Unbequemes
An allem soll man zweifeln, weiß ich doch.
Und wer’s nicht tut, hat seinen festen Glauben.
Ich würde so gern glauben, noch und noch.
Bloß - der Verstand, der müsste es erlauben.
Ich schriebe nur von Liebe, Frühlingswetter,
von grünen Auen und von Blumenwiesen.
Das freut den Leser, liest sich einfach netter,
ich weiß, er sehnt sich nach den Paradiesen.
Doch ewig steht der Zweifel mir im Wege.
Das ganze Liebesseufzen lässt mich kalt,
mir kommt das Nachher schon mal ins Gehege.
Ich kann nichts tun, reine Naturgewalt.
Ach ja, mit Glauben lebte es sich besser.
Ich könnte neidisch werden auf die Leute,
wohl keiner schimpft sie böse Menschenfresser.
Bloß immer mich, des Zweifels dumme Beute!
Unbequemes
-
Niko
hallo rita,
über die "technik" brauche ich wohl nix zu sagen. für mich ist alles gut gereimt. am inhalt bleibe ich viel mehr hängen. bereits die ersten beiden zeilen rufen bei mir widerstand hervor. wer einen festen glauben hat, der zweifelt an nichts? - das sehe ich überhaupt nicht so. wenn man mal den christlichen glauben zugrunde legt, dann war selbst jesus ein zweifler vor dem herrn.
des weiteren glaube ich, dass man auch als zweifler an die liebe glauben kann, oder als nicht "besitzender" von ihr träumen MUSS. täte man es nicht, so wäre doch das leben hinfällig????
und in dem selben maß, mit dem der gläubige deiner meinung nach über jeden zweifel erhaben ist, so sehr müsste er auch am ende deines textes jedwedem anflug von neid entsagen.gif)
inhaltlich für mich unschlüssig bis falsch. sach ich jetz ma so....
liebe grüße: niko
über die "technik" brauche ich wohl nix zu sagen. für mich ist alles gut gereimt. am inhalt bleibe ich viel mehr hängen. bereits die ersten beiden zeilen rufen bei mir widerstand hervor. wer einen festen glauben hat, der zweifelt an nichts? - das sehe ich überhaupt nicht so. wenn man mal den christlichen glauben zugrunde legt, dann war selbst jesus ein zweifler vor dem herrn.
des weiteren glaube ich, dass man auch als zweifler an die liebe glauben kann, oder als nicht "besitzender" von ihr träumen MUSS. täte man es nicht, so wäre doch das leben hinfällig????
und in dem selben maß, mit dem der gläubige deiner meinung nach über jeden zweifel erhaben ist, so sehr müsste er auch am ende deines textes jedwedem anflug von neid entsagen
.gif)
inhaltlich für mich unschlüssig bis falsch. sach ich jetz ma so....
liebe grüße: niko
-
Rita
Hallo Niko,
schön, wenn du zweifeln kannst, dann kann dein Glaube nicht sehr fest sein. Wer spricht denn von nichts, mein Gedicht jedenfalls nicht. Erst recht, wenn man den christlichen Glaube zugrunde legt, kommt die Gewissensfrage: Glaubst du an die unbefleckte Empfängnis oder nicht? Und bei solcher Frage würdest du zweifeln? Dann würde dir der Pastor gleich 200 Vaterunser zur Buße auferlegen. Mutig, mutig, muss ich schon sagen. Außerdem meine ich ja nur, dass einer, der seinen festen Glauben hat, es aus bestimmten Gründen nicht tut, also zweifelt. Nicht aber, dass er nicht zweifeln könnte oder würde.
Du beantwortest Fragen, die das Gedicht gar nicht stellt. Zum Beispiel, ob man an die Liebe glauben sollte. Von der Liebe spreche ich im Gedicht gar nicht, sondern vom Liebesseufzen. Halte ich für einen Unterschied.
Wo liest du denn, dass der Gläubige über jeden Zweifel erhaben ist? Ich schreibe lediglich, dass es sich mit dem Glauben besser lebt. Ich unterstelle dem Gläubigen auch nicht, dass er neidisch ist.
Am besten wäre es wohl, du liest das Gedicht noch einmal, von vorne bis hinten. Vielleicht änderst du dann deinen Kommentar. Aber danke für den vorläufig ersten Versuch.
Lieben Gruß, Rita
schön, wenn du zweifeln kannst, dann kann dein Glaube nicht sehr fest sein. Wer spricht denn von nichts, mein Gedicht jedenfalls nicht. Erst recht, wenn man den christlichen Glaube zugrunde legt, kommt die Gewissensfrage: Glaubst du an die unbefleckte Empfängnis oder nicht? Und bei solcher Frage würdest du zweifeln? Dann würde dir der Pastor gleich 200 Vaterunser zur Buße auferlegen. Mutig, mutig, muss ich schon sagen. Außerdem meine ich ja nur, dass einer, der seinen festen Glauben hat, es aus bestimmten Gründen nicht tut, also zweifelt. Nicht aber, dass er nicht zweifeln könnte oder würde.
Du beantwortest Fragen, die das Gedicht gar nicht stellt. Zum Beispiel, ob man an die Liebe glauben sollte. Von der Liebe spreche ich im Gedicht gar nicht, sondern vom Liebesseufzen. Halte ich für einen Unterschied.
Wo liest du denn, dass der Gläubige über jeden Zweifel erhaben ist? Ich schreibe lediglich, dass es sich mit dem Glauben besser lebt. Ich unterstelle dem Gläubigen auch nicht, dass er neidisch ist.
Am besten wäre es wohl, du liest das Gedicht noch einmal, von vorne bis hinten. Vielleicht änderst du dann deinen Kommentar. Aber danke für den vorläufig ersten Versuch.
Lieben Gruß, Rita
Hallo Rita, ich stolpere vor allem über zwei Stellen:
"Und wer’s nicht tut, hat seinen festen Glauben." Diese Schlussfolgerung halte ich für gewagt. Wer nicht zweifelt, könnte doch auch einfach desinteressiert usw. sein?
Außerdem finde ich komisch, dass man bei Dir zu Beginn zweifeln "soll", am Schluss aber lamentierst Du, dass Du als "Zweifels dumme Beute" angesehen wirst (wobei ich die Stelle mit dem "Menschenfresser" und den Bezug darauf als höchst unglücklich empfinde).
Na ja, und Stellen wie "liest sich einfach netter"... für DEN Leser (wer ist das?). Nein, ist mir irgendwie zu pauschal, tut mir leid.
"Und wer’s nicht tut, hat seinen festen Glauben." Diese Schlussfolgerung halte ich für gewagt. Wer nicht zweifelt, könnte doch auch einfach desinteressiert usw. sein?
Außerdem finde ich komisch, dass man bei Dir zu Beginn zweifeln "soll", am Schluss aber lamentierst Du, dass Du als "Zweifels dumme Beute" angesehen wirst (wobei ich die Stelle mit dem "Menschenfresser" und den Bezug darauf als höchst unglücklich empfinde).
Na ja, und Stellen wie "liest sich einfach netter"... für DEN Leser (wer ist das?). Nein, ist mir irgendwie zu pauschal, tut mir leid.
Hallo, Rita,
schön, dass du in den blauen Salon gefunden hast. Ich freue mich auch, wenn hier mal wieder Gereimtes zu finden ist.
Allerdings kann das mit den gleichmäßigen Jamben auch eintönig werden, wenn es sich in jedem Gedicht wiederholt. Sicher hast du noch andere Rhythmen und Versformen drauf, jeweils angepasst ans Thema. Oderwellen im Dactylus zum Beispiel. Oder mal kürzere Verszeilen? Eine Vilanella? Ein Pantum?
Außerdem ist mir aufgefallen, dass du bisher fast gar nicht auf die Gedichte der anderen eingegangen bist. Das finde ich schade. Deine Meinung oder deine Bearbeitungsvorschläge könnten auch für andere interessant sein. Es ist ein Geben und Nehmen.
Weiter gutes Einleben und viele Grüße
fenestra
schön, dass du in den blauen Salon gefunden hast. Ich freue mich auch, wenn hier mal wieder Gereimtes zu finden ist.
Das freut den Leser, liest sich einfach netter,
Allerdings kann das mit den gleichmäßigen Jamben auch eintönig werden, wenn es sich in jedem Gedicht wiederholt. Sicher hast du noch andere Rhythmen und Versformen drauf, jeweils angepasst ans Thema. Oderwellen im Dactylus zum Beispiel. Oder mal kürzere Verszeilen? Eine Vilanella? Ein Pantum?
Außerdem ist mir aufgefallen, dass du bisher fast gar nicht auf die Gedichte der anderen eingegangen bist. Das finde ich schade. Deine Meinung oder deine Bearbeitungsvorschläge könnten auch für andere interessant sein. Es ist ein Geben und Nehmen.
Weiter gutes Einleben und viele Grüße
fenestra
-
Rita
Hallo Amanita,
danke, freut mich, dass du reingeschaut hast. Du stolperst, und zwar über "Wers nicht tut, hat seinen festen Glauben". Nun ist dieses Gedicht mit Augenzwinkern geschrieben, du kannst diese These akzeptieren oder annehmen, ganz nach Belieben.
Das betrifft genauso die andere Passage, die mit den Menschenfressern. Spaß muss sein. Dem stimmst du mir hoffentlich zu?
Lieben Gruß, Rita
danke, freut mich, dass du reingeschaut hast. Du stolperst, und zwar über "Wers nicht tut, hat seinen festen Glauben". Nun ist dieses Gedicht mit Augenzwinkern geschrieben, du kannst diese These akzeptieren oder annehmen, ganz nach Belieben.
Das betrifft genauso die andere Passage, die mit den Menschenfressern. Spaß muss sein. Dem stimmst du mir hoffentlich zu?
Lieben Gruß, Rita
-
Rita
Hallo fenestra,
auch dir meinen Dank für die Mühe mit dem kleinen Text.
Du meinst, ich sollte auch mal etwas anderes schreiben, etwas, was dir bekannt ist oder mehr liegt? Ich kann da nur raten. Nun ist es so, dass in der Tat die meisten existierenden Texte entweder im Kreuzreim oder im umarmenden Reim geschrieben werden, und das nicht nur von mir, das findest du durchgängig. Bisher, da hast du recht, waren meine Gedichte alle im fünfhebigen Jambus geschrieben, einfach deshalb, weil mir dieser Takt am meisten liegt und ich mit fünf Hebungen sehr gut hinkomme. Selbstverständlich habe ich auch Gedichte mit weniger oder auch mehr Hebungen geschrieben, ganz unterschiedliche Formen auch. Wobei mich bestimmte Strophenformen einfach nicht interessieren. Im Laufe meiner Beschäftigung mit dem Reimgedicht bin ich aber zu der Einsicht gelangt, dass bestimmte Themen auch bestimmte Strophenarten und Taktarten benötigen, es also nicht egal ist, welche man für welches Thema benutzt. Wobei ich mich oftmals auf solche Gedichte konzentriere, die mit kleinem Augenzwinkern, einer Portion Ironie oder sogar Sarkasmus geschrieben sind, die ich mit ganz unterschiedlichen Wort- oder Stilfiguren besetze. Neuerungen einzuführen, daran bin ich nicht interessiert, da habe ich zuviel Selbsteinsicht, und zu den Genies rechne ich mich nicht.
Was nun die einzelnen Taktarten angeht, so gibt es davon nicht allzu viele: den Jambus, den Trochäus, den Daktylus, den Spondeus und ein paar sehr spezielle. Es ist also nicht so, dass man nur in den gefüllten Topf greifen muss. Jambus und Trochäus liegen mir am meisten, den Daktylus mag ich weniger, den würde ich mir auch nur für hochgestochenere Themen vorbehalten. Aber die schreibe ich eigentlich nicht.
Die verschiedenen Strophenarten habe ich alle im Laufe der Zeit angewendet, ihre Vor- bzw. Nachteile erfahren. Dass ich davon noch nichts eingestellt habe, hängt am meisten damit zusammen, dass ich erst sehr kurz hier bin, aber bestimmte Strophenarten gefallen mir auch einfach nicht. Oder ich habe ihre verborgenen Vorzüge noch nicht erkannt? Wer weiß das.
Auf die Gedichte der anderen User eingehen - ein Problem. Ich habe schon ein paar Kommentare verfasst. Die meisten Texte hier im Salon sind in freien Rhythmen verfasst, mein Feld ist aber das Reimgedicht, von dem es hier nur sehr wenige Texte gibt. Also eine große Auswahl habe ich, das Reimgedicht betreffend, nicht. Natürlich sind mir die freien Rhythmen nicht unbekannt, und ich werde mich mal mehr darum kümmern. In der Regel kommentiere ich ein Gedicht, sobald ich selbst eines poste.
Lieben Gruß, Rita
auch dir meinen Dank für die Mühe mit dem kleinen Text.
Du meinst, ich sollte auch mal etwas anderes schreiben, etwas, was dir bekannt ist oder mehr liegt? Ich kann da nur raten. Nun ist es so, dass in der Tat die meisten existierenden Texte entweder im Kreuzreim oder im umarmenden Reim geschrieben werden, und das nicht nur von mir, das findest du durchgängig. Bisher, da hast du recht, waren meine Gedichte alle im fünfhebigen Jambus geschrieben, einfach deshalb, weil mir dieser Takt am meisten liegt und ich mit fünf Hebungen sehr gut hinkomme. Selbstverständlich habe ich auch Gedichte mit weniger oder auch mehr Hebungen geschrieben, ganz unterschiedliche Formen auch. Wobei mich bestimmte Strophenformen einfach nicht interessieren. Im Laufe meiner Beschäftigung mit dem Reimgedicht bin ich aber zu der Einsicht gelangt, dass bestimmte Themen auch bestimmte Strophenarten und Taktarten benötigen, es also nicht egal ist, welche man für welches Thema benutzt. Wobei ich mich oftmals auf solche Gedichte konzentriere, die mit kleinem Augenzwinkern, einer Portion Ironie oder sogar Sarkasmus geschrieben sind, die ich mit ganz unterschiedlichen Wort- oder Stilfiguren besetze. Neuerungen einzuführen, daran bin ich nicht interessiert, da habe ich zuviel Selbsteinsicht, und zu den Genies rechne ich mich nicht.
Was nun die einzelnen Taktarten angeht, so gibt es davon nicht allzu viele: den Jambus, den Trochäus, den Daktylus, den Spondeus und ein paar sehr spezielle. Es ist also nicht so, dass man nur in den gefüllten Topf greifen muss. Jambus und Trochäus liegen mir am meisten, den Daktylus mag ich weniger, den würde ich mir auch nur für hochgestochenere Themen vorbehalten. Aber die schreibe ich eigentlich nicht.
Die verschiedenen Strophenarten habe ich alle im Laufe der Zeit angewendet, ihre Vor- bzw. Nachteile erfahren. Dass ich davon noch nichts eingestellt habe, hängt am meisten damit zusammen, dass ich erst sehr kurz hier bin, aber bestimmte Strophenarten gefallen mir auch einfach nicht. Oder ich habe ihre verborgenen Vorzüge noch nicht erkannt? Wer weiß das.
Auf die Gedichte der anderen User eingehen - ein Problem. Ich habe schon ein paar Kommentare verfasst. Die meisten Texte hier im Salon sind in freien Rhythmen verfasst, mein Feld ist aber das Reimgedicht, von dem es hier nur sehr wenige Texte gibt. Also eine große Auswahl habe ich, das Reimgedicht betreffend, nicht. Natürlich sind mir die freien Rhythmen nicht unbekannt, und ich werde mich mal mehr darum kümmern. In der Regel kommentiere ich ein Gedicht, sobald ich selbst eines poste.
Lieben Gruß, Rita
Hallo, Rita,
Nein, so meine ich es nicht. Im Gegenteil, etwas mir Unbekanntes würde mich sogar am meisten reizen. Ich fand es ehrlich gesagt einfach eintönig, jedesmal beim Anklicken von einem Gedicht unter deinem Namen wieder in den Jambus zu verfallen.
Vielleicht bei Gelegenheitslyrik, aber nicht in der zeitgenössischen Literatur. Die meisten Autoren schreiben eben heute in freien Versen. Wer heute reimt, muss sich schon etwas einfallen lassen, um den Nerv des Lesers zu treffen - etwa eine besondere Sprache, Neologismen oder auch eine gebrochene Alltagssprache. Ich nenne mal Oskar Pastior, Urs Allemann oder Herta Müller. Kreuzreim, umarmender Reim, Liedstrophe, das wird schnell langweilig und leierig. Es ist gut, wenn man es beherrscht, wie du, aber es gibt eben noch spannende Weiterentwicklungen.
Ganz genau, und da du recht verschiedene Themen darstellst, würde ich eben auch zu etwas mehr Variation in den Gedichtformen raten.
Viele Grüße
fenestra
Du meinst, ich sollte auch mal etwas anderes schreiben, etwas, was dir bekannt ist oder mehr liegt?
Nein, so meine ich es nicht. Im Gegenteil, etwas mir Unbekanntes würde mich sogar am meisten reizen. Ich fand es ehrlich gesagt einfach eintönig, jedesmal beim Anklicken von einem Gedicht unter deinem Namen wieder in den Jambus zu verfallen.
Nun ist es so, dass in der Tat die meisten existierenden Texte entweder im Kreuzreim oder im umarmenden Reim geschrieben werden, und das nicht nur von mir, das findest du durchgängig.
Vielleicht bei Gelegenheitslyrik, aber nicht in der zeitgenössischen Literatur. Die meisten Autoren schreiben eben heute in freien Versen. Wer heute reimt, muss sich schon etwas einfallen lassen, um den Nerv des Lesers zu treffen - etwa eine besondere Sprache, Neologismen oder auch eine gebrochene Alltagssprache. Ich nenne mal Oskar Pastior, Urs Allemann oder Herta Müller. Kreuzreim, umarmender Reim, Liedstrophe, das wird schnell langweilig und leierig. Es ist gut, wenn man es beherrscht, wie du, aber es gibt eben noch spannende Weiterentwicklungen.
Im Laufe meiner Beschäftigung mit dem Reimgedicht bin ich aber zu der Einsicht gelangt, dass bestimmte Themen auch bestimmte Strophenarten und Taktarten benötigen, es also nicht egal ist, welche man für welches Thema benutzt.
Ganz genau, und da du recht verschiedene Themen darstellst, würde ich eben auch zu etwas mehr Variation in den Gedichtformen raten.
Viele Grüße
fenestra
-
Rita
Hallo Fenestra,
du hast recht, der Trend in der Lyrik geht zu freien Rhythmen. Ich würde sogar behaupten, er geht zur Sinnfreiheit. Mit freien Rhythmen kann ich schon was anfangen, habe ja selber jahrelang freie Rhythmen geschrieben, bis ich merkte, dass ich mich einerseits wiederhole, und andererseits fachlich für mich nichts Neues kam. An diesen Punkt sind viele Lyriker gekommen, und ich glaube, dass erst die Bekanntschaft und relative Beherrschung beider Genres ein Gefühl für Lyrik öffnet.
Die Autoren, die du als Beispiele aufführst, sind zumindest in ihrer Gedankenwelt meiner Wirklichkeit sehr fern, ich habe da ganz andere Autoren als "Vorbilder".
Sie sind Sterne am Gegenwartshimmel, aber genauso schnell, wie sie aufstiegen, werden sie auch wieder vergessen werden, andere Lyriker werden sie ablösen. Ihre Gedichte sind Ausdruck dieser Zeit und ihrer persönlichen Umwelt, mit meinem Dasein und meiner Gedankenwelt haben sie nichts zu tun. Erwarte also nichts "in dieser Art" von mir.
Und genau diese Erkenntnis, dass gerade die freien Rhythmen einer Mode unterliegen, hat mich zum Reim gebracht. Das Reimgedicht dagegen wird es immer geben, es wird niemals "unmodern" und rennt keiner wie auch immer gearteten "Modernität" hinterher. Selbstverständlich kann man heute nicht mehr schreiben wie Mörike oder Novalis oder Goethe. Man macht sich mit diesem altertümelnden Stil lächerlich, aber es wird gerade in den Internetforen gemacht, dass Autoren des 21. Jahrhunderts wie im 19. Jahrhundert schreiben. Das reimende Schreiben erfordert nicht nur die Beherrschung des Handwerks, ich habe gemerkt, seit ich mich mit dem Reim beschäftige, macht mir das Schreiben erst wieder wirklichen Spaß, ich kann vieles im Reim ausdrücken, was im freien Rhythmus nicht oder nur schwer geht, mein Blickfeld ist in jeder Beziehung einfach weiter geworden.
Was nun Paar-, Kreuz- oder umarmenden Reim oder Alexandriner usw. in seinen Strophen-Variationen angeht, so sind sie das Grundmaterial des reimenden Lyrikers. Also auf keinen Fall ein Nichts oder ein Zuwenig, wie ich deinen Zeilen glaube entnehmen zu müssen. Gerade in diesen "einfachen" Strophenformen spielt sich das "lyrische Leben" ab, wesentlicher Bestandteil sind inhaltliche und Formaspekte, das findest du bei allen "Prominenten". Wobei, und das ist ja nicht unwichtig, ich mit meinen Gedichten nur eine von vielen bin im großen Meer der reimenden Poeten und mir jeden Flitz verbiete. Mir gefällt zum Beispiel die Neue Sachlichkeit eines Tucholsky oder einer Mascha Kaleko sehr, die in einer Zeit geschrieben haben, die der unseren zwar nicht gleicht, aber ähnelt, und Kunst ist immer Ausdruck des Charakters einer bestimmten Zeitepoche. Insofern glaube ich, ausreichend "modern" zu sein mit meiner Lyrik. Zumal, und das ist nicht unwichtig, gerade die gereimte Lyrik wieder "im Kommen" ist.
Ich weiß nicht, ob ich dir das alles schreiben muss, wie weit dein Verständnis für das metrisch gebundene Gedicht überhaupt geht. Ich habe mir hier einen Überblick verschafft und festgestellt, dass die freien Rhythmen mengenmäßig ein Schwergewicht haben. Ich muss also, wie ich an der Dezime gemerkt habe, mit einigem Unverständnis rechnen, wovon ich ja schon mal ein paar Kostproben bekommen habe. Ich bin darüber nicht verwundert und muss einfach damit leben.
In diesem Sinne viel Spaß.
Lieben Gruß, Rita
du hast recht, der Trend in der Lyrik geht zu freien Rhythmen. Ich würde sogar behaupten, er geht zur Sinnfreiheit. Mit freien Rhythmen kann ich schon was anfangen, habe ja selber jahrelang freie Rhythmen geschrieben, bis ich merkte, dass ich mich einerseits wiederhole, und andererseits fachlich für mich nichts Neues kam. An diesen Punkt sind viele Lyriker gekommen, und ich glaube, dass erst die Bekanntschaft und relative Beherrschung beider Genres ein Gefühl für Lyrik öffnet.
Die Autoren, die du als Beispiele aufführst, sind zumindest in ihrer Gedankenwelt meiner Wirklichkeit sehr fern, ich habe da ganz andere Autoren als "Vorbilder".
Sie sind Sterne am Gegenwartshimmel, aber genauso schnell, wie sie aufstiegen, werden sie auch wieder vergessen werden, andere Lyriker werden sie ablösen. Ihre Gedichte sind Ausdruck dieser Zeit und ihrer persönlichen Umwelt, mit meinem Dasein und meiner Gedankenwelt haben sie nichts zu tun. Erwarte also nichts "in dieser Art" von mir.
Und genau diese Erkenntnis, dass gerade die freien Rhythmen einer Mode unterliegen, hat mich zum Reim gebracht. Das Reimgedicht dagegen wird es immer geben, es wird niemals "unmodern" und rennt keiner wie auch immer gearteten "Modernität" hinterher. Selbstverständlich kann man heute nicht mehr schreiben wie Mörike oder Novalis oder Goethe. Man macht sich mit diesem altertümelnden Stil lächerlich, aber es wird gerade in den Internetforen gemacht, dass Autoren des 21. Jahrhunderts wie im 19. Jahrhundert schreiben. Das reimende Schreiben erfordert nicht nur die Beherrschung des Handwerks, ich habe gemerkt, seit ich mich mit dem Reim beschäftige, macht mir das Schreiben erst wieder wirklichen Spaß, ich kann vieles im Reim ausdrücken, was im freien Rhythmus nicht oder nur schwer geht, mein Blickfeld ist in jeder Beziehung einfach weiter geworden.
Was nun Paar-, Kreuz- oder umarmenden Reim oder Alexandriner usw. in seinen Strophen-Variationen angeht, so sind sie das Grundmaterial des reimenden Lyrikers. Also auf keinen Fall ein Nichts oder ein Zuwenig, wie ich deinen Zeilen glaube entnehmen zu müssen. Gerade in diesen "einfachen" Strophenformen spielt sich das "lyrische Leben" ab, wesentlicher Bestandteil sind inhaltliche und Formaspekte, das findest du bei allen "Prominenten". Wobei, und das ist ja nicht unwichtig, ich mit meinen Gedichten nur eine von vielen bin im großen Meer der reimenden Poeten und mir jeden Flitz verbiete. Mir gefällt zum Beispiel die Neue Sachlichkeit eines Tucholsky oder einer Mascha Kaleko sehr, die in einer Zeit geschrieben haben, die der unseren zwar nicht gleicht, aber ähnelt, und Kunst ist immer Ausdruck des Charakters einer bestimmten Zeitepoche. Insofern glaube ich, ausreichend "modern" zu sein mit meiner Lyrik. Zumal, und das ist nicht unwichtig, gerade die gereimte Lyrik wieder "im Kommen" ist.
Ich weiß nicht, ob ich dir das alles schreiben muss, wie weit dein Verständnis für das metrisch gebundene Gedicht überhaupt geht. Ich habe mir hier einen Überblick verschafft und festgestellt, dass die freien Rhythmen mengenmäßig ein Schwergewicht haben. Ich muss also, wie ich an der Dezime gemerkt habe, mit einigem Unverständnis rechnen, wovon ich ja schon mal ein paar Kostproben bekommen habe. Ich bin darüber nicht verwundert und muss einfach damit leben.
In diesem Sinne viel Spaß.
Lieben Gruß, Rita
der Trend in der Lyrik geht zu freien Rhythmen (...) Und genau diese Erkenntnis, dass gerade die freien Rhythmen einer Mode unterliegen,
auch klopstock - und goethe beispielsweise schrieben schon in sogenannten freien rhythmen.
beste grüße
birke
-
Niko
der Trend in der Lyrik geht zu freien Rhythmen.
Und genau diese Erkenntnis, dass gerade die freien Rhythmen einer Mode unterliegen, hat mich zum Reim gebracht.
liebe elektrische rita,
wenn sich freie rhythmen als modeerscheinung soviele jahrzehnte lang behaupten, dann kann man mit sicherheit nicht mehr von mode sprechen. und "freie rhythmen hat es zu jeder zeit gegeben. aber irgendwann wurde dann wohl das reimen mode. ein trend, der sich lange hielt, immer unterschwellig im 20. jahrhundert blieb und in der nachkriegslyrik keine rolle spielte.
Sie sind Sterne am Gegenwartshimmel, aber genauso schnell, wie sie aufstiegen, werden sie auch wieder vergessen werden, andere Lyriker werden sie ablösen. Ihre Gedichte sind Ausdruck dieser Zeit und ihrer persönlichen Umwelt,
ich glaube dass dieses vorangestellte zitat sich zu sehr mit dem folgenden vermischt:
Ihre Gedichte sind Ausdruck dieser Zeit und ihrer persönlichen Umwelt, mit meinem Dasein und meiner Gedankenwelt haben sie nichts zu tun. Erwarte also nichts "in dieser Art" von mir.
vielleicht sind goethe und schiller auch nur modische erscheinungen gewesen, denen man prophezeit hat, dass man sie in 30 jahren vergessen hat. dieses phaenomen gibt es allerorten. nach dem prinzip: "wat der buer nit kennt, dat frisst er nit." aus der klassischen musik weiß ich, dass so manche komponisten belächelt und abgetan wurden. ihre musik als spinnerei und unspielbares neumodisches zeugs, das keinen bestand hat, verbal vernichtet. - die zeit hat sie alle eines besseren belehrt. salieri kennt man kaum. am ehesten noch aus dem film "amadeus". mozart kennt aber jeder.
und weiter behaupte ich, dass man mit konservativismus keinen blumenpott gewinnen kann. es bringt einen nicht weiter. man bewegt sich im bekannten, sicheren rahmen. und man muss keine kritik aushalten. man ist ja routiniert in dem, wovon man weiß, dass man es kann....
aber dennoch gebe ich dir hier vollkommen recht:
ich kann vieles im Reim ausdrücken, was im freien Rhythmus nicht oder nur schwer geht, mein Blickfeld ist in jeder Beziehung einfach weiter geworden.
und ich möchte hinzufügen, dass ich reimen toll finde. aber ich schreibe überwiegend reimfrei. es ist für mich nicht nur wichtig, beides zu mögen, sondern auch beides zu können (so gut es eben geht). dennoch mag ich persönlich und nur für mich diese ausschließlichkeit nicht. ich finde, wenn du freie gedichte auch schreibst, dann solltest du auch immer mal wieder dahin zurück und dich da weiter versuchen. denn das altbewährte reimen kannst du ja schon.
geneigt grüßend: niko
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 49 Gäste