es tanzt

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 29.05.2012, 22:33

Verstecken ist aktiviert
Um diesen versteckten Text lesen zu können, mußt du registriert und angemeldet sein.
Zuletzt geändert von fenestra am 30.03.2014, 21:45, insgesamt 1-mal geändert.

Gerda

Beitragvon Gerda » 31.05.2012, 00:31

Liebe fenestra,

auch wenn ich bisher erst zaghafte Lese-Schritte wagte und über vage "Zu"mutungen noch nicht hinausgekommen bin, möchte ich schreiben, dass mich dieser Text anspricht und neugierig macht ihn zu erkunden.
Genügt es, dass "es" tanzt? Aber vielleicht ist die Frage falsch gestellt, wenn ich nach dem "es" frage, ohne, dass ich dich bitte, konkret zu werden oder "aufzulösen".
Die vier Zeilen rechts außen, sind mir schon näher gerückt.
Wie aber jede Strophe mit allem und alles zusammenhängt ... muss ich noch erfahren.
Sehr interesant!

Liebe Grüße
Gerda

Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 31.05.2012, 21:18

Liebe Gerda,

es ist schön, dass du mir ein erstes Feedback gibst. Dieser Text entstand auf besondere Weise, deshalb steht er hier im Experimentellen. Auch allen anderen Leser, die vielleicht noch etwas ratlos sind, möchte ich sagen, dass es keine direkte Botschaft zu entschlüsseln gibt. Der Text soll auf andere Weise funktionnieren, Neues eröffnen, für jeden Leser vielleicht sogar etwas anderes. Der Titel ist Programm, lasst die Gedanken tanzen!

Daher würde ich mich freuen, wenn du und auch andere einfach ihre Assoziationen wiedergeben würden. Das kann natürlich auch heißen: "sagt mir nichts". Ich taste mich noch an die neue Methode heran und eure Eindrücke können dabei sehr hilfreich sein.

Viele Grüße
fenestra

Gerda

Beitragvon Gerda » 01.06.2012, 10:52

Liebe fenestra,

ich hoffe sehr, dass sich andere Saloner mit ihren Eindrücken melden.
Mir ist schon klar, dass ich nicht erwarten kann in diesem Gedicht eine Aussage festzumachen.
Es ist aber interessant , wie mich einzelne Teststellen anregen und etwas mit mir machen, so beispielsweise heute

nur noch sage ist
die arbeit einer quelle
vor neid und sonne
geisten kraut und himmel


Ich muss an etwas Reales, nämlich den sog. "Nieder-Eschbacher Sprudel" hier in der Nähe im Pfingstwäldchens denken, der versiegt ist. Murmelnd dazu bewegt sich der Bach am Rande dieses Waldes durchs Tal.
Ich assoziiere ein Naturbild, was sich ständig verändert, durch Schatten; Licht, Wasser und Geräusche, was dadurch sehr unbestimmt in meinem Kopf tanzt ... (Es tanzt ... das genügt) ... ;-) Aber vielleicht auch ein Insekt oder einen Fisch, vom Menschen beobchtet ... Keine wirkliche Idylle, denn das murmelnde Wasser zergliedert Freude, auch gibt es Unfassbares und Berechnung, Kopflosigkeit ...
Die folgenden Zeilen in Verbindung mit den genannten Zahlen lese ich wie ein Orakel

der lohn auf abgelegtem buch


die blanke irrt
ragt kopflos
die falsche
hebt sich fort
zur materie zurück


Es beibt ein diffuser Eindruck, im Text finde ich keine Hilfestellung , ich muss mir selbst die Orientierung schaffen, eine Art Netz vielleicht, das dieses und jenes miteinander verbindet oder auch trennt... Das ist schwer, auch für geübte Lyrikleser.
(Dieses (zunächst) orientierungslose Schwimmen hatte ich auch bei einer Reihe von Texten im Magazin der Europäischen Kulturstiftung)

Meine GeRdanken für heute mit lieben Grüßen

Benutzeravatar
fenestra
Beiträge: 1369
Registriert: 21.06.2009
Geschlecht:

Beitragvon fenestra » 03.06.2012, 12:53

Liebe Gerda,

deine Annäherungsweise an diesen Text finde ich sehr feinsinnig. Schon, dass du diese Klammer aus dem Text herausliest:
Es tanzt ... das genügt


Mir war das gar nicht so bewusst, aber ja, das ist Programm. Und ich finde es schön, dass du an diese versiegte Quelle denken musst. Das Wasser ist ja noch da, aber es fließt woanders, auf andere Weise. Und irgendwie ist es auch dasselbe Wasser, nach einigen Umwegen, immer wieder. Und genau so ist es mit diesem Text. Der Text besteht aus Quelltexten, die aber nicht mehr auffindbar sind. Sie sind zerstört, etwas Neues ist aus den Bestandteilen entstanden, aber was? Wenn du an ein Insekt denkst und an ein Netz, hast du übrigens wieder zwei Motiven aus den Quelltexten nachgespürt.

Du schreibst, du findest keine Hilfestellung für weitere Ausdeutungen. Nun, es gibt keine Hilfestellung, weil der Text eben als non-intentionaler Text keine Botschaft im sonst üblichen Sinne hat. Gerwalt Brandl, ein experimenteller Autor aus Wien, den ich aus einem anderen Forum kenne, schreibt in einem Aufsatz: "Was bedeutet ein Baum?- Ein Baum kann angeschaut, sein Anblick kann genossen werden, wir fühlen vielleicht eine undefinierbare Übereinstimmung, wenn wir in Kontakt treten, aber wir können nicht sagen, was er bedeutet. Er bedeutet nichts, sondern er IST. ... Wir schreiben nicht über Verhältnisse und Dinge. Wir schreiben über unser Motiv, die Welt verstehen zu wollen.... Sprache als Reaktion auf und nicht als Beschreibung von Welt ist ein Befreiungsakt."

Das ist erstmal verrückt und ungewohnt, aber dieses Gefühl der Befreiung habe ich bei solchen Textmontagen durchaus schon empfunden.

Noch was zum Thema Quelle, auch an Carl oder Anonymus und andere Interessierte: Es gibt ein paar Worte von Theodor Storm in diesem Text. Und auch ein Goethe-Zitat ...

Viele Grüße
fenestra


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 14 Gäste