Ich fang mal von hinten an.

Liebe Louisa,
Der Titel
Zitat:
meine hände riechen nach geborgenheit
hat mich sehr interessiert, weil mir das "meine hände riechen nach..." sehr gefallen hat. Als ich dann aber so ein Gefühlssubstantiv sah, dachte ich: Wieso? Wieso nicht nach Essig? Wieso nicht nach Limetten? Sonntag? Frühstück?
Wieso ausgerechnet "Geborgenheit" ? Das ist etwas soooo Schönes, aber es bleibt ein Gefühl... und in Gedichten ist für mich eine der tödlichsten Sachen "Ein Gefühl beim Namen nennen" - Denn das Gedicht versucht doch ein Gefühl bei mir zu erzeugen... Das ist wie wenn ein Mann zu mir sagt: "Ich will jetzt mit Dir ins Bett!" oder er sagt: "Wollen wir einen Kaffee trinken?"
= Beides läuft auf dassele hinaus, aber nur beim zweiten stimme ich zu ... (Ich hoffe Du verstehst)
Mir geht es so, dass ich das Wort „Geborgenheit“ einfach wunderbar klingend finde, es trifft in meiner Vorstellung genau das, was ich sagen wollte, es lässt Raum für individuelle Erinnerungen, Assoziationen, die jede konkrete Benennung für mich zerstören würde. Ich glaube nämlich, dass Geborgenheit für Jeden anders riecht, aber immer unmittelbar dieses sichere Wohlgefühl entsteht. Das hat vermutlich damit zu tun, dass man als Baby und Kind durch den Geruch der Mutter beruhigt wird, dieser Ursicherheit.
Ich finde es manchmal sehr erfrischend, wenn etwas beim Namen genannt wird, man muss nur den richtigen dafür finden.
Zitat:
träumendes gesicht.
Mm... da gibt es, glaube ich noch andere Worte, die diese Stimmung, dieses Gesicht etwas einfallsreicher beschreiben. Ich halte mich mal zurück mit Vorschlägen.
Mir war so, als sei das genau richtig.

Ich glaube das Träumen trifft es hier, weil es sowohl im Schlaf, als auch im Wachen, sowohl bewusst, als auch unbewusst möglich ist und man träumend ehrlich ist, ungeschminkt, maskenlos.
du sehnst die luft
Hieße es nicht ER-sehnst? Was bedeutet "sehnst" in diesem Kontext? Falls es dasselbe wie "ERsehnst" bedeutet: Ich hätte es etwas einfacher, wiesenblumenartiger formuliert... "Du ziehst die Luft aus meinen Händen" -zum Beispiel-
Ich hatte es so gedacht: Du sehnst dich nach der Luft. (Vielleicht wäre auch möglich, dass LDu ev. die Luft in den Händen mit einer Sehnsucht füllt?) Die Luft herausziehen trifft es nicht, da sonst für mich ein leerer Raum entstünde, das Du dem Ich etwas wegnähme.
"Mond und Meer" ... Da würde ich ganz, ganz schnell etwas anderes suchen. Ansonsten bleibt die Stelle für mich einfallslos und leicht hollywood-romantisch.
Ich habe mir bei Mond und Meer schon etwas mehr gedacht, als Happy-Blümchen. Gerade auch im Kontext mit Ebbe und Flut und dem Versinken hatte ich etwas anderes im Sinn, als du gelesen hast. Es geht für mich um Annäherung, Loslassen, Anziehungskräfte, Illusionen, Bewegung, wechselseitiges, Vorstellungen, Irrtümer... Vielleicht funktioniert das so nicht, aber mit dem romantischen Wiesenblumenglücklich gefällt es mir auch.

"Weiße Nächte" habe ich schon oft gehört/gelesen. Die zwei Zeilen erscheinen mir auch nicht sonderlich notwendig. Dieses "Ebbe und Flut" machen hatte für mich schon sehr viel Versinkendes.
Zitat:
wenn sonnenaugen endlos fragen
hält dein herz die türen auf
Also "Sonnenaugen" mag ich ja ganz gerne... Aber das Herz, dass die Türen aufhält
das Versinken gehört zum Ebbe und Flut-Gedanken
Wiki:
Weiße Nächte sind Nächte, in denen die Sonne nur für kurze Zeit untergeht, sodass es auch nachts hell ist.
Ursprünglich sprach man von „passare le notti in bianco“ (die Nächte im Weißen verbringen), um auszudrücken, dass eine Person die ganze Nacht wach verbrachte.
Deshalb gehören da die Sonnenaugen dazu.

Das Herz, ja, wie soll ich das jetzt verteidigen. Ich brauche es hier.
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Und es hat ja für dich, wenn auch widerstrebend doch einen Sinn ergeben. Das ist vielleicht der Vorteil von gebräuchlichen Metaphern.
Dein Celan-Zitat finde ich klasse, das kannte ich nicht.
"find ich heim
bleibe"
Kann man ebenfalls für meinen Geschmack streichen. Dieses "Heim gefunden"-Gefühl wird mir schon im Titel deutlich ...
Ich glaube das ist unverzichtbar. Weil zwischen Titel und der vorletzten Zeile eine Umkehr stattfindet. (Ähnlich wie bei „und das gedicht wurde welt“) Im Titel ist die Geborgenheit beim LIch zu finden, am Ende findet es selbst Heim.
Das natürliche, das du beim lesen empfindest, finde ich sehr schön. Danke für deinen Komm., hat Spaß gemacht darüber nachzudenken.
liebe Grüße smile
Liebe Leonie,
dank auch dir für deinen Komm.
Weshalb findest du denn das Wort Geborgenheit umständlich? Das finde ich interessant, für mich ist es ein sehr rundes Wort. Ein bisschen was habe ich Louisa schon dazu geschrieben.
Wenn ich schreiben würde:
Meine Hände riechen geborgen
Würde das für mich die Aussage umkehren.
Nicht die Hände sind geborgen sondern ihr Duft steht für das, was LDu beim LIch finden kann (könnte).
Die „mach ich“ möchte ich nicht streichen. Ich glaube es geht mir hier nicht um ein geschehenlassen, sondern um das Bild, das LDu von der Beziehung hat.
„du dunkelst mich“ hatte ich synchron zu „du sehnst die luft“ gesetzt
Weshalb würde es dem Leser mehr Spielraum lassen das umzukehren?
liebe Grüße smile
Liebe Elsa, lieber moshe und bilbo
freut mich, dass es euch gefällt.
liebe Grüße smile