Nach der Beerdigung

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.05.2012, 00:02

Nach der Beerdigung

Mein schwarzes Kleid möchte ich abreißen,
dafür Farbe anlegen wie einen Nebel
fein gewirkter Gedanken:
Das Leben ist kostbar.

Herby

Beitragvon Herby » 05.05.2012, 01:01

Nun streune ich hier mal wieder schlaflos durch den Salon und mir begegnet dein Gedicht, das mir eine Situation zeigt, die mir leider nur allzu sehr bekannt ist. Erleichtert registriere ich jedoch, dass du den sog. Leichenschmaus auslässt ;-) (dieses event finde ich ganz furchtbar, da krieg ich selten einen Bissen runter, zumindest nicht mit Geschmack oder gar mit Genuss). Schön auch der Kontrast zwischen dem schwarzen Kleid und der Farbe, die doch nicht mehr als ein Nebel bleibt über positiven Gedanken bleibt.

Schade nur, dass diese im letzten Vers ("Das Leben ist kostbar") in Worte gekleidet werden, die ich vom Wortlaut und ihrer Aussage her als platt empfinde (das lese ich auch auf Kalendern oder als Sinnspruch in religiös angehauchten Blättern). Der letzte Vers zerstört für mich viel von deinem Text; er würde m.E. gewinnen, wenn du den Schluss offen ließest.

Liebe Grüße,
Herby

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.05.2012, 08:57

Lach, Herby - hatte ich auch überlegt, aber drei Zeilen wären mir hier doch zu wenig, daher habe ich diese Version erstmal genommen. Vielleicht gibt es ja einen alternativen Vorschlag für die letzte Zeile ...

Mucki
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Beitragvon Mucki » 05.05.2012, 11:46

Hallo Amanita,

ja, diese Schlusszeile ist zu trivial. Wie wäre es, wenn du einfach nur ein Wort stattdessen nähmest:
leben

Damit ist eigentlich alles gesagt, hm?

Liebe Grüße
Gabi

Niko

Beitragvon Niko » 05.05.2012, 12:24

"fein gewirkte gedanken" - das hat für mich ganz subjektiv so etwas pseudoelitäres. ist sicher eine ungerechte einschätzung.
auch wenn es im grunde nicht relevant ist, so spielt es mir doch eine rolle: was für eine beerdigung? ein naher verwandter? oder vielleicht nur die kollegin einer freundin? 99 jahre? 17 jahre?
tod ist immer schmerz, weil es an die eigene endlichkeit erinnert. mit zunehmendem alter immer mehr und dringlicher. aber auch der schmerz, die trauer kennt unterschiede.
ich komme auch mit der aussage nicht ganz klar. mag sein, dass ich nicht lyrisch geöffnet bin an diesem verregneten samstag morgen. ist es ein gedicht, wo man fliehen möchte vor diesem thema, oder ein bewusstmachungsgedicht. ich hab zuviele fragen um den text einfach nur genießen zu können...

liebe grüße: niko

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.05.2012, 12:34

Danke, Gabriella, kommt in die engere Auswahl.

Niko, "pseudoelitär" tut mir jetzt wirklich - fast - weh :). Ich wollte mal einen anderen Aspekt des (endgültigen) Abschieds aufzeigen, die Hinwendung zum Leben (solange es noch geht - von daher, Niko, treffen sich unsere "Endlichkeits-"Gedanken). Trauer war mal nicht das (primäre) Thema.

Niko

Beitragvon Niko » 05.05.2012, 12:43

das pseudoelitär etwas ist, was mit dir nichts zu tun hat, amanita, das weiß ich doch. generell haben so spezielle worte bei mir einen pseudoelitären anstrich. das ist wohl etwas, was ganz alleine an meiner subjektiven betrachtung liegt und schon ein wenig schlubladendenken ist. geb ich (un)gerne zu. dazu zählen auch worte wie gewölk, mäandern beispielsweise.
nimm´s blos nicht auch nur ansatzweise persönlich!
hinwendung zum leben - ein guter gedanke. ich finde diese schwarztragerei ohnehin ätzend. früher musste dann eine witwe 6 wochen, in diversen regionen ein jahr lang (eben bis zum 6-wochen-amt oder bis zum jahrgedächtnis) in schwarz herumlaufen. das war noch in den 70ern so. da standen auch noch große holzkreuze neben der haustüre der trauernden familie bis nach der bestattung.
ich bevorzuge weiß bis bunt bei der beerdigung, klatschen beim runterlassen des sarges, und wenn schon leichenschmaus, dann in form einer ausgelassenen fröhleichen party!

liebe grüße: niko

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Beitragvon allerleirauh » 05.05.2012, 16:54

hallo amanita,

mir gefällt der text so, wie er ist. ich kann die gedanken gut nachvollziehen und würde nichts ändern.

a.
ich

Jürgen

Beitragvon Jürgen » 06.05.2012, 11:37

Hallo Amanita,

mir hat der Text auch gefallen. Aber auch bei mir als Leser wirkte die letzte Zeile zu direkt.

Schöne Grüße

Jürgen

pjesma

Beitragvon pjesma » 06.05.2012, 15:40

hallo amanita
die letzte zeile....hm, mindstorming: sich mit dem leben umhülen, sich dem leben ergeben, sich mit dem leben von todesgedanken schützen, das schwarze ausradieren, verneinen, verleugnen, auf irgendwann später verschieben--->so in der richtung, aber natürlich schöner ;-)
farbe ANLEGEN ist sehr fein!

und wegen pseudo mach dir kein kopf (ich kenn das auch, niko), das haben wir alle, eine unbegrundete abneigung gegen manche wörter, dafür kann der schreibender nicht--bei mir sinds firmament und sehnsucht die rote tücher ;-)
lg!

moonlight

Beitragvon moonlight » 06.05.2012, 16:41

Ich trug es vor Kurzem.

LG
Moonlight

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Beitragvon Amanita » 06.05.2012, 17:50

Vielen Dank an alle, die sich Gedanken um meine letzte Zeile (und mehr) gemacht haben - ich überlege derweil noch.

Ein Lyrik-Abschreckungswort für mich, das mir spontan einfällt, ist unendlich. :mrgreen: Und es gibt noch ein paar mehr. Aber: Ist es letztlich nicht der Kontext, der auch das erschröcklichste Wort auf eine anspruchsvolle Ebene hieven kann und damit - logisch - auch wieder neu und interessant erscheinen lässt?

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Beitragvon Amanita » 06.05.2012, 17:52

Liebe moonlight, das ist es leider nicht, was ich sagen will. Ich brauche ganz schlicht einen Kontrapunkt zum Beerdigungsschwarz - die Farben habe ich, und nun brauche ich noch was "Lebendiges".


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