keine randnotiz

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 09.03.2010, 23:08



keine randnotiz


als unsere augen
miteinander schliefen
und sich das unsagbare
mit dem schweigen vereinte
fielen wir kampflos
erobert in uns ein

zwei gläser schauten zu
ein mond hielt wacht
und vier augen sahen
später
in eine neue welt

scarlett

Beitragvon scarlett » 10.03.2010, 08:19

:daumen:

auch wenn mir persönlich das weniger "Majestätische" eines neuen Tages/Morgens z. B. besser gefallen und auch m E besser zu den eher bewusst schlicht gehaltenen Zeilen der S2 passen würde als die "neue Welt". Aber nu ...

LG
scarlett

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leonie
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Beitragvon leonie » 10.03.2010, 08:56

Lieber Niko,

mich haut der Anfang raus, das ist mir zu sehr mit der Tür ins Haus gefallen. Musst Du benennen, dass ihre Augen "miteinander schlafen", kannst Du es nicht vielleicht auf andere Weise erzählen?

In der letzten Strophe würde ich überlegen, das "in" zu streichen. Ich weiß, das ist sinnverändernd, aber für mich würde es so noch weiträumiger werden.

Liebe Grüße

leonie

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 10.03.2010, 09:38

Lieber Niko,

ich habe dein Gedicht sehr gern gelesen.

Von Lyrik "verstehe" ich nicht viel. Nach dem, was ich trotzdem mitbekomme, ist dein Anspruch an lyrisches Sprechen ein ganz eigener: du willst das Triviale, Banale, dadurch überhöhen, indem du es benennst. Das finde ich gelungen. Vielleicht solltest du das noch radikaler sprachlich anwenden, (frag mich nicht, wie) - wenn die Intention klar(er) wird, verliert das notwendig vorhandene Klischee seine möglicherweise alleinige Wirkung.

liebe Grüße

Renée

PS = ein extra-Bravo für den Titel

Niko

Beitragvon Niko » 10.03.2010, 15:36

leo.-..........ich muss ehrlich sagen: in den gedanken"augen, die miteinander schlafen" hab ich mich dermaßen verliebt, finde diese formulierung so gut, dass ich sie auf keinen fall missen möchte.woanders kann ich sie aber nicht einbauen im laufenden text (von wegen überfall), da sie der aufhänger, das intro in den text sind. "eine neue welt sehen" hat mehr etwas von allumfassend sehen, wahrnehmen. "in eine neue welt sehen" ist für mich eher das entdecken der eigenen welt mit anderen augen. sozusagen den kleinen kosmos im ganzen neu sehen und erkennen, ihn neu für sich zu definieren. und wieder möcht ich es lieber mit "in" schreiben. auch wenn´s so aussieht, dass ich ja sowieso nix ändern will (was quark ist).
aber vielleicht sollte ich (überleitung zu scarlett) die letzten beiden zeilen ganz neu und anders gestalten. damit könnte ich dann eher leben. danke, scarlett, für dein "daumen hoch"
@renée:
wieso schreibst du das? wieso sollst du von lyrik nichts"verstehen"? so ein blödsinn! wer war denn gerade bei der monatswahl ganz vorne mit dabei? hm? ich finde deine lyrik teilweise sehr aussergewöhnlich und teilweise - wie bei dem prämierten zyklus-auszug - sehr berührend. also schreib nicht so einen mumpitz ;-) die noch radikalere verdichtung, die du ansprichst, werd ich mal ausprobieren. in experimenteller lyrik. man muss ja immer mal wieder was wagen. auch, wenn es zunächstmal unattraktiv scheint. "wenn die Intention klar(er) wird, verliert das notwendig vorhandene Klischee seine möglicherweise alleinige Wirkung." das wiederum verstehe ich nicht so ganz genau. magst du das mal erläutern?
ah........auch ein extra "DANKE" für dein titel-bravo! hat mich speziell gefreut!
liebe grüße euch allen und danke für´s kommentieren!! - Niko

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Beitragvon leonie » 10.03.2010, 15:41

Lieber Niko,

das ist doch auch völlig okay, ist sicher Geschmackssache.

Mir fiel aber etwas auf und ein, das ich trotzdem einfach noch sagen wollte, als Idee:


Niko hat geschrieben:

keine randnotiz


zwei gläser schauten zu
ein mond hielt wacht

als unsere augen
miteinander schliefen
und sich das unsagbare
mit dem schweigen vereinte
fielen wir kampflos
erobert in uns ein

vier augen sahen
später
in eine neue welt



Liebe Grüße

leonie

Niko

Beitragvon Niko » 10.03.2010, 16:39

wie fändest du es so? (danke für die gute anregung!)

ein mond hielt wacht
als unsere augen
miteinander schliefen
das unsagbare sich
mit dem schweigen vereinte
fielen wir kampflos
erobert in uns ein

vier augen sahen
später
in eine neue welt

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Beitragvon leonie » 10.03.2010, 16:47

Mir eröffnet das einen guten Zugang. Wobei ich die Gläser vermisse, sie bewirkten für mich, dass ich eine Szene vor mir sehe und weil es zeigt, dass die Gläser zu Randfiguren werden als sich zwischen den Augen etwas tut...

Liebe Grüße

leonie

scarlett

Beitragvon scarlett » 10.03.2010, 16:56

Ach nee, es ist immer wieder unglaublich, wie man einen anfangs durch und durch stimmigen Text, der Atmosphäre hat und auch transportiert, so verschlimmbessern kann ...

Und jetzt bin ich still, versprochen.

scarlett

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Beitragvon leonie » 10.03.2010, 17:48

Liebe scarlett,

Für mich kommt Dein Posting etwas absolut rüber. Vielleicht könntest Du begründen, warum Du anderer Meinung bist, dann könnte ich dabei noch etwas lernen. So ärgere ich mich nur, weil ich mich samt meiner Meinung (die ich immerhin begründet habe) abgewertet fühle.

Liebe Grüße

leonie

scarlett

Beitragvon scarlett » 10.03.2010, 17:55

Liebe leonie,

es ist absolut meine Meinung. Nicht mehr und nicht weniger.
Der Text fließt in seiner ursprünglichen Form meiner Meinung nach, vom Besonderen, Außergewöhnlichen hin zum Allgemeinen, das Erleben steht im Mittelpunkt und die Staffage dort, wo sie hingehört - an den Schluss.
Der Text kann die heraufbeschworene Atmosphäre halten, bis zum Schluss- er ist atmosphärisch dermaßen aufgeladen und das auf unaufdringliche Weise.
Ich weiß nicht, was ich sonst noch sagen könnte, außer: es war keineswegs so gemeint, dich abzuwerten, das kann ich ja gar nicht, das will ich nicht, ich hab einfach nur mal wieder zu spontan reagiert.
Es tut mir leid, es wird nicht mehr vorkommen.

scarlett

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Beitragvon leonie » 10.03.2010, 18:27

Liebe scarlett,

so verstehe ich, wie Du es meinst. Interessant, denn für mich kommt das miteinander schlafen so unvermittelt, dass es mir hilft, wenn vorher eine gewisse Stimmung, ein Ambiente erzeugt wird, dass mich sozusagen vorbereitet. Im Mittelpunkt bleibt es für mich dann trotzdem...:-) .

Danke Dir!

Liebe Grüße

leonie

Max

Beitragvon Max » 11.03.2010, 11:42

Liebe Leonie, liebe Scarlett,

ich finde übrigens diese Entwicklung vom Besonderen zum Allgemeinen als einen feine Federführung des Gedichts und als eine Linie, die das Gedicht zusammenhält - da kann ich auch ganz gut damit Leben, dass die Aigen gleich zu Anfang intim werden ;-)

Liebe Grüße
Max

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 11.03.2010, 16:27

Lieber Niko,

ich muss gestehen, an dem "mit einander schlafen" (schreibt man das nach NDR so???) hänge ich auch ein wenig. Mir gefiele ein in einander oder vielleicht sogar sich in einander verschlafen. Das ist sicher weniger trivial, um mal bei Renées Worten zu bleiben...aber ein Gedanke, nur so.

Finde aber auch, dass das Gedicht genau in seiner Ursprungsversion am besten "läuft".

Beim Ende kann ich Scarlett zustimmen...die große neue Welt, nun ja. Ich könnte mir sehr gut etwas Neues oder auch etwas Anderes vorstellen. Das ist simpler, und auch offener, finde ich.

Herzlichst

Zafar


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