Beitragvon aram » 17.02.2007, 15:12
liebe magic,
dass "schweigend springen" auch in den tod springen heißen kann - und so auch am ehesten sinn macht - hatte ich glatt übersehen.
damit beschreibt der text eine stufe der selbstreflexion, in der die folgen einer nicht vorgenommenen handlung (zerfetzen des zweiten gesichts) vorausgesehen werden - und der schwerpunkt verlagert sich auf die frage, weshalb das geschehen genau so gesehen wird - das lyr.ich empfindet seine maske als unbefriedigend, kann sich aber nicht vorstellen, aus ihr heraus zu gelangen, außer sie zu "zerfetzen" - vielleicht, weil es alles andere schon versucht hat, nur um festzustellen, dass genau das die maske wieder aufbaut.
welche grunderfahrungen hinter dieser sicht stehen bleibt im dunkeln, womit der text selbst zur "maske" wird - das lyr.ich steht sich selbst im weg und kann seine lebensenergie nicht fließen lassen, ohne einen fluss der selbstzerstörung freizusetzen.
durch die blockade hält sich dieser kreis selbst aufrecht, die imaginierte realität - die illusion der alternativen "maske oder tod" - wird zur wirklichen wirklichkeit, und die erkenntnis darüber schürt den kreis nur weiter, genau das ist die maske.
das lyr.ich hat nur die chance, dass sich die "richtung der gehaltenheit" umkehrt (d.h. es würde einen "stoß" in dieselbe richtung erhalten, aus der es sich selbst zurückhält), im schub würde etwas neues, unbekanntes, eine unerfahrene erfahrung geschehen - und das bekannte lyr.ich in diesem sinne auf jeden fall sterben.
soweit meine interpretation.
maskengrüße,
aram
there is a crack in everything, that's how the light gets in
l. cohen