einmal :mrgreen:) wirr ausgedrückt haben sollte: Ich bin ganz trixies letzter Meinung, was die Anfangszeilen der Strophen angeht!
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

scarlett

Beitragvon scarlett » 13.08.2006, 22:02

Ich danke euch allen ganz ganz herzlich, daß ihr euch so viele Gedanken zu meinem Gedicht gemacht habt!

Die endgültige Fassung des Gedichtes wird die sein, die Lisa vorgeschlagen hat - ein Mix aus Altem und Überarbeitetem- irgendwie hab ich das einfach nicht gesehen, daß diese Kombination am ehesten das ist, was ich wollte - mit der überarbeiteten Fassung war ich ja nicht so ganz zufrieden...(s. meinen letzten Kommentar hierzu).

Herby, die Form hat tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle gespielt, dank der Rückmeldungen hab ich das überhaupt erst nochmal bedacht und beleuchtet, obwohl dies kein auf die Schnelle geschriebener Text war.

Abschied und Vollendung - so sehe ich den Herbst schon - das hab ich durch die Bilder einzufangen versucht-

Einen wunderschönen Sonntagabend euch allen noch,

scarlett

königindernacht

Beitragvon königindernacht » 13.08.2006, 22:30

Das Gedicht hat sehr gewonnen, Scarlett, das Überarbeiten hat sich gelohnt, nun klingt dein Text wie ein Spätsommerlied,

herzlichst, KÖ

königindernacht

Beitragvon königindernacht » 14.08.2006, 09:47

Liebe Scarlett,

heute habe ich dein Gedicht noch einmal gelesen und so, wie es jetzt da steht, spricht es mich sehr an. Was alleine eine Wortveränderung ausmachen kann: Statt "so" fügt sich... nun "schon" füht sich- der Lauf des Jahres/des Lebens wird viel treffender dargestellt.

Ein schönes Gedicht ist es geworden und ich denke, du kannst einen PUNKT setzen.

Herzlichst, KÖ

scarlett

Beitragvon scarlett » 14.08.2006, 09:54

Danke!

Herzlichst,
scarlett

Herby

Beitragvon Herby » 14.08.2006, 12:50

Hallo scarlett,

ich noch mal :-) Mir geht’s wie pandora. Beim Lesen deiner Verse wandern meine Gedanken zu Rilke und einem seiner Gedichte mit der gleichen Thematik: Herbsttag
Kennst du es?

Ich stelle es mal in die Fundgrube ein in der Hoffnung, dass es dir und anderen so gefällt wie mir.

Liebe Grüße
Herby

scarlett

Beitragvon scarlett » 14.08.2006, 14:22

Hallo Herby,

ja das kenne ich - ist auch eines meiner Lieblingsgedichte - das andre jedoch, mit dem Titel "Herbst", gefällt mir fast noch ein wenig besser - kennst du das auch???

Liebe Grüße,

scarlett

Herby

Beitragvon Herby » 14.08.2006, 14:48

Nein, scarlett, das kenn ich nicht. Wenn du magst, setze es doch in die Fundgrube oder schick es mir via PN. Würde mich sehr interessieren!

LG Herby

Trixie

Beitragvon Trixie » 14.08.2006, 19:48

Jaaa, jetzt ist es perfekt!!! - also, das Gedicht - .... :blumen: Danke dafür!!!

Birute

Beitragvon Birute » 01.09.2006, 22:13

Hallo scarlett,

das Arbeiten hat sich echt gelohnt.
Ein feines Herbstliches.

Herzlich
Birute


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