"infinite jest"

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
pjesma

Beitragvon pjesma » 07.06.2012, 01:13

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Zuletzt geändert von pjesma am 03.08.2016, 03:04, insgesamt 1-mal geändert.

Gerda

Beitragvon Gerda » 07.06.2012, 11:26

Liebe Pjesma,

ich habe "Infinite Jest" von David Foster Wallace nicht gelesen, vermute jedoch, dass du Bezug nimmst auf dieses Buch oder auch nur auf den Titel, der ein Zitat aus "Hamlet" von Shakespeare ist.
(Dass ich deinen Text, spontan in diesen Kontext bringen kann, habe ich widerum dem gestern auf Arte gesehenen Interview mit Jonathan Franzen zu verdanken)
Thematisiert hast du den Zustand der Langeweile, die entsteht, wenn Menschen Zeit haben und nicht so recht wissen,was sie mit dieser Zeit anfangen sollen. Der Schluss entlarvt, das unsinnige Tun des Lyrich als Beliebigkeit.
Dein Lyrich betrachtet einerseits sein eigenes, der Langeweile entsprungenes Handeln, andererseits die Mitmenschen, die nicht viel Zeit haben, weil sie so wichtig sind, oder sich so fühlen, dass sie immer etwas zu tun haben. Du führst sie vor und die Ironie ad absurdum.
Das Bild /Antlitz/Auto hinkt für mich ein wenig. Vielleicht kannst du nochmal überlegen, was du genau damit ausdrücken möchtest. (Das Auto als Statussymbol, lässt mache den Kopf höher tragen, geht mir durch den Kopf, oder ... sie schauen nur deshalb wichtig, weil sie eine Nobelkarosse ihr Eigen nennen).
"Wedeln mit den Krawatten, wie Hunde", das kann ich mir nicht recht vorstellen, soll hier eine gewisse Unterwürfigkeit angesprochen werden? Auch das "Glöckeln mit Kostümchen" ist für mich zu unbestimmt. Meinst du in etwa "Stöckeln im Kostümchen"? Hier kommt hinzu, dass es ja nicht dieselben sind, die schon mit den Krawatten wedeln ...

Ich glaube zu wissen, was du mit diesen Bildern sagen möchtest, dennoch meine ich, dass ein nochmaliges Überdenken dem Gedicht nicht schadete. Du berühst meinen Nerv, du könntest ihn treffen. ;-)
Das es ganz öde ausgeht ist konsequent.
Jedenfalls hat mich der Text sehr interessiert und beschäftigt, wie du unschwer erkennen kannst.

Kleine Korrekturvorschläge hätte ich, die nicht in den Ton des Gedichtes eingreifen.

mir ist es so langweilig
mir ist es sooooo langweilig
alles rennt mit dem wichtigenm gesichtsausdruck
im gesicht,
wosonst auch
naja
manche haben sich autos
anstatt antlitz angezogen
wie gelobte hunde
wedeln sie mit den krawatten
glöckeln
mit den kostümchen
und mir ist es soooo langweilig
sooo öde
ich bin nicht grade
was man einen penner nennt
aber habe verpönend viel zeit
zur zeit
ich habe musße
die musen ein bisschen aufzuziehen
ein dickes buch
immer wieder aufzumachen
laut zuzuklappen
und schauen wen es ms stört
dannach alle zehnte worte
zu einem gedicht zu pressen
ohne rücksicht auf verluste *
AN
GATELY
RAND
BEKANNTEN
LANG
VOR
HOCH
DÜNN
MEINE
BETRUGSMANÖVER
irgendwann
ergibt alles
einen sinn

oder zwei

(*das stand "verlüßte" vermutlich meinst du den Plural des Wortes Verlust = Verluste - so habe ich es verstanden, da auch geflügeltes Wort))


Liebe Grüße
Gerda

pjesma

Beitragvon pjesma » 08.06.2012, 08:48

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pjesma

Beitragvon pjesma » 08.06.2012, 09:13

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 08.06.2012, 19:49

...
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pjesma

Beitragvon pjesma » 09.06.2012, 07:24

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Gerda

Beitragvon Gerda » 09.06.2012, 10:53

Liebe Pjesma,

ich denke, dass dein Text viel Raum lässt, weil du aber die Langeweile mehrfach wörtlich benennst und hierdurch die Aufmerksamkeit daran bindest, wird der Leser sich auch zunächst mit diesem Thema befassen. Dass Langweile auch ein Hinweis auf Einsamkeit ist, ist unbestritten, aber nicht direkt abzuleiten.

Jene Langeweile, wie wir sie möglicherweise alle aus der Kindheit kennen, ging bei mir damit einher, dass ich anfing mit meinen Geschwistern zusammen vorbeifahrende Automarken zu zählen. Da war ich nicht im Entferntesten einsam, denn meine Geschwister und ich erfanden aus Langweile ein Spiel und wetteiferten im sozialen Verband.
Die Langeweile, die im Erwachsenenalter entsteht ist eine andere, hat ein beträchtliche Dimensionen und auch sehr viel mit Einsamkeit zu tun. Insofern stimme ich dir zu.

Nur, offenbart sich diese in deinem Gedicht?

Du hast Bilder verwendet, die auf eine gekünstelte Wichtigkeit der Krawatten- und KöstümchenträgerInnen hinweist. Gleichzeitig habe ich beim Lesen den Eindruck, dass diese Beobachtungen im Gegensatz zu dem Befinden des Lyrich stehen sollen.
Bei näherer Betrachtung muss ich allerdings sagen, dass die beschriebenen Menschen ja ebenso einsam sein könnten, wie das Lyrich, das Langeweile hat. Naheliegend, den Text auch unter diesem Aspekt zu lesen, war es für mich nicht unbedingt. Deine Erläuterungen kann ich teilweise nachempfinden.
Aber das sind Erläuterungen, wie du das Gedicht begreifst und verstanden haben möchtest. Der Leser hingegen liest es nach seiner Fasson. ;-)

Du schreibst auch davon, dass man die Musen spielen lassen solle, dagegen ist nichts einzuwenden. Für mich hat es allerdings nichts mit Spiel zu tun, wenn ich nach einem System, jedes zehnte Wort aus einem Werk klaube, um diese Wörter untereinander zu schreiben oder sie zu verbinden. Das geht für mich dann eher in Richtung "Cut up" Technik, (Zufälliges trifft aufeinander, auch von unterschiedlichen AutorInnen), die von der Beatgeneration entwickelt und in der nicht nur Worte sondern Sätze montiert wurden.

Ich gebe zu, dass ich auf die von dir zitierten Worte noch nicht eingegangen bin, weil sie mir für sich genommen nichts sagen. Für mich stehen sie eher auch für die Langeweile, als fürs kreative Spiel mit Worten, in diesem Text.

Insgesamt merkt man erst nach mehrmaliger Beschäftigung mit deinem Gedicht, welches weite Feld sich eröffnet.
Ist es zu viel für ein Gedicht? Ich weiß nicht …
Ende jetzt mal mit meinen Betrachtungen, dein Gedicht wird mich noch beschäftigen.

Liebe Grüße
Gerda

Mucki
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Beitragvon Mucki » 09.06.2012, 23:14

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pjesma

Beitragvon pjesma » 10.06.2012, 00:34

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