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Nachts

Verfasst: 27.06.2008, 21:39
von Estragon
legen sich die wünsche auf staubige fensterbänke
sie erzählen sich dinge die formen annehmen
wenn sie ausgesprochen sind

flatterhaft sind diese wünsche
sie fliegen davon
klopfen an
seilen sich ab
wenn du das fenster öffnest

ein morgen
eine stunde
mehr als eine ewigkeit her
schon wieder der nächste augenblick

ein anderes warten gibt es nicht

da fällt etwas hin
füllt den morgen
mit seinem fallen
es ist ein wunsch
der noch schaum an den lippen trägt

Verfasst: 28.06.2008, 15:37
von Mucki
Hallo Estragon,

bin mal so frei und sende dir einen Änderungsvorschlag zu deinem Gedicht. Zum Titel: ich fände "Wünsche" treffender, denn um sie geht es ja und du könntest dann im Text dieses Wort öfter einsparen. Ich schreibe jetzt mal frech als Titel "Wünsche" drüber, damit du siehst, was ich meine.
Worte wie "weil" und "wenn" in einem Gedicht empfinde ich nicht als sehr lyrisch.
Es ist nur eine Idee. Wenn sie für dich nicht stimmig ist, einfach verwerfen, ok?

wünsche

legen sich
auf staubige fensterbänke
erzählen sich dinge
die einmal ausgesprochen
formen annehmen

flatterhaft sind sie
klopfen an
seilen sich ab
fliegen davon
bei offenem fenster

ein morgen
eine stunde
eine ewigkeit
der nächste augenblick

anderes warten gibt es nicht

da fällt etwas hin
füllt den morgen
mit seinem fallen
es ist ein wunsch
der noch schaum an den lippen trägt

er konnte wohl nicht warten



So wäre die Lesart aus meiner Sicht, wobei ich den letzten Satz noch streichen würde. Was meinst du?
Saludos
Mucki

Verfasst: 28.06.2008, 16:35
von Estragon
Sehr hilfreich....Danke

Verfasst: 28.06.2008, 19:31
von Max
Lieber Estragon

(also kein Kraut, sondern Beckett ;-) ). Das Gedicht hat für mich Passagen, die mir sehr gut beobachtet erscheinen. Mir gefällt beispielsweise:

sie erzählen sich dinge die formen annehmen
wenn sie ausgesprochen sind


Das ist so noch nicht gesagt, aber wahr, denn es fühlt sich wahr an, wenn man es hört.

Bei Beginn von Strophe 2 gebe ich Mucki Recht (gell, Mucki, das ist nicht zu oft der Fall ;-) ): "Fliegen" ist schwächer als 'flatterhaft', beides aber redundant, wobei mir klanglich, das doppelte 'fl' gefällt, denn es unterstützt das Flattern.

Auch bei Strophe 3 gefällt mir die schlankere Version Muckis - vor allem aber der Grundgedanke, der Steigerung bis zur Ewigkeit und des Augenblicks als Steigerung von Ewigkeit.

ein anderes warten gibt es nicht


finde ich wunderbar lakonisch.

Muckis Schluss hingegen

er konnte wohl nicht warten


würde ich nicht explizit machen. Es ist ein möglicher Gedanke an dieser Stelle, äußerrst Du ihn, übermalst Du andere.

Guter Text!

Liebe Grüße
Max

Verfasst: 28.06.2008, 19:48
von Mucki
Hallo Estragon,

so wie ich das jetzt sehe, hast du den letzten Satz gestrichen, was ich auch vorschlug. Ihn brauchte es nicht.

Hast du sonst noch etwas geändert?
Vielleicht kannst du die erste Version unter die neue Version stellen, so dass man die Änderungen nachvollziehen kann?
Saludos
Mucki

Verfasst: 28.06.2008, 20:05
von Max
Lieber Estragon, liebe Mucki

ah, ich hielt den letzten Satz für Deine Schöpfung, Mucki, also: fort damit ;-)

Liebe Grüße
Max

Verfasst: 28.06.2008, 20:10
von Mucki
isser ja schon ;-)

Verfasst: 28.06.2008, 22:36
von Estragon
Der letzte Satz ist weg, schon lange, war er jemals dort gewesen :-)

und so war das Gedicht vorher

Nachts
legen sich die wünsche
auf die ziemlich staubigen fensterbänke
sie erzählen sich dinge
die formen annehmen wenn sie ausgesprochen sind

flatterhaft sind diese wünsche
sie fliegen davon
klopfen an
seilen sich ab
wenn du das fenster öffnest

ein morgen
eine stunde
mehr als eine ewigkeit her
schon wieder der nächste augenblick

ein anderes warten gibt es nicht

da fällt etwas hin
füllt den morgen
mit seinem fallen
es ist ein wunsch
der noch schaum an den lippen trägt

er konnte wohl nicht warten