im paradies

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 19.05.2012, 15:44

Verstecken ist aktiviert
Um diesen versteckten Text lesen zu können, mußt du registriert und angemeldet sein.

Anonymus
Beiträge: 435
Registriert: 28.09.2007

Beitragvon Anonymus » 21.05.2012, 09:00

Hallo Fenestra,

das Gedicht finde ich gelungen!
Ich lese es als Auseinandersetzung mit Storms "Nachtigall".
Bei Storm geht es um die tiefen Einschnitt durch die erste Liebe, durch die das Mädchen zur Frau wird.
Dein Gedicht reflektiert ironisch-abgebrüht nach (wieder) einem "...zummenprall/ mit eines knaben wunderhorn" die Beziehungsängste "der brückenangst im einzelfall", verusacht durch eine problematische Kindheit "erwachsen aus der mutter korn".
Klar, dass romantische Nachtigall-Widerhalle dann obsolet sind...

Sehr gerne gelesen! A

Gerda

Beitragvon Gerda » 21.05.2012, 10:35

Verstecken ist aktiviert
Um diesen versteckten Text lesen zu können, mußt du registriert und angemeldet sein.

Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 21.05.2012, 19:05

Hallo und danke für eure Kommentare! Ich war wirklich sehr gespannt, wie diese Villanella à la Pastior aufgenommen würde (und bin es noch, vielleicht äußern sich ja noch andere ...).

Deine Interpretation, liebe/r Anonymus, ist so ziemlich die Originellste, die ich ja für ein Gedicht erhalten habe! In der Tat, man könnte das da hineinlesen, könnte wirklich Metaphern für eine Beziehungsgeschichte herausspüren, weil ja die Nachtigall schon per se bei uns romantische Assoziationen hervorruft und es unzählige Referenzen in der Literatur dafür gibt. Allerdings hatte ich an so etwas überhaupt nicht gedacht.

Ganz ohne Gefühl ist das Stück aber doch nicht geschrieben, liebe Gerda, es waren schon Wut und auch Resignation im Spiel.
Es bleibt kein Raum für Romantik oder Gefühle
, schreibst du. Dass Lyrik als etwas romantisch Gefühlvolles herüberkommen soll, davon bin ich schon lange ab, dies ist ein viel zu eingeschränktes Bild, das viele von Lyrik haben.

Die Sache mit dem Zeigestock und dem allwissenden Autor musst du mir allerdings mal näher erklären. Was soll den deiner Meinung nach gezeigt werden, was weiß der Autor, was der Leser noch nicht weiß?

Viele Grüße
fenestra

Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 22.05.2012, 20:19

Habe gerade gesehen, dass man den Anonymus-Account eigentlich nicht zum Kommentieren benutzen soll .... bist du das, Carl? ;)

Wie kann man überhaupt mit dem Anonymus-Account aus dem Anonymus-Bereich raus?

Benutzeravatar
leonie
Beiträge: 8896
Registriert: 18.04.2006
Geschlecht:

Beitragvon leonie » 22.05.2012, 20:45

o.T.:

fenestra hat geschrieben:
Wie kann man überhaupt mit dem Anonymus-Account aus dem Anonymus-Bereich raus?



Jetzt gar nicht mehr... :-) , liebe fenestra...

Liebe Grüße

leonie

Gerda

Beitragvon Gerda » 23.05.2012, 08:55

Liebe fenestra,

ich habe geschrieben, dass Gedichte für mich nicht zwangsläufig romantisch sein müssen.
Aber hier ist es für mich, der harte Klang einzelner Worte - in dieser Kombination "Dezibel" klingt auch "Nachtigall" nicht mehr weich - der mich sagen lässt, knackig, ja, berührend nein. Ist ja nur mein subjektiver Geschmack.
Im Grunde hast du damit ein Klischee gebrochen, was wiederum positiv ist.

Ja und der Zeigestock kommt mir wohl deshalb in den Sinn, weil es eben gleichsam eine moderne in sich stimmige Vilanelle ist (In positiven Sinn: Schaut her, so geht die alte Form in der Gegenwartspoesie auf), die auf mich trotz hervorstechender Qualität ein wenig als ein Lehrstück wirkt.

Liebe Grüße
Gerda

Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 23.05.2012, 19:05

Liebe Gerda,

die Ernüchterung der Stimmung, die man ja eigentlich gern romantisch hätte, durch das Wort decibel ist natürlich so gewollt.

Wenn das Ganze als Lehrstück taugen würde, wärs ja nicht das schlechteste. Vielleicht wirkt es auch deswegen hier so, weil in diesem Forum wirklich wenig formal gearbeitet wird - was ich übrigens immer wieder bedaure.

Mir selbst fließt der Text allerdings auch noch etwas zu glatt. Oskar Pastior hat in seine Villanellen Assonanzen eingebaut und die Metrik oft nicht ganz so stringent durchgezogen. Aber hier floss das fast von selbst so gleichmäßig. Die Nachtigall singt ja auch sehr rhythmisch mit fast gleich langen Pausen, mich fasziniert das immer wieder. Ich habe nun mal versucht, die Strophen anders umzubrechen, um den Text etwas zu entschleunigen und die Villanelle quasi zu verbergen. Das sieht dann so aus:


Verstecken ist aktiviert
Um diesen versteckten Text lesen zu können, mußt du registriert und angemeldet sein.


Danke für deine Auseinandersetzung und viele Grüße
fenestra

Gerda

Beitragvon Gerda » 24.05.2012, 16:08

Das schaue ich mir nochmal in Ruhe an, beim ersten Lesen, für mich die bessere Variante.
(Ornithologische Frage: Singen Nachtigallen eigentlich Nachmittags?)

Liebe Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 31.05.2012, 00:37

Liebe fenestra,

hier nochmal die Bestätigung für die zweite Version, bzw. Setzung, jedenfalls nach meinem Geschmack.
Es fließt melodischer, tanzender in dieser Setzung.

Liebe Grüße
Gerda

Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 31.05.2012, 21:06

Liebe Gerda,

danke, dass du nochmal vorbeischaust! Ja, mir gefällt die zweite Version auch besser, weil man sich in den Villanella-Rhythmus erst einmal hinein tasten muss. Auch vom Schluss her finde ich es runder.

Nun noch - für alle, die es interessiert - ein paar Worte zur Romantik in diesem Text:

Die Verse entstanden nach einem Spaziergang im "Versener Paradies", das ist ein überregional bekanntes Naturschutzgebiet im Emsland. Schaut mal hier, wenn ihr mögt, unten könnt ihr eine Bildergalerie sehen:

http://www.borkener-paradies.de/b%C3%A4 ... ronzeugen/

Das Gebiet hat eine sehr hohe Nachtigallendichte, vielleicht die höchste überhaupt hier in Nordwestdeutschland. Es gibt über 30 Nachtigallenreviere und von nahezu allen Punkten hört man immer mindestens 3 Nachtigallen! Es ist wirklich ein Naturereignis, dort im Mai. Was man auch hört: Die Nordumgehungsstraße. Es ist die Europastraße 233, die nach dem Willen der Planer nun weiter zur Autobahn ausgebaut werden soll. Jetzt bereits rollen die LKWs - der transeuropäische Güterverkehr - dort den ganzen Tag und die ganze Nacht vorbei, dabei klackert es pausenlos über die riesigen Brücken, die die Ems und die alten Emsarme überspannen. Und dieser Eindruck ist in den Text eingeflossen.

Gerda

Beitragvon Gerda » 01.06.2012, 10:53

Vielen Dank für die interessanten Erläuterungen und den nicht weniger interessanten Link.

Herzlich
Gerda


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 16 Gäste