Liebe Leonie,
mir gefällt dein Gedicht ohne Einschränkung gut.
Du malst mit den Worten die du hier wählst dem Leser eine tolle Landschaft in den Kopf. Das Wort "knospenden" finde ich auch völlig in Ordnung, "knospigen", wie du, Niko, es vorschlägst, klingt in meinen Ohren recht bemüht, aber das ist wohl Geschmackssache.
Das fortlaufen lese ich auch ganz anders. Ich glaube, damit ist gemeint, dass sich der genannte zu laute Gedanke fortsetzt, den ganzen Baum durchrüttelt und sich bis in jeden kleinsten Ast fortsetzt, wie auch die Wellen eines in einen Teich geworfenen Steins fortlaufen und sich fortsetzen bis sie den Rand erreichen.
So gelesen ist auch das "schon" keinesfalls überflüssig, sondern sehr wichtig.
Das du, Leonie, vom Vogelschwarm als Ganzem plötzlich auf die einzelnen Vögel, die wegfliegen, eingehst, finde ich geschickt. So löst sich das einheitliche Bild vom schönen Frühling erst in seine Bestandteile auf bevor es schließlich ganz zerfällt. (Wie ein Puzzle in seine Teile) Diesen Zerfall wiederrum, bzw. die Zerstörung dieser friedlichen Illusion, hast du wunderbar dargestellt, indem du nun die Außenansicht des LyrIch zeigst, das mit den Augen folgt, aber es kann das Frühlingsbild nicht mehr festhalten, obwohl LyrIch es noch (einzu)-fangen versucht.
Es ist insgesamt wie eine Illusion, die man sich aufbaut, ein hübsches, aber zerbrechliches und instabiles Bild, welches von den eigenen, "zu lauten" Gedanken schließlich zerstört wird. Dieses "zu laut" finde ich ganz besonders gelungen, da dadurch erkennbar ist, dass dieser Gedanke vom LyrIch gar nicht erwünscht ist. Ich dache sofort an den Ausdruck "leiser Zweifel" - nur das der Zweifel, bzw die kritisierenden Gedanken, hier eben laut geworden sind, sich nicht mehr zurückhalten ließen.
Hübsch ist auch, wie du diesen Gedanken mit den Worten "Wind, eine Welle" in das Landschaftsbild eingliederst.
Nunja, das ist jedenfalls mein Eindruck nach einmaligem Lesen.
Liebe Grüße,
Ellie
P.S.: Gerade kam mir der Titel wieder in den Sinn - damit werden die Wortfelder natürlich nochmal viel schöner, denn die Gedichte, Ideen, Gedanken, Sätze, wachsen ja, wie der Baum in diesen Feldern, aus ihnen heraus. Toll!
Und dieses kleine "
fast" im Titel lässt nochmal eine mildere Idee als die der zerstörten Illusion zu, in der mit dem Vogelschwarm die Vollendung eines Gedichts davon fliegt...