Wind fühlt sich an

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Alsobin

Beitragvon Alsobin » 10.08.2010, 11:10

ich ging durch die wüste
da roch es scharf
da lagen tabletten
ich hob sie auf

ich schrieb ein gedicht
schrieb es in den sand

ich hob deinen namen
ich hob ihn auf

ich wartete auf den wind

wir lernten uns trennen
wir blickten der zukunft in die leeren hände

wir erfanden worte
wir machten gebete daraus

gott lachte als er uns sah
er klingelte an unserer türe
aber wir waren nicht zuhause

ich träumte vom wind
ich träumte von namen
du entferntest zeilen und lerntest revolutionieren

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noel
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Beitragvon noel » 10.08.2010, 19:29

ich bin zwi&gespalten
der erste absatz,
die scharf riechende wüste, die tabletten inherin...
sind eine schwer greifabre metapher

auch wenn mir einiges dazu einfiele, ala
die vereinsamung nach einer trennung von einer unendlichen, von DER LIEBE.
da läuft man durch wüsten & das scharfe riechen regelt man sich von selbst
& die tabletten....


gelungen finde ich die zeilen mit dem gedicht im sand,
der in verbindung zum namen des lyrDu zu stehen scheint;
dessen neamne man aufhebt & dennoch auf den wind wartet
.. der wind der die zeilen zerstreuen wird.

dann das unvermeidliche, die trennung, der wind, die zeit hatte gesiegt &
das lernen des LYRi & LYRdu hatte nichts als LEERE hände zur folge

der anschluss ist mir ungemein gelungen, denn dies nichts in den händen, beginnt
durch die phantasie wOrte zu zeugen, worte die nicht gereichten, zum zusammen
_leben, denn man machte gebete daraus.

dann die wendung zu gott, der die beiden auslacht, aber sie sind in ihrem schmerz
& in ihrer negation nicht mehr aufzufinden. FEIN gesponnen.

sie tRäumt weiter... er
erlernt revolutionierfen (hier ist eine klitzekleine schweirigkeiit... meint das, er
flüchtet sich in die revolution?)


sehr gerne bewegt worden durch die zeilen
noel
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel

Niko

Beitragvon Niko » 10.08.2010, 20:01

da fühl ich mich ja schon fast ein bisschen verarscht, alsobin, nach deinem postin im café.
um so erstaunter bin ich über deinen text. der hat unheimlich gute stellen (wir lernten uns trennen - das ist für mich eine der herausragenden stellen) und nur wenige schwachpunkte. rin wichtiges beispiel für einen schwachpunkt, der wichtigste für mich ist der schluss. "du entferntest zeilen und lerntest revolutionieren" fällt für mich aus dem rahmen. erstens der metrik wegen, der sprachfluss ist hier ganz anders, wegen der stolperei von ferntest, lerntest und wegen dem revolutionieren, das mir wie ein großer dicker fremdkörper vorkommt.
den schluss würde ich nochmal ändern. das gäbe deinem text die letzte würze.

wirklich gelungen!!!

liebe grüße: Niko

Alsobin

Beitragvon Alsobin » 10.08.2010, 20:30

schade, die revolutionärin muss wohl ran glauben und auch der anfang, der anfang
ist wirklich schlecht.
warum fühlst Du dich verarscht?

Niko

Beitragvon Niko » 10.08.2010, 21:18

naja........du schriebst im "trost" faden: "ich versuche zu Texten, was nie gelingt.." - sicherlich hätte das auch ein technisches problem beinhalten können. aber der titel "trost" impliziert mir dann doch etwas anderes. von daher ging ich davon aus (mehr als von etwas ausgehen konnte ich nicht, da du dich in den 4(!!!!!!!!!) seiten langen abhandlungen über deine beweggründe und über das trösten an sich nicht mehr zu wort gemeldet hast), dass dir das verfassen von texten nie gelingt.

und so überrascht mich dieser text positiv. aber es kann ja auch sein, dass ich das nicht weiter ausgeführte deinerseits auch völlig muissgedeutet habe.

liebe grüße: Niko

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 11.08.2010, 09:03

Hallo Alsobin,

vielleicht ist es ein Trost, etwas zu Texten zu versuchen, auch im Wissen, dass der Versuch scheitern wird.
Dieses Gedicht hat interessante innere Bezüge und Wendungen, das gefällt mir. Es gibt etwas an die Hand, schreibt eine Stimmung in die Wüste, es erzählt sich nicht aus, zerfällt aber auch nicht in Einzelnes.

wir blickten der zukunft in die leeren hände
Ich frage mich, ob es das "leeren" wirklich braucht und ob diese plötzliche abgenutzte Pathetik zur Stimme des Gedichtes passt.

gott lachte als er uns sah
er klingelte an unserer türe
aber wir waren nicht zuhause
Hier stolpere ich klanglich ein wenig herum. Aber das müsste man dann vielleicht von dir gelesen hören. Innerlich würde ich es gerne so lesen:
gott lachte als er uns sah
er klingelte an unsrer tür
aber wir waren nicht zuhaus


du entferntest zeilen und lerntest revolutionieren
Diesen unerwarteten Aufstand des Du finde ich sehr gelungen.

noel hat geschrieben:sie tRäumt weiter... er
erlernt revolutionierfen
Oh, ich sah ein männliches LIch. :-)

ich träumte von namen
Müsste es hier nicht "deinen namen" oder "vom namen" heißen, dass es plötzlich über diese beiden hinausgeht, empfinde ich nicht wirklich im Gedicht vorbereitet.

Auch die erste Strophe gefällt mir in ihrer Eigenwilligkeit, gerade die Tabletten und der Geruch, ich kann das für mich gut im Kontext lesen.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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