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Sommergewitter
Verfasst: 30.07.2007, 21:44
von Perry
Sommergewitter
Wie ausgeschlagene Zähne
liegen Pappbecher auf dem Rasen
Zerfetzte Lampions schneiden
Grimassen ins Blitzlicht
Nacktschnecken zeichnen
Hickelfelder auf den nassen Teer
in denen aufgeblasene Kröten
Himmel und Hölle hüpfen
Es ist als wollte die Finsternis
sich alles zurückholen
was wir an hellen Tagen
aus ihrem Bett geraubt
1. Fassung:
Sommergewitter
Wie ausgeschlagene Zähne
liegen Pappbecher auf dem Rasen
Zerfetzte Lampions schneiden
Wachsfigurengesichter
Nacktschnecken zeichnen
Hinkelfelder auf den nassen Teer
in denen aufgeblasene Kröten
Himmel und Hölle hüpfen
Es ist als wollte die Finsternis
sich alles zurückholen
was wir an hellen Tagen
aus ihrem Bett geraubt haben
Verfasst: 31.07.2007, 07:00
von woitek
Moin Perry,
mein Kompliment, tolles Gedicht, prima Bilder die ich größtenteils gut nachvollziehen kann und so auch schon erlebt haben. Wiedererkennungseffekte sind immer ein Gewinn.
Die aufgeblasenen Kröten, die Himmel und Hölle hüpfen kann ich nicht klar erkennen, doch sonst ein für mich typisches Ende eines schönen Sommerfests, wie es vor allem dieses Jahr immer wieder vorkommt.
Wenn ich genau darüber nachdenke finde ich, dass du die ganze Szenerie in deinem Stück etwas düster besetzt, während bei mir der Grundton eher positiv wäre.
Gern gelesen.
Gruß
Woitek
Verfasst: 31.07.2007, 13:54
von Mucki
Hallo Manfred,
sollte dies tatsächlich ein Gedicht sein, das man 1:1 liest? *staun*
Es gefällt mir, wie du das Szenario so bildhaft beschreibst.
Ich musste hier lachen:
Nacktschnecken zeichnen
Hinkelfelder auf den nassen Teer
in denen aufgeblasene Kröten
Himmel und Hölle hüpfen
weil ich mir vorstellte, wie da zig Nacktschnecken quasi kleine Hinkelsteine bilden, (also noch da sind) auf denen die Kröten herumhüpfen *kicher*
Saludos
Mucki
Verfasst: 31.07.2007, 15:32
von Ramona_L
... grüß Dich Manfred,
gefällt mir sehr, man sollte es mehrmals lesen,
es bracht viel Raum zwischen den Zeilen, damit sich
die Bilder wirklich entfalten können ...
herzliche Grüße,
Ramona
Verfasst: 31.07.2007, 17:47
von Perry
Hallo Woitek,
schön, dass meine Bilder bei dir einen Wiedererkennungseffekt auslösen konnten. Der Text ist deshalb etwas düster angehaucht, weil er in seiner übertragenen Bedeutung auch den ewigen Kampf zwischen Gut (Licht) und Böse (Dunkelheit) beschreibt, in dem wir auf einem Bein hüpfend verzweifelt versuchen ans Ziel zu kommen.
Danke für dein Interesse und LG
Manfred
Hallo Mucki,
ja eine wirklich skurilles Bild, das du da reininterpretiert hast. Der Fehler liegt bei mir, weil ich statt der "Hickelfelder" aus dem Kinderhüpfspiel Himmel und Hölle Hinkelfelder geschrieben habe. Die aufgeblasenen Kröten stehen übrigens für uns selbst, weil wir uns gern zu wichtig nehmen und sehen im Spiel der Naturmächte.
Danke für dein schmunzelndes Lesen und LG
Manfred
Hallo Ramona,
ich bemühe mich meistens in meinen Texte auch eine übertragene Ebene für die Leser zu öffnen. Es freut mich, dass du sie hier entdecken konntest.
Danke und LG
Manfred
Verfasst: 31.07.2007, 19:26
von Mucki
Hallo Manfred,
also doch nicht 1:1, hätte mich auch gewundert ,-)
Ja, die Hinkelfelder waren dran schuld *g*
Saludos
Mucki, die vielleicht früher zu oft Axterix & Obelix "gelesen" hat (Hinkelsteine) ,-)
Verfasst: 31.07.2007, 19:36
von woitek
Mucki, alles kann mehrere oder mindestens eine zweite Bedeutungsebene tragen und so kann alles Bezeichnete zum metaphorisierenden Element tieferer Bedeutungsschichten werden. Der Fächer kann dabei von von Allgemeinschauplätzen bis zu Makrodarstellungen führen. Die Intention des Autors ist dabei irrelevant, so lange Bedeutungsübertragungen mit handfesten Argumenten gestützt werden können.
Verfasst: 01.08.2007, 19:08
von Caty
Lieber Perry,
ein schönes Gedicht, Szenerie nach einem Gartenfest oder Parkfest. Nicht erklärlich sind mir die Hinkelfelder. Was ist das? In der 3. Strophe muss der Konjunktiv heißen: "als wolle" statt "als wollte". Eine übertragene Bedeutung hier zu finden, fällt mir schwer, ich finde sie nicht.
Herzlich Caty
Verfasst: 01.08.2007, 19:22
von woitek
Hallo Caty,
nun komm schon, lies doch auch mal die vorhergehenden Kommentare, dann erübrigen sich Fragen wie:
Nicht erklärlich sind mir die Hinkelfelder. Was ist das?
ganz von selbst.
@Perry
und du könntest den Tippfehler eigentlich beseitigen.
Verfasst: 01.08.2007, 19:30
von Caty
Ich lese absichtlich nicht meine "Vorschreiber", um eine unbeeinflusste Meinung zu schreiben. Les immer hinterher. Caty
Verfasst: 01.08.2007, 19:39
von Perry
Hallo ihr Lieben,
nur keine Hektik, das kriegen wir alles auf die Reihe.
Das mit der übertragenen Ebene ist so eine Sache. Wie Woitek schon festgestellt hat, sollte sich diese dem Leser von selbst erschließen.
Caty, du kannst bei Interesse aber gern meine Intention in den Komms nachlesen.
LG
Manfred
Verfasst: 01.08.2007, 19:40
von woitek
@Caty
Aber wie willst du dich so an einer laufenden Diskussion beteiligen? Ist man erstmaliger Kommentator wirft man alle Anmerkungen zum ersten Mal auf. Es soll hier doch vorrangig um die Diskussion von Texten gehen und dazu muss man den "Mitspielern" schon zuhören. Oder bist du noch Einzelkämpferin? (solls ja auch geben, vor allen unter jüngeren Mitmenschen)
Ich lese einen Text zuerst auch mehrfach, bilde mir meine eigene Meinung und weiß im Grunde schon, was ich schreiben würden, wenn ich Erstkommentator wäre. Dann lese ich den gesamten Faden um nicht schon diskutierte Fragestellungen neu aufkochen zu müssen. Ist eine gute Methode, denk mal über die Umsetzung nach, falls du Annehmen schon gelernt hast.

Verfasst: 01.08.2007, 19:52
von Mucki
Hallo woitek,
jep, genauso verfahre ich auch. Ist, wenn man einen Text mehrfach gelesen hat, sich seine Meinung dazu gebildet hat, dann ganz interessant, wie oft sie sich mit den Vorkommentaren deckt oder genau das Gegenteil,-)
Saludos
Mucki
Verfasst: 04.08.2007, 11:24
von Schwarzbeere
Wie weit, lieber Perry,
haben sich unsere Sprachvarianten schon voneinander entfernt, dass ich deine Hickelsteine nicht einmal mehr in meinem Wörterbuch finde, wobei ich auf
Hinkel, Hünkel (mundartl.)Hühnchen
stieß, das mir auch unbekannt war. Was aber der Phantasie freien Lauf gewährt und die Bildhaftigkeit deines Textes nur umso saftiger werden lässt!
Vielleicht hättest du das letzte Wort - haben - weglassen sollen?
Beste Grüße. Schwarzbeere