stummes haus
die keller sind bedeckt mit moder
verlorener sätze
stille fratzt aus jedem raum
an den wänden schlieren
nie gesprochener fragen
worte eingesperrt
im speicher des schweigens
sprachlos
Version II
stummes haus
die keller sind bedeckt mit moder
stille fratzt aus jedem raum
und an den wänden schlieren
nie gesprochene fragen
worte eingesperrt im speicher
stummes haus
Huhu Herby,
einen schwermütigen Text hast du da geschrieben. Das Verlorene scheint unauffindbar. Kein Hoffnungsschimmer zeigt sich.
Beim letzten Wort "sprachlos" frage ich mich, ob es evtl. gestrichen werden kann, da schon im "schweigens" enthalten.
Auch wäre m.E. der Nachhall größer, ließest du dieses Wort weg.
Liebe Grüße
Gabi
einen schwermütigen Text hast du da geschrieben. Das Verlorene scheint unauffindbar. Kein Hoffnungsschimmer zeigt sich.
Beim letzten Wort "sprachlos" frage ich mich, ob es evtl. gestrichen werden kann, da schon im "schweigens" enthalten.
Auch wäre m.E. der Nachhall größer, ließest du dieses Wort weg.
Liebe Grüße
Gabi
-
Max
Lieber Herby,
ich mag das Bild des Hauses, das ist im besten Sinne tragfähig,
Ein bisschen weniger glücklich bin ich über die sehr expliziten Interpretationshinweise wie "verlorener Sätze", "nie gesprochener Fragen" oder "sprachlos". Diese deutlichen Hinweise, die die Bildebene verlassen, schränken in meinen Augen den Gültigkeitsbereich des eigentlichen Bildes ein, was schade ist.
Ich weiß noch nicht wie, abeer wenn das skizzenhafter belassen könnte, würde der Text für mich gewinnen.
LIebe Grüße
Max
ich mag das Bild des Hauses, das ist im besten Sinne tragfähig,
Ein bisschen weniger glücklich bin ich über die sehr expliziten Interpretationshinweise wie "verlorener Sätze", "nie gesprochener Fragen" oder "sprachlos". Diese deutlichen Hinweise, die die Bildebene verlassen, schränken in meinen Augen den Gültigkeitsbereich des eigentlichen Bildes ein, was schade ist.
Ich weiß noch nicht wie, abeer wenn das skizzenhafter belassen könnte, würde der Text für mich gewinnen.
LIebe Grüße
Max
Hallo Herby,
da geht es mir wie Max. Wenn ich das lese, habe ich das Gefühl, dass den starken Zeilen und Bildern die Erklärung immer "hinterherklappert", als hättest du sie gefunden, würdest ihnen dann aber nicht wirklich vertrauen, oder zutrauen, dass sie auch tragen können. Damit verlieren sie für mich aber einen Teil ihre Wirkkraft.
Schon der Titel gibt ja die Richtung vor und "Stille" und "Worte" wären für mich deutlich genug "ausgesprochen", darin stecken sowohl die Sätze, als auch die Fragen und das Sprachlose?
Für mich wäre es dann eine verdichtete Version, etwas in diese Richtung:
stummes haus
die keller sind bedeckt mit moder
stille fratzt aus jedem raum
und an den wänden schlieren
worte eingesperrt im speicher
Auch zur Thematik würde für mich das Reduzierte besser passen, als das Ausführende und "Gesprächige"?
Liebe Grüße
Flora
da geht es mir wie Max. Wenn ich das lese, habe ich das Gefühl, dass den starken Zeilen und Bildern die Erklärung immer "hinterherklappert", als hättest du sie gefunden, würdest ihnen dann aber nicht wirklich vertrauen, oder zutrauen, dass sie auch tragen können. Damit verlieren sie für mich aber einen Teil ihre Wirkkraft.
Schon der Titel gibt ja die Richtung vor und "Stille" und "Worte" wären für mich deutlich genug "ausgesprochen", darin stecken sowohl die Sätze, als auch die Fragen und das Sprachlose?
Für mich wäre es dann eine verdichtete Version, etwas in diese Richtung:
stummes haus
die keller sind bedeckt mit moder
stille fratzt aus jedem raum
und an den wänden schlieren
worte eingesperrt im speicher
Auch zur Thematik würde für mich das Reduzierte besser passen, als das Ausführende und "Gesprächige"?
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
Jelena
Herby,
es juckt einem wirklich in den Fingern, das Gedicht zusammenzukürzen. Kann mich da auch nicht zurückhalten, aber jetzt ist mir Flora eigentlich zuvor gekommen...
stummes haus
die keller sind bedeckt mit moder
stille fratzt aus jedem raum
an den wänden schlieren
worte eingesperrt im
speicher des schweigens
LG, Jelena
es juckt einem wirklich in den Fingern, das Gedicht zusammenzukürzen. Kann mich da auch nicht zurückhalten, aber jetzt ist mir Flora eigentlich zuvor gekommen...
stummes haus
die keller sind bedeckt mit moder
stille fratzt aus jedem raum
an den wänden schlieren
worte eingesperrt im
speicher des schweigens
LG, Jelena
Lieber Herby,
mir geht es ein wenig wie meinen Vorrednern mit dem Text. Ich glaube, dass er durch diese kleinen Kürzungen nohch stärker wird und wirkt in seiner Bedrücktheit.
Aber: was ich faszinierend finde: Er widerspricht ja seinem eigenen Inhalt: Hier wurden die Worte wiedergefunden.
Und wie!
Liebe Grüße
leonie
mir geht es ein wenig wie meinen Vorrednern mit dem Text. Ich glaube, dass er durch diese kleinen Kürzungen nohch stärker wird und wirkt in seiner Bedrücktheit.
Aber: was ich faszinierend finde: Er widerspricht ja seinem eigenen Inhalt: Hier wurden die Worte wiedergefunden.
Und wie!
Liebe Grüße
leonie
Hallo Herby!
Jedesmal, wenn ich Deinen Text lese, bleibe ich an der Zeile hängen stille fratzt aus jedem raum. Diese Stelle finde ich einerseits sehr gut, andererseits ist es für mich aber ein Riesenwiderspruch zum Titel.
Stille fratzt - da schreit für mich was (auch wenn es die Stille ist, die schreit), somit ist da nichts - mehr - stumm.
Ferner las ich in Deiner Version immer schlieren als Verb, da musste ich die Grammatik erstmal sortieren - fände ich aber gar nicht schlecht, wenn da was schliert. "an den wänden schlieren/ nie gesprochene Fragen".
Die letzten drei Zeilen sind zwar kein Widerspruch zum Titel, aber sie sind mir nach der Power der vorangehenden zu "blutleer". Schweigen und sprachlos schwächen einander ab, so ähnlich wurde das ja auch schon bemerkt. "Speicher des Schweigens" finde ich sehr gekonnt, aber leider geht das unter zwischen eingesperrt und sprachlos, die sich durch ihre Absolutheit dermaßen "vordrängen". Schade. Vielleicht könnte man "eingesperrt" ersetzen?
Jedesmal, wenn ich Deinen Text lese, bleibe ich an der Zeile hängen stille fratzt aus jedem raum. Diese Stelle finde ich einerseits sehr gut, andererseits ist es für mich aber ein Riesenwiderspruch zum Titel.
Stille fratzt - da schreit für mich was (auch wenn es die Stille ist, die schreit), somit ist da nichts - mehr - stumm.
Ferner las ich in Deiner Version immer schlieren als Verb, da musste ich die Grammatik erstmal sortieren - fände ich aber gar nicht schlecht, wenn da was schliert. "an den wänden schlieren/ nie gesprochene Fragen".
Die letzten drei Zeilen sind zwar kein Widerspruch zum Titel, aber sie sind mir nach der Power der vorangehenden zu "blutleer". Schweigen und sprachlos schwächen einander ab, so ähnlich wurde das ja auch schon bemerkt. "Speicher des Schweigens" finde ich sehr gekonnt, aber leider geht das unter zwischen eingesperrt und sprachlos, die sich durch ihre Absolutheit dermaßen "vordrängen". Schade. Vielleicht könnte man "eingesperrt" ersetzen?
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Herby
Liebe Gabi, leo, Flora, jelena und Anamita, lieber Max,
habt herzlichen Dank für die Beschäftigung mit meinem Text. Allen euren Rückmeldungen gemeinsam ist der Vorschlag der Kürzung bzw. Verdichtung, womit ich irgendwie gerechnet hatte. Ich bin überrascht über die Divergenz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung. Flora, du bringst es auf den Punkt, wenn du schreibst:
"(...)als hättest du sie gefunden, würdest ihnen dann aber nicht wirklich vertrauen, oder zutrauen, dass sie auch tragen können."
Ich war nämlich tatsächlich der Auffassung, es bedürfte der betreffenden Textstellen.
Amanita, du sprichst die Fratze an – da scheinen wir unterschiedliche Vorstellungen des Begriffes zu haben; nach meinem Verständnis ist sie jedenfalls nicht mit Geräusch verbunden. Was die Schlieren betrifft (Verb oder Nomen), so hatte ich mir das, was du anführst, auch schon überlegt. Mit einem Verb kann ich ebenso gut leben, ich hab das in der überarbeiteten Version abgeändert.
Liebe leo, ich danke dir sehr für das "Und wie!", aber ich selbst habe das Gefühl, als hätte ich noch nie zuvor ein Gedicht geschrieben. Aber egal, vielleicht ist es ja wieder ein Anfang
Ich setze jetzt die neue Version oben mal dazu; mal sehen, was sie mit mir macht.
Nochmals lieben Dank fürs Befassen und einen guten Start in die neue Woche.
Herzlichst,
Herby
habt herzlichen Dank für die Beschäftigung mit meinem Text. Allen euren Rückmeldungen gemeinsam ist der Vorschlag der Kürzung bzw. Verdichtung, womit ich irgendwie gerechnet hatte. Ich bin überrascht über die Divergenz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung. Flora, du bringst es auf den Punkt, wenn du schreibst:
"(...)als hättest du sie gefunden, würdest ihnen dann aber nicht wirklich vertrauen, oder zutrauen, dass sie auch tragen können."
Ich war nämlich tatsächlich der Auffassung, es bedürfte der betreffenden Textstellen.
Amanita, du sprichst die Fratze an – da scheinen wir unterschiedliche Vorstellungen des Begriffes zu haben; nach meinem Verständnis ist sie jedenfalls nicht mit Geräusch verbunden. Was die Schlieren betrifft (Verb oder Nomen), so hatte ich mir das, was du anführst, auch schon überlegt. Mit einem Verb kann ich ebenso gut leben, ich hab das in der überarbeiteten Version abgeändert.
Liebe leo, ich danke dir sehr für das "Und wie!", aber ich selbst habe das Gefühl, als hätte ich noch nie zuvor ein Gedicht geschrieben. Aber egal, vielleicht ist es ja wieder ein Anfang
Ich setze jetzt die neue Version oben mal dazu; mal sehen, was sie mit mir macht.
Nochmals lieben Dank fürs Befassen und einen guten Start in die neue Woche.
Herzlichst,
Herby
Hallo Herby,
die 2. Fassung finde ich gut mit dem aktiveren "schlieren"
Doch in diesem Teil würde ich es so lassen:
worte eingesperrt im
speicher des schweigens
Nur das "Worte eingesperrt im Speicher" hängt für mich ein bisschen in der Luft.
Liebe Grüße
Gabi
die 2. Fassung finde ich gut mit dem aktiveren "schlieren"
Doch in diesem Teil würde ich es so lassen:
worte eingesperrt im
speicher des schweigens
Nur das "Worte eingesperrt im Speicher" hängt für mich ein bisschen in der Luft.
Liebe Grüße
Gabi
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