kläglich
- frühling bricht wieder über mich herein -
ich sitze vor unsrem café unter noch kahlen birken,
rühre das schwarze auf, das bittere,
und ein junges, überspringendes lachen
fällt mich vom nebentisch an,
steckt das trübe verlorener jahre in brand:
nie mehr wirst du
so lachen.
kläglich
-
Herby
Hallo poeta,
ich wüsste gar nicht zu sagen, ob mir dein Gedicht trotz oder gerade wegen seiner Stimmung gefällt - aber es "spricht" jedenfalls zu mir.
Lass mich bitte noch zwei Punkte anmerken.
Ich bin mir unsicher, aber liegen hier Redundanzen vor? Ist das "bittere" an dieser Stelle nicht schon im Nomen "das schwarze" enthalten? Und dass das überspringende Lachen sich nicht langsam anschleicht, scheint mir auch irgendwie klar. Zumindest auf das "überspringende" könnte ich gut versichten, ohne dass dein Text etwas einbüßt.
Und dann der Titel - mir ist er zu explizit, nimmt zuviel vorweg. Ich denke gerade so in die Richtung von "Frühlingsfeuer", "Brandstiftung"?
Herzliche Abendgrüße,
Herby
ich wüsste gar nicht zu sagen, ob mir dein Gedicht trotz oder gerade wegen seiner Stimmung gefällt - aber es "spricht" jedenfalls zu mir.
Lass mich bitte noch zwei Punkte anmerken.
poeta hat geschrieben:rühre das schwarze auf, das bittere,
und ein junges, überspringendes lachen
fällt mich vom nebentisch an,
Ich bin mir unsicher, aber liegen hier Redundanzen vor? Ist das "bittere" an dieser Stelle nicht schon im Nomen "das schwarze" enthalten? Und dass das überspringende Lachen sich nicht langsam anschleicht, scheint mir auch irgendwie klar. Zumindest auf das "überspringende" könnte ich gut versichten, ohne dass dein Text etwas einbüßt.
Und dann der Titel - mir ist er zu explizit, nimmt zuviel vorweg. Ich denke gerade so in die Richtung von "Frühlingsfeuer", "Brandstiftung"?
Herzliche Abendgrüße,
Herby
-
poeta
hallo Herby,
ob trotz oder wegen oder sogar vielleicht beides? wie auch immer, schön, dass mein textlein zu dir spricht und dus nicht bei einer einseitigen ansprache bewenden lässt, sondern sogar erwiderst. danke schön!
zu deinen beiden einwänden:
ist schwarz und bitter tatsächlich gleichzusetzen?
für mich ist der kleine schwarze ja erstmal erholung/pause/energiespender zwischendurch ...
manche trinken den kleinen schwarzen ja auch mit so viel zucker, dass der löffel drin steht. übertragen steht schwarz ja auch für trauer, die muss nicht unbedingt bitter sein, wenn man z.b. in richtung melancholie ... denkt.
je länger ich überlege, desto schwerer fällt es mir, mich für einen der beiden begriffe zu entscheiden. ich mag auch gerade schwarz und bitter als synonym für kaffee.
ganz ähnlich ergeht es mir mit dem überspringenden lachen, hier allerdings um den gegensatz herauszuarbeiten, 'überspringend' als heiter, lebensfreude, unbeschwertheit, leichtigkeit... auszudrücken; 'anfallen' dagegen schwergewichtig, niederdrückend, auch aggressiv und gewalttätig ...
also überspringend fröhlich wird das lachen ausgesandt, niederdrückend gewalttätig kommt es an.
zum titel werde ich mir noch weiter gedanken machen. ich fand das 'kläglich' eigentlich ganz passend, weil das ganze ja eine klage, anklage darstellt, die aber kläglich ausfällt, sich selbst ironisch hinterfragt (?) oder im keim erstickt.
ich fürchte, ich verstehe nicht ganz, wie du das meinst mit dem 'zuviel vorwegnehmen', da stehe ich anscheined auf der leitung, vielleicht könntest du das noch erklären. bei deinen anregungen 'frühlingsfeuer' und 'brandstiftung' ist mir auch nicht ganz klar, worauf sie abzielen außer aufs inbrandstecken der verlorenen jahre.
ich vermute, es ist mir nicht wirklich gelungen, zu vermitteln, was ich mir zu thema gemacht habe.
ich hoffe, du meinst jetzt nicht, ich würde kritikresistent auf der verteidigung meiner zeilen beharren. ich glaube selbst, dass das nicht so ist, dass ich deine einwände sehr ernst nehme, aber manches ein bisschen anders empfinde als du. immerhin habe ich den text so noch einmal gründlich überprüft. vielen dank für deine rückmeldung und die freundlichen hinweise.
liebe grüße, poeta
ob trotz oder wegen oder sogar vielleicht beides? wie auch immer, schön, dass mein textlein zu dir spricht und dus nicht bei einer einseitigen ansprache bewenden lässt, sondern sogar erwiderst. danke schön!
zu deinen beiden einwänden:
ist schwarz und bitter tatsächlich gleichzusetzen?
für mich ist der kleine schwarze ja erstmal erholung/pause/energiespender zwischendurch ...
manche trinken den kleinen schwarzen ja auch mit so viel zucker, dass der löffel drin steht. übertragen steht schwarz ja auch für trauer, die muss nicht unbedingt bitter sein, wenn man z.b. in richtung melancholie ... denkt.
je länger ich überlege, desto schwerer fällt es mir, mich für einen der beiden begriffe zu entscheiden. ich mag auch gerade schwarz und bitter als synonym für kaffee.
ganz ähnlich ergeht es mir mit dem überspringenden lachen, hier allerdings um den gegensatz herauszuarbeiten, 'überspringend' als heiter, lebensfreude, unbeschwertheit, leichtigkeit... auszudrücken; 'anfallen' dagegen schwergewichtig, niederdrückend, auch aggressiv und gewalttätig ...
also überspringend fröhlich wird das lachen ausgesandt, niederdrückend gewalttätig kommt es an.
zum titel werde ich mir noch weiter gedanken machen. ich fand das 'kläglich' eigentlich ganz passend, weil das ganze ja eine klage, anklage darstellt, die aber kläglich ausfällt, sich selbst ironisch hinterfragt (?) oder im keim erstickt.
ich fürchte, ich verstehe nicht ganz, wie du das meinst mit dem 'zuviel vorwegnehmen', da stehe ich anscheined auf der leitung, vielleicht könntest du das noch erklären. bei deinen anregungen 'frühlingsfeuer' und 'brandstiftung' ist mir auch nicht ganz klar, worauf sie abzielen außer aufs inbrandstecken der verlorenen jahre.
ich vermute, es ist mir nicht wirklich gelungen, zu vermitteln, was ich mir zu thema gemacht habe.
ich hoffe, du meinst jetzt nicht, ich würde kritikresistent auf der verteidigung meiner zeilen beharren. ich glaube selbst, dass das nicht so ist, dass ich deine einwände sehr ernst nehme, aber manches ein bisschen anders empfinde als du. immerhin habe ich den text so noch einmal gründlich überprüft. vielen dank für deine rückmeldung und die freundlichen hinweise.
liebe grüße, poeta
-
Niko
hallo poeta,
dein text schafft es, aus sicherer distanz ins schwarze zu treffen.
deine zeilen sind offen genug für das eigene erleben. weit genug um mir selbst darin einen platz zu suchen und es mir bequem zu machen. das mag ich sehr!
und du beschreibst eine alltagssituation die jedem geläufig ist, der jenseits der 40 dümpelt. die verlorenen jahre, die eingebüßte kindheit, die verschwendete ehe, die bittere eigene krankheit, oder die des partners oder eines kindes.....alles ist in den zeilen denkbar.
und unterm strich ist die daraus resultierende empfindung auch bei allen sehr ähnlich.
ich finde das sehr nachdrücklich berührend geschildert. besonders mag ich das hier:
und ein junges, überspringendes lachen
fällt mich vom nebentisch an,
steckt das trübe verlorener jahre in brand
find ich große klasse!
liebe grüße: niko
dein text schafft es, aus sicherer distanz ins schwarze zu treffen.
deine zeilen sind offen genug für das eigene erleben. weit genug um mir selbst darin einen platz zu suchen und es mir bequem zu machen. das mag ich sehr!
und du beschreibst eine alltagssituation die jedem geläufig ist, der jenseits der 40 dümpelt. die verlorenen jahre, die eingebüßte kindheit, die verschwendete ehe, die bittere eigene krankheit, oder die des partners oder eines kindes.....alles ist in den zeilen denkbar.
und unterm strich ist die daraus resultierende empfindung auch bei allen sehr ähnlich.
ich finde das sehr nachdrücklich berührend geschildert. besonders mag ich das hier:
und ein junges, überspringendes lachen
fällt mich vom nebentisch an,
steckt das trübe verlorener jahre in brand
find ich große klasse!
liebe grüße: niko
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