Mal doch mal ein Bild

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Estragon

Beitragvon Estragon » 09.08.2013, 17:30

zeig doch mal
er riss die wunde auseinander
er lächelte sein spiegelbild an
er fragte
hast du angst vorm schwarzen mann
er bejahte es
er ist hinter dir sagte er
hast du immer noch angst
er lächelte
dann nickte er
wann wirst du mir sagen dass er dein freund ist
er lächelte
die augen so klar als hätte der wind haltestellen in der luft entfernt
so klar
als wäre eine minute nicht einmal eine sekunde wert
als gingen sie unter die brücke
die wirklichkeit und die realität
mach schon forderte er sich auf
du waschlappen lächelte er
er hielt sich fest
beinah hätte er sich geschlagen
nur zum spass
er lachte
vergiß nicht..du bist mit dem kastaniensammeln dran

der schwarze mann ist mein freund sagte er

magst du ihn auch
wenn er
so dasitzt
schweigend und vom tauben tauben meer träumt
magst du ihn auch
wenn er dem mädchen guten tag sagt
von der du zu gerne mal wissen möchtest
wie das ist
so zu sein
gerade so als sei sonst nichts anderes da
ein leises sich einklammern
ein verlegener blick

nein sagte er
sie ist nicht so
sie fegt die leere weg und fängt die stille
sie ballt die faust
sie ist gegen unsere art die tage zu zählen
genauso wie er

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 09.08.2013, 20:31

sehr gelungen und stimmig find ich das zwiegespräch; die leere und stille in der viertletzten Zeile könnte ich mir noch in konkreteres gepackt vorstellen, die nomina sind da selber etwas leer und still - ich empfinde es als zu 'überhöht' - fast kitschig.

Estragon hat geschrieben:zeig doch mal
er riss die wunde auseinander
er lächelte sein spiegelbild an
er fragte
hast du angst vorm schwarzen mann
er bejahte es
er ist hinter dir sagte er
hast du immer noch angst
er lächelte
dann nickte er
wann wirst du mir sagen dass er dein freund ist
er lächelte
die augen so klar als hätte der wind haltestellen in der luft entfernt
so klar
als wäre eine minute nicht einmal eine sekunde wert
als gingen sie unter die brücke
die wirklichkeit und die realität
mach schon forderte er sich auf
du waschlappen lächelte er
er hielt sich fest
beinah hätte er sich geschlagen
nur zum spass
er lachte
vergiß nicht..du bist mit dem kastaniensammeln dran

der schwarze mann ist mein freund sagte er

magst du ihn auch
wenn er
so dasitzt
schweigend und vom tauben tauben meer träumt
magst du ihn auch
wenn er dem mädchen guten tag sagt
von der du zu gerne mal wissen möchtest
wie das ist
so zu sein
gerade so als sei sonst nichts anderes da
ein leises sich einklammern
ein verlegener blick

nein sagte er
sie ist nicht so
sie fegt die leere weg und fängt die stille
sie ballt die faust
sie ist gegen unsere art die tage zu zählen
genauso wie er

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nera
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Beitragvon nera » 09.08.2013, 22:43

ich finde es einfach nur klasse. meine lieblingsstelle ist die mit dem kastaniensammeln.

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birke
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Beitragvon birke » 09.08.2013, 23:21

oh, das mag ich ... hier steckt so viel drin!

(und - gerade die stelle mit der leere und der stille - mag ich besonders!)

aber der titel ... der will sich für mich nicht so ganz zum text fügen.
naja, egal, nur eine kleinigkeit.

lg
birke
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/


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