venedig

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Klimperer

Beitragvon Klimperer » 08.08.2013, 10:37

ich kenne eine person
weiblich
um die achtzig
seit vielen jahren kenne ich sie
aus kunst in der mittagspause
wo sie immer brav zuhörte
nie etwas dazwischen sagte
ab und an treffe ich sie
buon giorno signora
sage ich zu ihr
sie geht immer langsamer
wirkt immer abwesender
immer wenn ich sie sehe
muss ich an venedig denken
denn sie kommt aus dieser stadt
vor kurzem war sie wieder dort
um sich zu verabschieden
alle donna leon filme
hat sie geseheneue
alle kanäle hat sie eingeatmet
für den canale grande
reift langsam die zeit


Neue, vorübergehend endgültige Version, mit der Hilfe von Scarlett und Birke:



ich kenne eine person
weiblich um die achtzig
seit vielen jahren kenne ich sie schon
aus "kunst in der mittagspause"
wo sie immer brav zuhörte
nie etwas dazwischen sagte

ab und an treffe ich sie
buon giorno signora

sie geht immer langsamer
wirkt immer abwesender
immer wenn ich sie sehe
muss ich an venedig denken
vor kurzem war sie wieder da
um sich zu verabschieden
alle donna leon filme
hat sie gesehen
alle kanäle hat sie eingeatmet

für den canale grande
reift langsam die zeit
Zuletzt geändert von Klimperer am 11.08.2013, 13:52, insgesamt 2-mal geändert.

scarlett

Beitragvon scarlett » 09.08.2013, 20:51

holà carlos,

als absolute Venedig-liebhaberin berührt dein gedicht eine saite in mir, und das sehr-
den schluss finde ich einfach grandios, dazwischen würde ich allerdings etwas straffen.
vorschläge dazu könnte ich, sofern du das überhaupt wünschst, allerdings erst frühestens nächste woche dienstag machen, bis dahin bin ich vollzeitbuchhändlerin und abends ko.

salute,
scarlett

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 10.08.2013, 08:28

Hallo Scarlett,
die Tage lese ich das Buch ISBN-13: 978-3-15-009155-5

Ich glaube, das hat "venedig" beinflusst.
Für jemand, der gerne liest, muss der Buchhändler Beruf manchmal eine Tantalosqual sein ...
Vielen Dank für deine Rückmeldung und für dein Lob. Ich erwarte deine weiteren Kommentare.

Carlos

scarlett

Beitragvon scarlett » 10.08.2013, 21:07

jacques prévert ... keine schlechte Lektüre, gibt immer noch viel her.

ja, der beruf ist manchmal echt zum k* - aber na gut, bringt kohle, und das noch relativ anständig, da will frau mal nicht motzen.

ich schau mir deinen text gern nochmal an, carlos, lass mich nur verschnaufen.

abendgrüße,
monika

scarlett

Beitragvon scarlett » 10.08.2013, 23:04

ich kenne eine person
weiblich, um die achtzig
seit vielen jahren kenn ich sie schon
aus kunst in der mittagspause
wo sie immer brav zuhörte
nie etwas sagte
ab und an treffe ich sie
buon giorno signora-

sie geht immer langsamer
wirkt immer abwesender
immer wenn ich sie sehe
muss ich an venedig denken

vor kurzem war sie wieder dort
um sich zu verabschieden

alle donna leon filme
hat sie gesehen
alle kanäle hat sie eigeatmet
für den canale grande

reift langsam die zeit


die zeile - aus kunst ...
wirkt sperrig auf mich, carlos, ich weiß nicht genau, was du damit aussagen wolltest ...
aus "kunstgesprächen", aus "gesprächen über kunst"?

nimm dir aus meinen vorschlägen das, was dir am ehesten passt.

ich mag deinen text, nach wie vor.

scarlett

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birke
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Beitragvon birke » 10.08.2013, 23:26

ja, besonders den schluss finde ich auch ganz wunderbar, lieber carlos! (und für das „eiNgeatmet“ schenk ich dir noch ein „n“.)

interessant finde ich hier, dass du über eine frau erzählst, die das lyrich angeblich kennt, aber wie kann es sie kennen, wenn sie doch nie „dazwischen“ geredet hat? aber irgendwas muss sie wohl mal gesagt haben, denn zum schluss erfährt der leser ja doch etwas über sie ;)

diese stelle:

seit vielen jahren kenne ich sie
aus kunst in der mittagspause

verstehe ich auch nicht so ganz – „aus gesprächen über kunst“?? (wobei es ja dann keine „gespräche“ sondern eher monologe waren, die die frau aber offenbar interessierten) ;)

mir gefällt das auch :smile:

herzlich,
birke

ps - scarletts stellenweise verkürzungen würden dem text gut tun, jedenfalls auch aus meiner sicht.
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 11.08.2013, 10:18

Vielen Dank Scarlett, vielen Dank Birke für eure Hilfe.

Diese "Kunst in der Mittagspause" ist eine Museumsveranstaltung, bei der locker ein Bild, ein Kunstobjekt besprochen wird. Vielleicht fällt euch ein, wie man das näher erklären könnte. Oder einfach weg lassen?
Scarlett lässt die Zeile weg, bei der informiert wird, dass diese Frau aus Venedig stammt. Irgendwie finde ich nicht schlecht, diese Information weg zu lassen, macht das Gedicht geheimnisvoller...?
Ich werde gleich das "N" einfügen ...

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Carlos

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birke
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Beitragvon birke » 11.08.2013, 11:10

hallo carlos, hm, vielleicht würde es ja schon reichen die "kunst in der mittgspause" tatsächlich auch im text in anführungszeichen zu setzen?
und ja, die information, dass die frau aus venedig stammt, ist m. e. entbehrlich, das kann sich der leser vllt selbst denken ... lässt noch etwas mehr freiraum :smile:

dir auch einen schönen sonntag,

birke
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

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