abgeschrieben

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 07.02.2012, 23:00




abgeschrieben


dazu kommt noch
das knistern von papier
nach einem verworfenen gedicht
jedes wort ist überflüssig
wenn man das subjekt verschweigt

ich mache den punkt vor satz
und aus
sage niemals
was zwischen kommata gehört

das papier bleibt angeschwärzt
und knistert schon in meinem ohr
bevor es knistert
gebe ich das heft aus der hand


.
Zuletzt geändert von Niko am 05.03.2012, 13:37, insgesamt 1-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.02.2012, 13:07

Hi Niko,

das Thema, das du hier aufgreifst, gefällt mir, doch die Umsetzung, hm ... Es sind mir zu viele Wortspiele drin.
"aus sage" --> Aussage, "vor satz" --> Vorsatz. Es liest sich für mich zu künstlich, da verdreht, um der Wortspiele wegen.
Z.B. "ich mache den punkt vor satz" oder "und aus sage niemals"
Auch kommt mir das Wort "knistert" zu oft vor. Dabei ist der Inhalt richtig gut.
Ich würde hier kürzen:

abgeschrieben

dazu kommt noch
das knistern von papier
nach einem verworfenen gedicht

jedes wort ist überflüssig
wenn man das subjekt verschweigt
den punkt vor den satz setzt
nie sagt was zwischen kommata gehört

das papier bleibt angeschwärzt


Das wäre meine Idee.

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 11.02.2012, 09:37

Lieber Niko,

ich habe bei diesem Gedicht den Eindruck, als seien dir die Zeilen durcheinandergeraten und müssten in die "richtige" Reihenfolge gebracht werden.

Der Titel: "Abgeschrieben", kann natürlich in mancher Hinsicht gedeutet weren, hat für mich aber nur wenig mit dem folgenden Inhalt zu tun. Als Erstes musste ich ich an die Schule und an Klassenarbeiten denken.

Ganz sicher bin ich nur, dass es ums Schreiben geht und um Verwürfe.

"Dazu kommt das Knistern von Papier", gleich zu Beginn. Zu was, 'dazu' (hinzu) kommt es? Zum Abschreiben?
Was war davor?

"Das Heft aus der Hand geben" steht für mich am Ende des Textes deplatziert.
Wenn jemand das Heft aus der Hand gibt, sollte das geflügelte Wort gemeint sein, dann überlässt derjenige die Entscheidungsgewalt über eine Sache jemand anderem. Wer soll die Verantwortung (für das (eigene) Schreiben) tragen?

Liebe Grüße
Gerda
Zuletzt geändert von Gerda am 11.02.2012, 12:20, insgesamt 1-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 11.02.2012, 10:34

Hi Niko,

jetzt, da ich dein Gedicht noch einmal lese, kommt mir noch ein Gedanke:

Könntest du vielleicht einen anderen Prozess meinen?

LI stellt für sich fest, dass es eigentlich immer nur noch seine eigenen Texte abschreibt, im Sinne von: wiederholt und nie ausdrückt, was LI eigentlich wirklich schreiben will, nie zum Punkt kommt. Und deshalb das Papier wegschmeißt (gebe das Heft aus der Hand), weil LI weiß, dass es nie zufrieden sein wird und alles Begonnene zerknüllen wird?
Sprich: Strophe 1 und 2 sind ein gedanklicher Prozess des LI. Und bevor das alles passiert, schmeißt LI lieber gleich das Papier weg?

Liebe Grüße
Gabi

Niko

Beitragvon Niko » 11.02.2012, 16:35

hallo ihr beiden,

danke für eure kommentare und eure gedanken dazu!

durcheinander geraten sind die zeilen grad nicht, gerda, aber die sinnhaftigkeit - zumindest für den einzelnen leser - muss schon geklärt sein.

das gedicht beginnt mit "dazu kommt noch" - das heißt zu dem tatbestand "abgeschrieben" kommt noch etwas hinzu. entweder zu dem zustand, dass sich das lyrich als abgeschrieben empfindet, oder der tatsache des abschreibens im wörtlichen sinne...
insofern ist der titel also zunächst mal raus aus der nummer und spielt wohl nur noch eine "kontext-rolle", die aber nicht die übliche gewichtigkeit eines titels hat. - so finde ich.

das knistern von papier
nach einem verworfenen gedicht
jedes wort ist überflüssig
wenn man das subjekt verschweigt


hier geht es nicht nur um´s schreiben. weisen die beiden ersten zeilen noch eindeutig in diese richtung, zeigen die beiden folgenden auch in die richtung, dass alles reden überflüssig ist, wenn man den kern, das subjekt, verschweigt. ein subjekt kann hier rein grammatikalisch gesehen werden, aber auch im übertragenen sprachgebrauch.

ich mache den punkt vor satz
und aus sage niemals
was zwischen kommata gehört


zunächst hatte ich überlegt, hinter "und aus" einen zeilensprung zu setzen. habe aus sorge mus verlorengehen von "aus-sage das ganze wieder verworfen. und nun sieht man leider das "und aus" nicht mehr separiert. sollte ich vielleicht doch einen zeilenbruch setzen?
diese strofe ist für mich die wende. die konsequenz aus der ersten strofe. lyrich sagt niemals, was zwischen kommata gehört. beschränkt sich jetzt also auf das wesentliche.

das papier bleibt angeschwärzt
und knistert schon in meinem ohr
bevor es knistert
gebe ich das heft aus der hand


aber es entsteht soetwas wie die selbsterfüllende prophezeihung. trotz der wende kommt der erwartete effekt: lyrich erwartet förmlich das knistern (von zerknüllendem papier). das zweite knistern ist auch im sinne von spannend werden, aufbauende spannung (zb. zwischen zwei menschen "knistert" es). und noch bevor die spannung sich aufbaut, resigniert lyrich und gibt sich selbst, das heft, aus der hand. über die beweggründe steht nichts da. angst vor zuviel zulassen? nicht nachdenken wollen? - man weiß es nicht. - das mag der leser entscheiden!

ich hoffe, meine erklärungen nützen euch irgendwie...

liebe grüße: niko

scarlett

Beitragvon scarlett » 11.02.2012, 18:59

ich habe deine gedicht auch ohne deine detaillierten erklärungen in etwa so gelesen, niko, und es gefiel mir sehr gut.

eine kleinigkeit würde ich - wär es mein text - ändern: zu beginn statt "dazu kommt" - hinzu kommt.
du hättest damit eine schöne hinführung auf vokalebene auf das knIstern und das papIer und schließlich zum gedIcht.

gefällt mir sehr!

scarlett

Gerda

Beitragvon Gerda » 13.02.2012, 23:20

Lieber Niko,

danke für deine ausführkliche Rückmeldung. Ich sehe nur ziemlich klar vor mir, was du ausdrücken möchtest, fürchte aber, der Text will mich einfach nicht genug ansprechen. Vielleicht kein Text für mich, er wirkt auf mich inhaltlich etwas hölzern oder zu theoretisch. (Kann aber auch sein, dass es an meiner momentanen Verfassung liegt).

Liebe Grüße
Gerda

Mucki
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Beitragvon Mucki » 13.02.2012, 23:29

Hi Niko,
Niko hat geschrieben:ich mache den punkt vor satz
und aus sage niemals
was zwischen kommata gehört


zunächst hatte ich überlegt, hinter "und aus" einen zeilensprung zu setzen. habe aus sorge mus verlorengehen von "aus-sage das ganze wieder verworfen. und nun sieht man leider das "und aus" nicht mehr separiert. sollte ich vielleicht doch einen zeilenbruch setzen?

Ja, ich würde den Zeilenbruch dort setzen. Macht Sinn für mich.
Ansonsten ist es mit deiner Erklärung für mich jetzt klar. Ich muss aber zugeben, dass ich es ohne deine Erklärung anders verstanden hätte (s. meine Kommentare).

Liebe Grüße
Gabi

Niko

Beitragvon Niko » 05.03.2012, 13:36

verschiedene lesarten finde ich ja im grunde gut!
es freut mich, dass der inhalt klar(er) wird. auch wenn er den ein oder anderen nicht erreicht. den zeilensprung mach ich jetzt, gabriella!

liebe grüße: niko


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