Nachmittagsspaziergang
Sie reckte sich hoch über mir am Hang,
die Haut umspannte makellos das Fleisch,
die tiefe Sonne schickte Gold entlang
der Silhouette, dem Oktober gleich.
Ich war verloren, mit der schönen Frau
entstand ein Bild wie aus der eignen Welt,
doch grün. Sie stand so stolz, am Unterbau
ein dünner Rock, der auf die Erde fällt.
O wäre ich ein Buch, du wärst die Buche!
Nur du allein der Traum, den ich begehrte!
Mein Sehnen schwoll zu einem Zauber an.
So wurde ich zum Buch, vor mir die Buche -
sie sah mich nicht. Der Schoß, der sich entleerte,
blieb hart. Ein Buch für sie ein Scharlatan.
Nachmittagsspaziergang
-
Gerda
Ein sehr stimmungsvolles, 'etwas anderes Herbstsonett' ist dir gelungen, liebe Jelena.
Erst nachdem ich das Sonett zu Ende gelesen hatte, verstand ich weshalb du es unter Humor/Satire gepostet hast. (Ginge auch unter Lyrik & Kultur ...)
Ich sehe das bewegte Bild vor mir. Dir gelingt trotz Herbstmelancholie (-romantik) in der Schlussfolgerung die ironische Wendung, auf etwas sehr Reales hin, nämlich die Verbindung vom (Buchen)holz zum Papier in Büchern, was der Buche ganz und gar nicht Recht sein kann.
Hier brichst du gekonnt die gängige Vorstellung und schaffst etwas sehr Eigenes.
Interessant gerade in der Verbindung mit der "alten" Form. Sehr gern gelesen.
Zwei Kleinigkeiten:
Charlatan würde ich in der deutschen Version benutzen: Scharlatan.
Strophe 2 Vers 1: Für "getroffen" würde ich nach einem anderen Verb suchen.
(z. B. ergriffen, bezaubert, verzaubert, wenn ich es in diesem Sinn richtig gelesen habe)
Liebe Grüße
Gerda
Erst nachdem ich das Sonett zu Ende gelesen hatte, verstand ich weshalb du es unter Humor/Satire gepostet hast. (Ginge auch unter Lyrik & Kultur ...)
Ich sehe das bewegte Bild vor mir. Dir gelingt trotz Herbstmelancholie (-romantik) in der Schlussfolgerung die ironische Wendung, auf etwas sehr Reales hin, nämlich die Verbindung vom (Buchen)holz zum Papier in Büchern, was der Buche ganz und gar nicht Recht sein kann.
Hier brichst du gekonnt die gängige Vorstellung und schaffst etwas sehr Eigenes.
Interessant gerade in der Verbindung mit der "alten" Form. Sehr gern gelesen.
Zwei Kleinigkeiten:
Charlatan würde ich in der deutschen Version benutzen: Scharlatan.
Strophe 2 Vers 1: Für "getroffen" würde ich nach einem anderen Verb suchen.
(z. B. ergriffen, bezaubert, verzaubert, wenn ich es in diesem Sinn richtig gelesen habe)
Liebe Grüße
Gerda
Hallo Jelena,
schön. Obwohl ich micht frage, ob man es nicht auch, statt in der Vergangenheit, in der Gegenwart spielen lassen könnte? Mir fallen V9 / V10 so etwas raus. Du hast unter die Fünfheber auch zwei Sechsheber gemischt - war das Absicht?
Ferdigruß!
schön. Obwohl ich micht frage, ob man es nicht auch, statt in der Vergangenheit, in der Gegenwart spielen lassen könnte? Mir fallen V9 / V10 so etwas raus. Du hast unter die Fünfheber auch zwei Sechsheber gemischt - war das Absicht?
Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
-
Jelena
Liebe Gerda,
ja, ich habe das Wort "getroffen" ausgetauscht. Tatsächlich hatte es mich auch gestört. Du hast meine Schweinehund getreten. Danke dafür.
Schön übrigens, dass dir diese Verbindung von menschlicher Sehnsucht mit unschuldigen Verlockungen der Natur gefällt. Ich habe das Gedicht gestern Abend in die Tasten gehämmert, weil ich mich so geärgert hatte, ohne Fotoapparat spazieren gewesen zu sein. Heute war ich eingeladen, konnte das Bild also auch nicht nachholen. Morgen wird die Sonne nicht mehr scheinen, die mattgrüne Laubfarbe wird in wenigen Tagen vorbei sein. Was blieb mir also, außer zu dichten?
(Diese Buche war schon sehr besonders. Sie trug ihre Krone auf einen geschwungenen Stamm und hatte "um ihre Beine herum" nochmal ein "Röckchen" aus schwebenden Zweigen aus dem Niedergang geweihtem herbstlichen Grün. Ja, auf dem Heimweg entstand dann die Idee zum Gedicht.)
Lieber Ferdi,
habe die metrischen Fehler behoben. Da ich das Gedicht im Rückblick geschrieben habe und die Metrik mitschwimmt - ich weiß, dass ich einmal "fällt" schreibe, was an der Stelle aber wegen des noch anhaltenden Prozesses funktioniert, finde ich - behalte ich die Vergangenheit.
LG, Jelena.
ja, ich habe das Wort "getroffen" ausgetauscht. Tatsächlich hatte es mich auch gestört. Du hast meine Schweinehund getreten. Danke dafür.
Schön übrigens, dass dir diese Verbindung von menschlicher Sehnsucht mit unschuldigen Verlockungen der Natur gefällt. Ich habe das Gedicht gestern Abend in die Tasten gehämmert, weil ich mich so geärgert hatte, ohne Fotoapparat spazieren gewesen zu sein. Heute war ich eingeladen, konnte das Bild also auch nicht nachholen. Morgen wird die Sonne nicht mehr scheinen, die mattgrüne Laubfarbe wird in wenigen Tagen vorbei sein. Was blieb mir also, außer zu dichten?
(Diese Buche war schon sehr besonders. Sie trug ihre Krone auf einen geschwungenen Stamm und hatte "um ihre Beine herum" nochmal ein "Röckchen" aus schwebenden Zweigen aus dem Niedergang geweihtem herbstlichen Grün. Ja, auf dem Heimweg entstand dann die Idee zum Gedicht.)
Lieber Ferdi,
habe die metrischen Fehler behoben. Da ich das Gedicht im Rückblick geschrieben habe und die Metrik mitschwimmt - ich weiß, dass ich einmal "fällt" schreibe, was an der Stelle aber wegen des noch anhaltenden Prozesses funktioniert, finde ich - behalte ich die Vergangenheit.
LG, Jelena.
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