Im Hinterhof das Licht (war: Früher Moment)

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 15.06.2010, 18:25

2. Version (danke an Lisa)

Im Hinterhof das Licht

Wenn der Morgen kommt
im Hinterhof das Licht
über die Mauern steigt

der Amselmann sein Minnelied
anstimmt zwischen Nachrichten
die in Quadrophonie aus Fenstern
quellen mitsamt Babykrähen und
rieselndem Blumenwasser auf Blech

Frühstückslachen vis á vis
zum Herzaufgehen (bleibt bitte so!)

mit dem Kaffee
am Küchentisch sitzen
still sein

korr. letzte Str. Z 1/2 umgedreht, danke Flora


1. Version

Früher Moment

Wenn der Morgen kommt
im Hinterhof das Licht
über die Mauern steigt

der Amselmann sein Minnelied
anstimmt zwischen Nachrichten
die in Quadrophonie aus Fenstern
quellen mitsamt Babykrähen und
rieselndem Blumenwasser auf Blech

Frühstückslachen vis á vis
zum Herzaufgehen (bleibt bitte so!)

am Küchentisch sitzen
mit dem Kaffee
still sein
Zuletzt geändert von Elsa am 16.06.2010, 18:03, insgesamt 3-mal geändert.
Schreiben ist atmen

Quoth
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Beitragvon Quoth » 15.06.2010, 20:54

Hallo, Elsa,
eine Momentaufnahme, in die ich mich gut hineinversetzen kann, weil ich ähnlich gewohnt habe ... Bei aller Vergänglichkeit doch etwas, was sich (mit nur wenig veränderten Details) wiederholt. Kein besonderer Moment also, gerade in seiner Alltäglichkeit aber nahezu "heilig" - weil letztlich eben doch unwiederholbar, verloren. Ich höre das "weiße Rauschen" der Zeit im Hintergrund ...
Besonders erfreuen mich die Alliterationen:
Morgen - Mauern
Amselmann - anstimmt
Quadrophonie - quellen
Blumenwasser - Blech
Küchentisch - Kaffee

Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Max

Beitragvon Max » 15.06.2010, 23:21

Liebe Elsa,

ich mag dies mit feinem Pinselstrich gemalte Bild.

Am besten aber gefällt mir der Einwurf

zum Herzaufgehen (bleibt bitte so!)


weil diese subjektive Note das Gedicht für mich sehr indivuell werden lässt

Liebe Grüße
Max

Mucki
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Beitragvon Mucki » 16.06.2010, 00:05

Liebe Elsie,

mir gefällt der Einfang dieses Augenblicks auch gut.
Sag mal, hier:
Elsa hat geschrieben:zum Herzaufgehen (bleibt bitte so!)

dachte ich, dass das (bleibt bitte so!) ein Ausruf an uns Leser wäre und nicht Bestandteil des Textes. *lach*

Saludos
Mucki

scarlett

Beitragvon scarlett » 16.06.2010, 08:40

Liebe Elsa,

eine sehr schöne Miniatur, die durch einen ganzen langen Tag tragen kann.
Und ein mir vertrautes Bild, das sich tief in mein Herz eingraviert hat.

Doch: wo bleibt die Opernsängerin? :mrgreen:

Sehr gut gemacht, auch im handwerklichen Sinne, meine Liebe!

Herzlichst,
Mo

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 16.06.2010, 09:18

Liebe Elsa,

da schließe ich mich an und Quoth hat das schön fassen können, etwas ganz alltäglich-heiliges beschreibst du da und das man es kennt, macht es nicht weniger reizvoll, sondern die Erinnerung referiert auf so einfaches (ruhiges) Wahrnehmen, dass man es genießt, erinnert zu werden.

Gabriella: Ich glaube, unmittelbar bezieht sich der Ausruf erstmal auf das Paar, aber für mich ist gerade die Raffinesse, dass sich die Zeile in einer zweiten Bewegung durchaus auf die Leser bezieht (gerade auch, weil das lyr. Ich zwar ruhig ist, aber herausgenommen als aktiver Teil aus diesem licht im hinterhof, eben ein Zuschauer - über ein produziertes Leser-Wir kann es sich sozusagen selbst mit anrufen (so etwa wie: ich kenn das, kannte das und es ist zu bejahen, also verpasst es nicht (alle miteinander).

Kleine Überlegungen: Den Titel finde ich etwas verschenkt und langweilig, die genialste (weil geheimnisenthaltene und -ankündigende) Zeile für ihn wäre natürlich: "im hinterhof das licht", aber ich weiß nicht, ob es dich nicht stört, dass die Zeile dann nochmal auftaucht und das an stelle 2 (und nicht zu beginn des Textes oder als Schlusszeile), mich würde es nicht stören.
Und beim "vis á vis" würde ich überlegen, das nicht rauszunehmen, es wirkt eine Spur zu gewollt (dagegen "Quadrophonie toll gesetzt) und im Zusammenklang mit dem Lachen ist es dann etwas ~ na ja, einer anderen Lesergruppe wird es wiederum gerade gefallen, ist dann wohl Geschmacksfrage zu nennen :-)

Ansonsten aber sehr fein gesponnen und geschrieben,
und zur richtigen Zeit eingesetzt.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 16.06.2010, 10:03

Ah!!! Endlich fiel der passende Titel *hüpf* liebe Lisa, danke dafür! Das musste jetzt gleich raus ;-)

Nun chronolgisch:

Lieber Quoth, danke, freut mich, dass du es aus eigenem Erleben nachvollziehst, das hier finde ich sehr schön als Replik:
Kein besonderer Moment also, gerade in seiner Alltäglichkeit aber nahezu "heilig" - weil letztlich eben doch unwiederholbar, verloren. Ich höre das "weiße Rauschen" der Zeit im Hintergrund ...

und:
Besonders erfreuen mich die Alliterationen:
mich auch ;-) Gelingt mir eh so selten.

Lieber Max, dankeschön. ich hoffte, die Rechnung mit dem Klammersatz geht in diesem Sinne auf, fein!

Liebe Mucki, danke dir, und:
zum Herzaufgehen (bleibt bitte so!)
dachte ich, dass das (bleibt bitte so!) ein Ausruf an uns Leser wäre und nicht Bestandteil des Textes. *lach*

In gewisser Weise stimmt es ja auch, aber eben anders! :mrgreen:

Liebe Mo, danke dir sehr! Ja, die Opernsängerin ... die war diesmal nicht am Werk, hihi.

Liebe Lisa, oben schon mein Jubel über den Titelvorschlag, denn ich war damit überhaupt nicht zufrieden, das jetzt ist zum Wohlfühlen! Ebenso deine Replik, dass das Alltägliche doch noch lyrische Treffer sein können.

unmittelbar bezieht sich der Ausruf erstmal auf das Paar, aber für mich ist gerade die Raffinesse, dass sich die Zeile in einer zweiten Bewegung durchaus auf die Leser bezieht (gerade auch, weil das lyr. Ich zwar ruhig ist, aber herausgenommen als aktiver Teil aus diesem licht im hinterhof, eben ein Zuschauer - über ein produziertes Leser-Wir kann es sich sozusagen selbst mit anrufen (so etwa wie: ich kenn das, kannte das und es ist zu bejahen, also verpasst es nicht (alle miteinander).
Bumm, du hast die Intention ganz genau wahrgenommen, toll!

Und beim "vis á vis" würde ich überlegen, das nicht rauszunehmen, es wirkt eine Spur zu gewollt (dagegen "Quadrophonie toll gesetzt) und im Zusammenklang mit dem Lachen ist es dann etwas ~ na ja, einer anderen Lesergruppe wird es wiederum gerade gefallen, ist dann wohl Geschmacksfrage zu nennen :-)
das vis á vis ist ein klassischer Wienerausdruck, aber ich habe auch überlegt, ob das schlichtere "gegenüber" da nicht angebrachter wäre? Ich stells mal oben hin mit neuem Titel.

Nochmals herzlichen Dank und liebe Grüße
ELsa
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Beitragvon Elsa » 16.06.2010, 16:34

Hallo, das vis á vis werde ich doch stehen lassen, das gehört einfach zu mir ;-)

Liebe Grüße
ELsa
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Beitragvon Ylvi » 16.06.2010, 17:33

Hallo Elsa,

eine schöne kleine Momentaufnahme zum Miterleben.
Wenn der Morgen kommt
im Hinterhof das Licht

Frühstückslachen vis á vis
zum Herzaufgehen (bleibt bitte so!)

Das sind meine Lieblingszeilen.
(Ich finde die Vorwegnahme im Titel ein bisschen schade?! Vielleicht findet sich doch noch etwas anderes?)

das vis á vis werde ich doch stehen lassen, das gehört einfach zu mir
*lach* das wollte ich gerade auch schreiben, auch klanglich gefällt mir das viel besser.

am Küchentisch sitzen
mit dem Kaffee
still sein
Nur hier würde ich umdrehen, weil ich den stillen Kaffee ein wenig seltsam finde. .-) Also so:
mit dem Kaffee
am Küchentisch sitzen
still sein


Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 16.06.2010, 18:02

Liebe Flora,

vielen Dank! Ja, gell, dieser frz. Schlenker muss halt bleiben ;-)

Ich bin auch am Überdenken des Titels, weil er kommt schon nahe ran. Der vorige war todlangweilig, darum hab ich ihn aufgegriffen. Noch besser wäre etwas ähnlich Gutes, aber nicht aus dem Text entnommen. Lisa hat da schon einen guten Weg gezeigt, es wird was kommen, bestimmt!

Zur letzten Strophe sag ich einfach, das mach ich, gefällt mir sehr!

Herzlichen Dank und Gruß
ELsa
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 16.06.2010, 18:04

Liebe Elsie,

das "vis á vis" gefällt mir auch besser. ,-)

Flora hat geschrieben:Nur hier würde ich umdrehen, weil ich den stillen Kaffee ein wenig seltsam finde. .-) Also so:
mit dem Kaffee
am Küchentisch sitzen
still sein

Das hört sich aber m.E. auch seltsam an, da das LI ja mit dem DU am Küchentisch sitzt, beim Kaffee, also nicht mit dem Kaffee am Küchentisch zusammensitzt. Ich sehe das LI mit dem DU noch da sitzen, beim Kaffee, aber eben still.
Vielleicht wäre die Lösung hier "beim" Kaffee? Oder soll man sich als Leser das Du in diesem Passus schon wegdenken und das LI sitzt allein beim Kaffee?

Saludos
Mucki

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 16.06.2010, 18:15

Hallo Mucki,

Ich sehe das LI mit dem DU noch da sitzen, beim Kaffee, aber eben still.
Vielleicht wäre die Lösung hier "beim" Kaffee? Oder soll man sich als Leser das Du in diesem Passus schon wegdenken und das LI sitzt allein beim Kaffee?

Welches LDu? Hab ich da jemanden übersehen? :lupe:

Liebe Grüße
Flora
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Beitragvon Mucki » 16.06.2010, 18:24

Hallo Flora,

im "vis á vis" lese ich ein LDu.

Saludos
Mucki

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 16.06.2010, 19:27

Hallo Mucki, Flora,

nein, da ist kein DU, außer der Kaffee.
Vis á vis aus einem Fenster tönt das Lachen herüber.

Das LI ist in der Szene solo.

Daher finde ich "mit" dem Kaffee recht gut.

Liebe Grüße
ELsa
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