Ehrenmord

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
EMO

Beitragvon EMO » 08.09.2013, 16:12

[align=center]besäte erde

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 10.09.2013, 10:54

Hallo EMO,

danke für deine Antwort.
Wie meinst du das ”in einem guten Sinn”, ich verstehe den Ausdruck in dem hier angegebenen Thema nicht!
Das ist gar nicht so einfach, wenn ich es wüsste, könnte ich vielleicht ein Gedicht dazu schreiben. In einem guten Sinn, wäre für mich hier wohl, dass es das Thema für sich sprechen lässt und vermutlich auch, dass es konsequent aus einer Perspektive erzählt, die ich als stimmig empfinde. Aus meiner Sicht braucht dieses Thema keinerlei Polemik, um es zu verstärken. Gerade Lyrik kann da aus meiner Sicht auf ganz andere Weise sprechen und bewegen.

Ganz schwierig finde ich persönlich die Instrumentalisierung des Kindes am Ende, dieses (unterstellte) Weitergebenwollen des Hasses, der Gewalt, die Einforderung von Rache. Hier wendet sich für mich der Blick dann auch gegen die Frau und ich beginne zu zweifeln, ob dieser Text tatsächlich für die Frauen sprechen soll, oder ob er sich nicht gegen die gesamte "Kultur" und Religion, das Fremde, Unverständliche richtet.

nera hat geschrieben:hier geht es um gewalt gegen frauen, egal unter welchem deckmäntelchen einer religion oder kulturellen idee. und die darf sich, mit verlaub, auch äußern!
Hier äußert sich aber keine dieser Frauen, es wird für sie gesprochen, als Gruppe, nicht als individuelles Schicksal und ich bleibe da sehr skeptisch, ob das wirklich ihre Sprache, ihre Stimme wäre, ob es das trifft, was sie durchleiden, auch in der Zwiespältigkeit der Gefühle, in der Komplexität. Und ob sie wirklich den Hass, die Verletzung weitergeben wollen an die nächste Generation.

Niko hat geschrieben:es brauchte deinen text, um für mich zu erkennen, dass ein text mitunter sich einer drastischen sprache bedienen muss, um ein drastisches gefühl transportieren zu können.
Genau das trifft für mich hier nicht zu. Die Sprache transportiert für mich kein drastisches Gefühl, sie zieht mich auch nicht wie Pjotr hinein. Mag also sein, dass das Leserabhängig ist. Aber Spielereien wie der gehörnte Ehemann, sind für mich in diesem Kontext dann auch einfach unpassend.

Was ich auch problematisch sehe, ist die Verknüpfung mit dem Glaubensausruf gerade am Ende, der durch den Gebrauch/Missbrauch durch Fundamentalisten für viele Nichtmuslime denke ich schon stark negativ besetzt ist und Ängste schürt. Auch die Aneinanderreihung "RACHE ist sein name - allahu akbar, hamdulillah!" finde ich wirklich schwierig und zynisch und es bedient für mich ein weiteres Klischee, gegen das sich viel Muslime wehren, weil sie ihren Glauben anders verstehen. Hinzu kommt dann noch "Gefangen im Kerker der Religion". Das geht nicht gegen eine Auslegung, nicht gegen diese grausame Tradition, das geht pauschal gegen die Religion. Und ich glaube nicht, dass das der richtige Ansatz sein kann, um überhaupt ein Gespräch möglich zu machen, um etwas aufzubrechen, um überhaupt die Chance zu haben, "gehört" zu werden und ein Umdenken in Gang zu setzen. Wenn der Text nicht nur Aufmerksamkeit möchte, sondern auch etwas bewegen in den Köpfen, nützt es denke ich nichts, wenn sich diejenigen noch ein wenig mehr aufregen, sich gefühlsmäßig getroffen fühlen und sich in ihrer Empörung gut fühlen, die nicht in dieser Tradition, oder diesem Glauben verwurzelt sind und sich sowieso alle einig sind, dass man das aufs schärfste verurteilen muss.

Pjotr hat geschrieben:Ich empfinde Fatima nicht als Verallgemeinerung, sondern als eines von vielen Einzelfällen.
würgende brüder
dolche in den fäusten von vätern
ohne erbarmen
ließen sie ihre töchter verrecken
fatimas geliebten raubten sie das leben


Fatima ist ein Name, (ich frage mich auch, ob bewusst gerade dieser Name gewählt wurde? Die Tochter Mohammeds?) für mich wird hier aber nicht vom Schicksal einer bestimmten Frau erzählt. Spätestens hier wird das für mich deutlich. Fatima, als Person, könnte mehrere Brüder haben, aber wohl nur einen Vater, sie wäre eine Tochter und sie hatte vermutlich auch nur einen Geliebten.
EMO hat geschrieben:Ehrlich gesagt, hatte ich etwas textkritisches von euch erwartet

Für mich ist es schon Kritik am Text, wenn ich schreibe, dass er für mich nicht funktioniert. ;-) Natürlich ist es gut, wenn man das dann auch erläutern kann. Ich weiß nicht inwiefern mir das ansatzweise gelungen ist. Aber es kamen ja jetzt auch schon konkrete Hinweise zu einzelnen Textstellen, vielleicht sind sie für dich hilfreicher.

Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Nifl
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Beitragvon Nifl » 10.09.2013, 18:31

Zunächst zwei Klarstellungen:
1) Ich halte den Text für legitim wie auch die Bildzeitung legitim ist oder "Reportagen" auf RTL II
2) Ich bin natürlich für Gleichberechtigung und gegen Gewalt allgemein und speziell gegen Gewalt an Frauen. Zwangsheirat ist auch für mich "böse", so bin ich aufgewachsen, erzogen und so sind meine Überzeugungen. Und ich möchte das auch in Deutschland/Europa gesetzlich zementiert wissen und einen Verstoß geahndet haben wie jedes Verbrechen. Was ja auch der Fall ist, meines Wissens.
Ich vermute darüber sind wir uns alle einig?

Die Frage ist für mich, was will dieser Text erreichen und mit welchen Mitteln versucht er dies?

Der Text defamiert eine ganze Religion und eine ganze Kultur ohne Ausnahme, evoziert, dass alle Moslems zwangsverheiratet worden sind (mit Vergewaltigung und allem Drum und Dran)

Dies ohne zu hinterfragen, ohne zu differenzieren, ohne Ausnahmen. Alle Juden sind Betrüger, fällt mir dazu ein. Hier wird das Mittel der Polemik, Provokation, Parole, usw. gewählt, was ja durchaus auch funktioniert, wie man an einigen aufgeregten und noch wieder weiter verallgemeinernden Reaktionen hier ablesen kann.

Man kann doch nicht selbstherrlich imperial unser System, unsere Anschauungen, unsere Überzeugungen, unsere Kultur, unsere Werte, unser Gesetz überstülpen wollen?
Wie anmaßend ist es, sich über alle Grenzen und Kulturen hinweg im Recht zu wähnen und urteilen zu wollen?
Wohin sollte eine Zwangsbeglückung von außen führen? Eine Veränderung muss doch aus sich selbst heraus stattfinden?

Gruß
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 10.09.2013, 21:31

Der Text defamiert eine ganze Religion und eine ganze Kultur ohne Ausnahme


Lieber Nifl (natürlich weiß ich, dass du kein Frauenfeind bist), woran machst du das denn fest? An den arabischen Ausrufen? Es gibt auch viel Unrecht in anderen Religionen, z.B. in der katholischen Kirche. Wenn ich solches Unrecht, das in einzelnen Regionen, Zeiten, Ethnien oder wo und wann auch immer begangen wird, schildern und mit Amen enden würde, dann würde ich doch nicht die gesamte Religion diffamieren, sondern nur die Doppelmoral einzelner. Aber ich habe EMO ja auch schon geraten, den Text noch stärker auf ein Einzelschicksal zuzuschneiden.

Natürlich hast du Recht, manche Bräuche wie die arrangierte Ehe sind von unserer Warte her abzulehnen, werden in anderen Kulturen aber als normal angesehen und akzeptiert. Die von EMO geschilderten Praktiken gehören jedoch mit Sicherheit nicht dazu, da sie ganz offensichtlich Leid erzeugen.

Nun hoffe ich, dass EMO sich wieder hier äußert, jetzt wo die Diskussion wieder in Gang gekommen ist.

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 10.09.2013, 21:38

Mit Punkt 2, Nifl, stimme ich überein. Punkt 1, das Lügenblatt BILD, finde ich nicht legitim.

Die Auswertung des Gedichts hängt offensichtlich von seiner Anwendung ab.

Wende ich es an, um meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, beispielsweise im Theater, im Keller etc.?

Wende ich es in einer politischen Debatte an, auf Demos, im Parlament etc.?

Als ich das las, sah ich zunächst einmal die Gefühle eines Individuums. Kein Gedanke an eine politische Strategie, sondern einfach nur ein Gefühlsausbruch, so wie er in jedem Genre passieren kann und darf. Wo kämen wir denn hin, wenn man nicht mehr aufgewühlt Farbe auf die Leinwand schmeißen dürfte, oder wenn auf der Bühne hohe Lautstärken verboten wären? Was wenn man Texte schreibt in der Art, wie es Nietzsche tat, laut, kraftvoll, rundumschlagend, der keinerlei Bezug zu Faschos hatte, während leider die Faschos seine Texte für sich instrumentalisierten?

Ein Fascho kann in vielerlei Texten sein Instrument finden. Dieses Gedicht hier leiser treten zu lassen, bringt in meinen Augen die Lösung des Problem nicht näher. Faschos finden auch in leisen Texten ihre Instrumente, sogar in der Bibel.

Ich bringe jetzt ein Argument, das auch in der Terrorismus-versus-Freiheit-Debatte zu hören ist: Sollen wir uns also von denjenigen, die unsere Werte mit Füßen treten, verbieten lassen, unsere Gefühle zu äußern, weil wir sonst die Lage möglicherweise verschlimmern?

Und selbst wenn das Leisertreten helfen würde, wäre das nicht eher ein Vorgehen für die politischen Seite des Lebens, außerhalb der persönlichen Gefühlswelt? Ich interessiere mich für Politik, sie ist für mich sehr wichtig; aber die persönliche Gefühlswelt darf nebenher auch existieren und sich ausdrücken.

Noch eine andere Frage-Ebene: Wenn eine leisere Sprachform ebenso starke Gefühle erzeugen kann wie eine laute, was ändert dann das an der Wahrnehmung, dass eine grauenvollen Tat geschehen ist? Das resultierende Gefühl ist doch das selbe, und wenn dieses Gefühl rassistisch aufstacheln sollte, dann, ja, dann tut es das, egal ob der Text leise oder laut ist, logischerweise. Es ist egal, ob das Gift im Honig ist oder im Essig.

Ich glaube nicht, dass man Faschos von außen umerziehen kann. Nach meiner Einschätzung steigen Faschos aus der Szene nur dann aus, wenn sie aus eigenem Antrieb raus möchten. Und was Xenophobie im allgemeinen angeht, da bin ich weniger optimistisch als bei der Homophobie. Xenophobie ist wohl so beständig wie Flugangst, Konfrontation hilft da wenig. Gedichte helfen schon gar nicht, weder laute noch leise. Also was soll man denn überhaupt machen? Verbot ist das einzige Mittel.


Ahoy

P.

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 11.09.2013, 05:11

(Ich will noch was anfügen. Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Grenzen der Freiheit gibt es natürlich auch für mich. Beispiel: Die dänischen Mohamed-Karikaturen. Die halte ich für idiotisch. Es war verantwortungslos, denn es war klar, dass das ein Blutbad anrichten kann. Es war kultur-egoistisch, manche Karikaturisten meinen, die westliche Kultur und ihre Freiheit, andere zu beleidigen, sei überall auf der Erde zu respektieren. Und es war verallgemeinernd. Dazu kommt der Mangel an Empathie, denn es macht einen Unterschied, ob eine Karikatur von oben herab oder von unten hinauf fährt; im Zusammmenhang mit all den militärischen Besatzungen und dem "Wir-zeigen-euch-wo-es-langgeht" ist es doch auch klar, dass der Westen schon von daher eine gewisse Grund-Arroganz ausstrahlt. Erniedrigte Menschen reagieren nun mal intoleranter, das ist sogar bei Westlern so. Wenn ich das weiß, und trotzdem eine Mohamed-Karikatur im politischen Umfeld verbreite, dann risikere ich vorsätzlich ein Blutbad. Das ist für mich eine Grenzüberschreitung, weil für mich die Vermeidung von Gewalt immer das höchste aller Ziele ist. Bei dem Gedicht oben kann ich keine Provokation oder Erniedrigung in diese Richtung erkennen. Es besteht nur die Gefahr, dass Fremdenhasser diesen Text für sich instrumentalisieren, aber das, wie gesagt, kann mit jedem Text dieses Themas geschehen, egal ob laut, leise oder sachlich.)


P.

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nera
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Beitragvon nera » 11.09.2013, 12:16

nur kurz (white rabbit)

flora, vielleicht ist dieser letzte satz mit der rache auch anders gemeint. nämlich dass ein kind der liebe geboren wird, trotz all der gewalt. -gott ist allmächtig! so lese ich es.

ansonsten habe ich die erfahrung gemacht, dass ein dialog mit extremisten kaum möglich ist, weder mit religiösen, noch mit politischen. leider. es ist noch nicht allzu lange her, dass mich ein islamist im facebook beschimpft hat und alle deutsche mit, nur weil ich ihn in einem gespräch daran erinnerte, dass in deutschland frauen und männer die gleichen rechte hätten. mit faschos ist es noch schlimmer und ich begegne ständig ausländerfeindlichen menschen, juden hasser, nationalsozialisten, usw. menschen wie du und ich. das macht mich immer fassungsloser, je älter ich werde, aber es wird mich sicher nicht stumm machen. ich werde weiter den dialog suchen, wenn es sich ergibt.
aber ein gedicht darf meiner meinung auch mal polemisieren. der pathos in diesem text hier hat mich auch negativ berührt. nur frage ich mich, ob das so etwas typisch deutsches ist, das alles immer wenig emotional, gefühlig, ausgleichend rüber kommen muss? ja nie schwarz oder weiß? für mich geht dieser text ganz deutlich um die situation dieser frau oder wegen mir auch frauen und nicht generell gegen eine religion. wir wägen immer alle eventuallitäten ab, verletzten niemanden, betrachen alles von allen seiten. manchmal denke ich auch, dass wir gerade dadurch extremen auch ein stück weit freie hand geben. die kümmern sich um solche fragen nicht. sie benutzen die die sprache agitatorisch und schüren ohne schlechtes gewissen die ängste der menschen. ich erinnere nur an die npd-kampagne : gas geben.......vor der jüdischen botschaft in berlin.

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 11.09.2013, 13:31

Hallo Nera,
mir gefällt dein Kommentar sehr gut.

Niko

Beitragvon Niko » 11.09.2013, 15:39

fanatismus ist kompromisslos, sucht nicht den dialog sondern mitläufer oder feindbilder. zu mehr reicht es nicht.

solche gedichte sind gute gedichte gegen fanatismus. ein faires mittel, ein wirksames dazu. es hält den spiegel vor, in dem man die eigentliche entstellte fratze mit erschrecken sehen kann.

beste grüße - niko
(Gesendet von meinem iBrain)

pjesma

Beitragvon pjesma » 11.09.2013, 17:44

für mich ist das ein trauriges gedicht, mehr traurig als rachsüchtig. ein gedicht von ausweglosigkeit.weil---zwei schicksäle stehen zur "auswahl" (ich denk jetzt ein bisschen mehr als mutti, und nicht als dichterin ). ein kind gebähren das ein kind der *nichtliebe* ist, oder ein kind gebähren das ein kind *der liebe* ist--- und dann ansehen müssen wie ihm das selbe schicksal erreicht. wem wird sich gerächt da? eigentlich niemandem, weil solch eine rache wie bummerang den trifft der sie verübt. es ist ein hilfloses schlagen um sich, und verletzt sind die kinder, und die mutter die merkt was sie den angetan hat. der gegen wem die auflehnung kommen sollte, müsste...bleibt unverletzt am längeren hebel sitzen. lösung kenne ich keine. flüchten aus dieser umgebung, nix wie weg, vielleicht.
ungern gelesen (was keine kritik an dem gedicht sein soll!)
pjesma

Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.09.2013, 18:26

woran machst du das denn fest? An den arabischen Ausrufen?

zB. aber auch am Zeremoniell und spielt das wirklich eine Rolle?

Es gibt auch viel Unrecht in anderen Religionen, z.B. in der katholischen Kirche.

Warum motiviert dieser Text, so extrem abzuschweifen? Ganz bis nach China und Indien ging es. Vollkommen unterschiedliche Themen, Problematiken, Religionen, Staatssysteme und Kulturen werden mir nichts dir nichts in einen Topf geworfen und Globalschelte verteilt. Und das sehe ich eben auch als eine Schwäche oder Stärke des Textes, denn die Kommentare machen dort weiter, wo der Text aufhört. Insofern -wie ich schon oben schrieb- ist der Text sehr gut gelungen.
Natürlich gibt es auch Unrecht bei den Katholiken, aber darum geht es in diesem Text nicht.

Aber ich habe EMO ja auch schon geraten, den Text noch stärker auf ein Einzelschicksal zuzuschneiden.

Ja, das sehe ich unbedingt auch so, auch deine Empfehlungen zur Reduktion teile ich.

Natürlich hast du Recht, manche Bräuche wie die arrangierte Ehe sind von unserer Warte her abzulehnen, werden in anderen Kulturen aber als normal angesehen und akzeptiert. Die von EMO geschilderten Praktiken gehören jedoch mit Sicherheit nicht dazu, da sie ganz offensichtlich Leid erzeugen.

Ja, siehe oben, Verallgemeinerungsproblematik. Ein ähnliches Thema -ich will auch mal abschweifen- sind ja die Frauenbeschneidungen.

Nun hoffe ich, dass EMO sich wieder hier äußert, jetzt wo die Diskussion wieder in Gang gekommen ist.

Wer so einen Text rausbollert, sollte jetzt nicht das Sensibelchen geben.

Mit Punkt 2, Nifl, stimme ich überein. Punkt 1, das Lügenblatt BILD, finde ich nicht legitim.

Naja, im Sinne der Pressefreiheit schon.
Interessante Gedanken, Pjotr.


mit faschos ist es noch schlimmer und ich begegne ständig ausländerfeindlichen menschen, juden hasser, nationalsozialisten, usw. menschen wie du und ich. das macht mich immer fassungsloser, je älter ich werde, aber es wird mich sicher nicht stumm machen. ich werde weiter den dialog suchen, wenn es sich ergibt.

Das ist interessant, ich kenne keinen einzigen (was auch nicht gut ist, weil man dann glaubt, es gäbe sie gar nicht in ernstzunehmender Menge). Echt Judenhasser? Ich kenne nichtmal einen Juden. Heidelberg liegt wohl hinterm Mond.

wir wägen immer alle eventuallitäten ab, verletzten niemanden, betrachen alles von allen seiten. manchmal denke ich auch, dass wir gerade dadurch extremen auch ein stück weit freie hand geben. die kümmern sich um solche fragen nicht.

Deshalb sollte man mE. trotzdem versuchen, nicht mit umgekehrten Vorzeichen genauso blöd zu sein. Aber du hast auch Recht, wenn das die Handlungsfähigkeit unmöglich macht, ist auch niemandem gedient. Wenn einer im Krieg an der Front auf dich schießt, musst du zurückballern und kannst nicht anfangen zu diskutieren und Hintergründe evaluieren. O, ich schweife wieder.

Gruß
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Beitragvon fenestra » 11.09.2013, 18:50

Warum motiviert dieser Text, so extrem abzuschweifen?


Huhu Nifl,

das Beispiel mit der katholischen Kirche habe ich gebracht, weil das die hier vorherrschende Religion ist und ich mir daran besser vorstellen kann, ob ein "Amen" ähnlich diskriminierend wirken würde wie ein insch´allah (mit diesem Ausdruck verbinde ich nämlich erst einmal nichts).

Und: Ja, es spielt bei der Textarbeit eine Rolle, woran genau du die Diskrimination festmachst. Es geht ja nicht darum, den ganzen Text einzustampfen, oder?

Viele Grüße
fenestra

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Beitragvon Nifl » 11.09.2013, 19:29

Hi Fene,

Und: Ja, es spielt bei der Textarbeit eine Rolle, woran genau du die Diskrimination festmachst.

Also ehrlich gesagt müsste ich eher Textstellen suchen, die nicht diskriminierend sind. Hä? Nicht direkt diskriminierend ist für mich nur die haram Strophe.


Gruß

Edit:

Ach und noch zum Amen, ich denke ja, wenn der Kontext ähnlich gestaltet wäre, zB. Kindesmissbrauch in Heimen katholischer Internate?
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Beitragvon nera » 11.09.2013, 19:58

lieber nifl
was ist zb. an der zweiter strophe diskriminierend?

ich weiß nicht, ob heidelberg hinterm mond liegt;), aber mir laufen gelegentlich faschos übern weg und zu denen bin ich ehrlich gesagt nicht nett, auf die freundliche weise nicht nett. ich kenne auch den vorsitzenden der jüdischen gemeinde thüringens, der einem auch auf dem keks gehen kann, mit seinem einäugigen weltbild, ebenso wie die, die hinter allem eine jüdische weltverschwörung vermuten. dann gibts den christlischen palistinänser, der die israelis hasst, weil sein bruder in einer intifada verkrüppelt wurde und der mit seinem geld seine familie in palästina ernährt. dann gibts die parteigenossin meines mannes (spd) die polen hasst, meine arbeitskollegin, die angst hat schwarze anzufassen, die andere, die die russische kollegin nicht mag, die patienten, die sich einen neuen führer wünschen, die freundin, die immer zu "ihrem türken" geht, kebab-pizza futtert und denoch der meinung ist, dass türken in deutschland nichts zu suchen haben, es gibt auch die, die nichts gegen homos haben, aber...!

(ich habe mal einen text über religion verfasst, den manche auch als zu pathetisch empfanden, vielleicht sollte ich mal posten)

für mich ist das eiin text, der nicht gegen die religion an sich geht, sondern die auswüchse, die unter dem deckmäntelchen von religion oder tradition egpflegt werden.
aber vielleicht bin ich jetzt besser ruhig, denn "mulier taciat in ecclesia".:)


i

EMO

Beitragvon EMO » 11.09.2013, 20:10

Wow!
Ich habe offenbar einen Sturm entfacht, aus dem ich mich zunächst mal als alter Segler retten muss: ich reffe die Segel, vertäue mein Boot im nächstgelegenen Hafen und lasse die Sturmböen auswehen. Ich muss mich sammeln und die von euch erhaltenen Eindrücke verarbeiten. An Pjotr war meine Antwort schon bereit:

Hej, Pjotr,
danke für deine Analyse. Du scheinst das Forum gut zu kennen.
Dein Name weckt im Lebensschutt vergessene Erinnerungen: Pjotr, mein Freund aus der Ukraine, Arbeitssklave im Dritten Reich, der mir, dem damals etwa 10-Jährigen, aus Dankbarkeit für ein wenig Salz, und ab und zu eine Brotkante (wovon wir selbst gerade noch genug hatten), das ukrainische kyrillische Alfabet beibrachte. Er wollte mich mit nach Hause nehmen. Aber für ihn
gab´s kein Zuhause mehr.

MfG, EMO

Aber etwas kann ich schon jetzt geradestellen, was weitere Kommentare betrifft:

1. An Nera: ”insch´allah” = wenn Allah will = hoffentlich, ”allahu akbar” = Allah ist groß, ”hamdulillah” bedeutet ungefähr ”gelobt sei Allah”.
2. An fenestra: du hast recht, ”fatimas geliebtem ” ist gemeint. Danke, muss nur noch lernen wie man Berichtigungen im Text anbringt!
3. An alle: das Gedicht, das weder lyrisch noch poetisch ist, ist eigentlich zweiteilig. Der erste Teil betrifft Fadime Şahindal, die in Schweden aufgewachsen ist. Der Ehrenmord durch ihren Vater (inzwischen verurteilt) hat für eine gewaltige Aufregung gesorgt , (http://schweden-forum.blogspot.se/2013_ ... chive.html. Montag, 21. Januar 2013.Der Tod von Fadime Sahindal bewegt Schweden ). Der zweite Teil ist tatsächlich eine Verallgemeinerung des oft vorkommenden Tatbestandes der aufgezwungenen Ehe und von mir absichtlich kräftig zugespitzt. Der Text soll schreien, meine Schreie nützen nichts.
4. Ich war mir als Neuling zunächst nicht richtig im Klaren darüber, i welches Forum (und ob überhaupt) der Text hineinpasste. Ich wählte schließlich[Der Blick aus dem Fenster - Lyrik und Kultur Lyrik mit anthropologischem Blickwinkel. Politische, kritische Lyrik. Mit Fokus auf die Gesellschaft, menschliches Verhalten und Handlungsmuster
Moderatoren: Max, Moderatoren ] (Meine Hervorhebung, Max hat sich noch nicht geäußert!)

Entweder habe ich da was falsch verstanden – oder etwa die Moderatoren?

Ich werde noch einen Text (Kurzprosa) zu diesem Thema einstellen. Der Kern der Erzählung ist wahr und dokumentiert, das Drum und Dran dichterich erfunden.

Bis der Sturm sich legt ...
MfG, EMO

P.S Habe auch noch ein Versäumnis behoben, nämlich mein C.V. eingestellt. Das gibt es nämlich sowieso schon im Internet (englische Version) – aus Versehen, und damit ist meine Anonymität futsch.
Zuletzt geändert von EMO am 13.09.2013, 23:18, insgesamt 1-mal geändert.


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