Liebe Leonie,
ja, ich weiß genau, wie Du es meinst, aber Deine Version würde nach meinem Empfinden meine Intention verzerren, wie ich Dir schon schrieb, darum möchte ich diese Stelle gerne so belassen.
Liebe Gabriella,
Gerda sprach ja u.a. genau diese Stelle auch an. Ich will gerne darüber nachdenken, ob und wie ich diese Stelle ausweiten kann, ohne gleich ins Prosaische zu verfallen (mehr dazu in meiner Antwort an Gerda).
Liebe Gerda,
hab Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Wir haben uns nun schon so oft mündlich und schriftlich über unsere und die Texte anderer Autoren ausgetauscht, dass ich schon ahnte, dass Du mit meinem Text Probleme haben würdest. Ich will versuchen, im Einzelnen auf die Punkte einzugehen, die Du ansprichst. Vielleicht wird dadurch das eine oder andere Problem für Dich etwas kleiner oder sogargelöst.
Du sprichst die Verse
Er hatte gegen das Leben gespielt
und verloren.
Selten sprach er von der Zeit seiner Siege,
seines Zenits. an und schreibst:
Meiner Ansicht nach geht das nicht zusammen.
Wie kann jemand der ausschließlich auf der Verliereseite des Lebens steht, von Zeiten der Siege sprechen?
Wann hatte er seinen Zenit und wodurch?
In den weiteren Versen sprichst du ja ebenso ausschließlich vom Abseits.
Hier kann ich Dir nicht zustimmen, denn in der ersten Strophe ist von einer Ausschließlichkeit nicht die Rede. Spiel impliziert theoretisch sowohl Gewinne als Verluste und mein Alter hatte beides, bis er am Ende – wenn Du so willst – zu hoch pokerte und endgültig verlor, um auf dieser bildhaften Ebene zu bleiben.
Die Frage, wann und wodurch er seinen Zenit erlebte, ist für mich im Gesamtkontext des Gedichts eigentlich nebensächlich, wichtig dagegen, dass er ihn hatte. Dann könntest Du mit gleichem Recht fragen, wann er gegen das Leben spielte und wodurch er letztlich verlor.
Dann schreibst Du:
Wenn niemand von ihm Notiz nahm, wem hätte er von Siegen berichten können?
"Schmutz der Stätte" ist mir zu allgemein, er hat doch sicher in einer bestimmten Stadt gelebt. "Zur Ruhe betten" hört sich nach beschaulichem Begräbnis an, wie das?
Auch hier muss ich Dir widersprechen. Ich schrieb nicht, dass von
ihm niemand Notiz nahm, sondern von
seinem Kommen und Gehen. Er war irgendwann da, wie aus dem Nichts, und ebenso leise verschwand er wieder. Mir schwebte ein wortkarger Mensch vor, der nur selten mit einigen wenigen über sein Leben sprach, die er unterwegs traf. Und auch, was die Stadt betrifft, gehen wir nicht konform. Es war keineswegs eine bestimmte Stadt. Mein Text bezeichnet ihn nicht ohne Grund als einen G
etriebenen, der über endlose Straßen (und damit auch von Stadt zu Stadt) zieht.
Dann sprichst Du das Begräbnis an. Einerseits hast Du Recht, ein „Armenbegräbnis“ oder auch ein anonymes sind natürlich nicht „beschaulich“. Wobei ich mich gerade frage, ob dieser Ausdruck überhaupt auf ein Begräbnis zutreffen kann. Aber selbst diese Beerdigungen verlaufen noch mit einem Mindestmaß an Würde vor dem Verstorbenen und die Bezeichnung „zur Ruhe betten“ scheint mir daher kein Widerspruch, zumal mir auch der Begriff der Ruhe im Zusammenhang meines Gedichtes wichtig war als Gegensatz zur Ruhelosigkeit des Alten zu seinen Lebzeiten.
Du verweist im Weiteren auf den letzten Satz, der für Dich paradox klingt, wie Du schreibst. Nicht nur ich als „Dichter“ dieser Verse weiß um die Existenz des Alten. Der Mann lebte ja nicht alleine auf einer einsamen Insel, sondern traf natürlich auf seinen Wegen mit anderen Zeit- und Leidensgenossen zusammen (siehe oben).
Und was das Lächeln betrifft, hier verstehe ich Deine Skepsis allerdings gut. Magic hat auch schon auf diese Stelle verwiesen. Nach meiner Vorstellung ist es das Lächeln eines Menschen, der sich nach vielen Kämpfen mit seiner Situation arrangiert hat, nicht mehr dagegen rebelliert, und somit eine gewisse Gelassenheit und auch Nachsicht, ja, erreicht hat. Menschenliebe, wie Du schreibst, sicherlich nicht, das wäre dann doch zuviel des Guten.
Ich verstehe Deine nachdrückliche Anregung zu einer ausgeweiteten Prosaversion durchaus, aber ich habe ja bei der Arbeit an dieser Version gespürt, - und ich gebe zu, dass das jetzt verrückt oder melodramatisch kling – dass die Zeit dafür noch nicht reif ist. Und zwingen mag und kann ich es nicht
Ich weiß nicht, ob Dir meine Antwort nun geholfen hat oder nicht. Ich bin Dir jedenfalls, wie auch leonie und Magic, für Deine kritische Betrachtung meines Gedichts dankbar, weil sie mir geholfen hat, es selbst noch einmal an verschiedenen Stellen zu hinterfragen.
Liebe Grüße an Euch
Herby