Was Wirklichkeit ist

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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leonie
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Beitragvon leonie » 06.09.2011, 14:38

Was Wirklichkeit ist

Der Mond sitzt im Sessel
und guckt so schief
mit seinem halben Gesicht.

Ändert der Zug die Richtung,
geht er aufs Klo.

Oldy

Beitragvon Oldy » 06.09.2011, 15:57

Hallo Leonie,

manchmal kann ich dir nicht folgen. So wie hier.
Hier enstehen bei mir verschiedene Bilder, die ich nicht in Einklang bringen kann.
Ich komme nicht dahinter.

lg
Uwe
Zuletzt geändert von Oldy am 06.09.2011, 21:11, insgesamt 1-mal geändert.

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leonie
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Beitragvon leonie » 06.09.2011, 16:48

Lieber Oldy,

danke Dir für die schnelle Rückmeldung. Ich hatte schon befürchtet, dass es hier schwer ist zu folgen...Ich warte nochmal, wie es anderen geht!

Liebe Grüße

leonie

Max

Beitragvon Max » 06.09.2011, 22:21

Liebe Leonie,

ich kann mich in eine Situation denken, in der diese Beschreibung nicht nur passend, sondern auch sehr originell ist. Das gefällt mir.
Ich würde ggf eine andere Überschrift wählen. Die hier macht das Thema größer, als 5 zeilen sein können.

Liebe Grüße
max

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leonie
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Beitragvon leonie » 06.09.2011, 22:52

Lieber Max,

ja, was die Überschrift betrifft, gebe ich Dir Recht. Ich überlege nochmal.... Vielleicht nur "Wirklichkeit"?

Ansonsten freue ich mich, dass Du mit dem Text eine Situation verbinden kannst.

Danke Dir und liebe Grüße

leonie

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 07.09.2011, 09:41

Hallo Leonie,

ich finde das sehr erfrischend und überraschend beschrieben. Der Mond wird ein wenig auf seinem Lyriksockel geneckt.

Ich sehe ein LIch im Zug sitzen und der Mond scheint herein und "sitzt" scheinbar erst gegenüber und "wandert" dann eben durch die Richtungsänderung des Zuges aufs Klo? Mich hat nur erst der "Sessel" irritiert, weil ich den eher im Wohnzimmer vermuten würde, das klingt zu gemütlich für den Zug? Da würde ich vielleicht nochmal überlegen. Der Mond sitzt auf dem Sitzplatz. :o)

Beim Titel bin ich unschlüssig. Eigentlich ist es mir als Titel erst einmal auch zu belastend, andererseits ergibt sich daraus ein feiner Kontrast und eine Reibung und er öffnet für eine andere Interpretationsebene. Der Text holt dann sozusagen mit einem Augenzwinkern auch das große Wort "Wirklichkeit" und die Gedanken dazu in den Alltag zurück. Doch, ich würde ihn so lassen.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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leonie
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Beitragvon leonie » 07.09.2011, 20:40

Liebe Flora,

danke, ich freu mich über Deine Lesart, sie trifft ziemlich genau das Bild, das ich vor Augen hatte. Mit dem Sessel überlege ich nochmal. Mir gefällt der Mond im Sessel einfach so gut und die Sitze im Zug haben ja mittlerweile sowas Sesseliges.

Die Überschrift. Hm, da überlege ich auch noch. Ich weiß nicht, ob der Text überhaupt noch verständlich ist, wenn ich nciht andeute, dass es mir darum um die Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihren Täuschungen geht.

Danke Dir und liebe Grüße

leonie

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 07.09.2011, 23:36

Hallo Leonie,

Flora hat recht - "Sessel" und "Zug" passen so gar nicht zueinander. Ich jedenfalls habe diese beiden Begriffe überhaupt nicht zusammen unterbringen können, das Gedicht zerfällt mir in zwei Hälften ohne Berührungspunkt.

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Oldy

Beitragvon Oldy » 08.09.2011, 08:18

Ich komme ja aus dem Pott und bin demgemäß etwas begriffsstutzig, aber die Sache mit dem Klo hätte ich gerne mal erklärt.
Leonie, du freust dich über Floras Lesart, jedoch hat sie das "Klo" auch mit einem Fragzeichen versehen. Was hat sie denn da erlesen?
Wandert der Mond nun aufs Klo oder in Richtung Klo? Wie muss ich mir das vorstellen und was soll es mir sagen, welches Bild zeigt sich da?

fragt
Uwe

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leonie
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Beitragvon leonie » 08.09.2011, 09:55

Lieber ferdi,

ich denke nochmal über den Sessel nach, ich habe noch keine für mich richtige Alternative...

Lieber Oldy,

er wandert, so dass es aussieht, als ginge er nun aufs Klo.

Ich habe diese Begriffe gewählt, um die Absurdität zu unterstreichen. Denn natürlich ist das nicht "Wirklichkeit". Aber es sieht so aus wie "Wirklichkeit". Was ist denn eigentlich "Wirklichkeit?

Liebe Grüße

leonie

Gerda

Beitragvon Gerda » 08.09.2011, 09:57

Liebe leonie,

du hast eine Beobachtung auf einer Zugefahrt zum Anlass genommen, etwas über Wahrnehmungen der "Wirklichkeit" in eine poetische Form zu kleiden.
Ich muss gestehen, dass ich die Beobachtung nett dargestellt, aber doch auch irgenwie banal finde.
Was ist denn daran so erstaunlich, dass es bei Richtungswechsel des fahrenden Untersatzes auch zu einer anderen Perspektive kommt? Wer hat nicht ähnliche Beoachtungen schon gemacht, dass sich "Wirklichkeit" durch Perspektiv-Wechsel ändert?
Das hört sich jetzt sicher nach den vorangegangenen Kommentaren ziemlich heftig für dich an.
Aber ich empfinde es so, als ob hier eine Bedeutung hineininterpretiert werden soll, die auf mich gekünstelt wirkt. Dass der Mond hier vom Lyriksockel geholt wird, sehe ich nicht, denn er ist es, der nachgerade der die Bedeutung hineingaukelt.

Liebe Grüße
Gerda

Oldy

Beitragvon Oldy » 08.09.2011, 10:16

leonie hat geschrieben:Lieber Oldy,

er wandert, so dass es aussieht, als ginge er nun aufs Klo.

Ich habe diese Begriffe gewählt, um die Absurdität zu unterstreichen. Denn natürlich ist das nicht "Wirklichkeit". Aber es sieht so aus wie "Wirklichkeit". Was ist denn eigentlich "Wirklichkeit?

Liebe Grüße

leonie

Die Absurdität dieses Bildes mag ich nicht erkennen, ...
Ich muss gestehen, dass ich die Beobachtung nett dargestellt, aber doch auch irgenwie banal finde.

... dieser Aussage jedoch kann ich mich vollumfänglich anschließen.

lg
Uwe

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Beitragvon leonie » 08.09.2011, 12:13

Es ist für mich kein Problem, Gerda, wenn Du den Text banal findest.

Für mich ist eher der Punkt, dass das als WIrklichkeit wahrgenommen wird, was man sieht. Und dass anhand des Richtungswechsels vielleicht die Erkenntnis kommen könnte, dass Wirklichkeit etwas ganz anderes sein könnte oder zumindest die, dass unsere Wahrnehmung zu trügerisch ist, um anhand ihrer etwas über die Wirklichkeit auszusagen.

Mag sein, dass manche das auch als banal empfinden. Ich fand es für mich interessant genug, um ein kleines Gedicht daraus zu machen.

Ich merke im Moment, dass meine Texte anscheinend polarisieren: Die einen können etwas damit anfangen, die anderen nicht. Das finde ich für mich ganz in Ordnung und sehe dann auch keine Veranlassung, etwas zu ändern, wenn es mir selber als insgesamt stimmig erscheint.

Danke Dir und auch Dir, Oldy, für die Beschäftigung mit dem Text!

leonie

Sam

Beitragvon Sam » 08.09.2011, 18:52

Hallo Leonie,

Polarisieren ist doch gut, da kommt dann immer ein wenig Leben in die Bude.

Du schreibst:

Für mich ist eher der Punkt, dass das als WIrklichkeit wahrgenommen wird, was man sieht. Und dass anhand des Richtungswechsels vielleicht die Erkenntnis kommen könnte, dass Wirklichkeit etwas ganz anderes sein könnte oder zumindest die, dass unsere Wahrnehmung zu trügerisch ist, um anhand ihrer etwas über die Wirklichkeit auszusagen.


Das ist ein spannendes Thema, über das es eigentlich nicht genug Gedichte und Texte geben kann. Dein Gedicht hier wird dem nur nicht gerecht, weil ja der Mond von Anfang nicht als Wirklichkeit wahrgenommen wird, sondern der Leser ihn eingekleidet in eine Metapher vorfindet. Der Richtungswechsel ruft nur eine andere Metapher auf den Plan (eine witzige, denn das Wort Klo findet man ja in der Lyrik so oft nicht). Wenn also das Gedicht etwas ausdrückt, dann nicht etwa die Infragestellung der wahrgenommen Wirklichkeit, sondern die uns innewohnende (und bei Dichtern wohl sehr ausgeprägte) Assoziationsbandbreite beim Betrachten im Grunde "banaler" Dinge, wie z.B. dem Mond.


Gruß

Sam


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