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Vor dem Frost
Verfasst: 31.10.2006, 14:48
von leonie
Vor dem Frost
Farben welken
im Lichtschleier feiner Tropfen
weicht jede Haut
Blüten neigen sich
lächeln
ein letztes Mal
Ich decke Saat mit
rostenden Blättern
pflücke ein Leuchten
vor dem Frost
Sich betten
auf Lärchennadeln
hüllen in sanftes Moos
Doch nichts
macht mir das Herz
winterfest
Erstfassung:
Vor dem Frost
Farben welken
im Lichtschleier feiner Tropfen
weicht jede Haut
Mühsam heben Rosen
die Köpfe lächeln
ein letztes Mal
Ich decke Saat mit
rostenden Blättern
pflücke ein Leuchten
vor dem Frost
Sich betten
auf Lärchennadeln
hüllen in sanftes Moos
Doch nichts
macht mir das Herz
winterfest
Verfasst: 31.10.2006, 15:29
von Paul Ost
Liebe Leonie,
ein schönes Gedicht in Erwartung des Winters. Solche schönen Gedichte können einem das Herz aber doch winterfest machen, oder nicht?
Grüße
Paul Ost
Verfasst: 31.10.2006, 16:20
von maxl
Liebe Leonie,
Sehr melancholisch und gut beobachtet.
Ich erlaube mir etwas anzumerken: mM. könnte
feiner mit
von eingetauscht werden und hier:
Mühsam heben Rosen
die Köpfe lächeln
ein letztes Mal
mein Vorschlag:
lächelnd heben Rosen
schwere Köpfe
ein letztes Mal
Oder so ähnlich. Mir kommt es so rum fließender vor, wenn
ich laut lese.
Ein sehr schönes Gedicht zum Träumen und Denken.
lg
maxl
Verfasst: 31.10.2006, 16:36
von scarlett
Liebe leonie,
leise, nachdenklich, melancholisch - einfach schön!
Das berühmte i-Düpferl - die letzten Zeilen, sie geben erst dem Ganzen die Tiefe, heben es auf eine andere Ebene. Das ist dir wirklich gut gelungen.
Vielleicht könnte man tatsächlich aus dem "lächeln" ein Partizip machen - würde für mich noch versöhnlicher klingen...
Auch habe ich, gerade so mal eben für mich, dein Gedicht mit einer Frage enden lassen - das hat auch was, probiers mal aus. (Das ist kein Änderungsvorschlag, es gibt eine andere Nuance).
Wunderschön das "pflücke ein Leuchten/vor dem ersten Frost"...
Sehr gern gelesen,
scarlett
Verfasst: 31.10.2006, 19:52
von Max
Liebe Leonie,
auch mir gefallen diese leisen Zeilen gut. Ich glaube aber auch einen leichten Qualitätsunterschied in den verschiedenen Strophen zu erkennen. Nun vielleicht ist das nur mein geschmack ...
im Lichtschleier feiner Tropfen
weicht jede Haut
finde ich beispielsweise ebenso originell und schön wie
pflücke ein Leuchten
vor dem Frost
Mit der Strophe 2 tue ich mich aber noch ein wenig schwer. Irgendwie hätte ich Schwierigkeiten über Rosen und deren Köpfe zu schreiben, weil mir Herr Claudius nicht au s dem Sinn ginge ... oder?
Liebe Grüße
max
Verfasst: 31.10.2006, 21:08
von leonie
Lieber Paul Ost,
danke! Hm, bei mir weichen Gedichte das Herz manchmal noch mehr auf. Ja, aber irgendwie ist das auch schön....
Lieber maxl,
vielen Dank! die Kombination mit „von“ finde ich nicht so schön.
Und bei dem anderen Vorschlag ginge verloren, dass die Zeile „die Köpfe lächeln“ auch für sich stehen kann. Ich warte noch mal ab.
Liebe scarlett,
auch Dir vielen Dank! Witzig, ich hatte auch mit der Frage am Schluss gespielt, mich aber erst mal so entschieden. Vielleicht wird dies wieder eins der Gedichte mit zwei Fassungen...
Lieber Max,
ja vielleicht hast Du recht mit der zweiten Strophe, ich habe sie nochmal verändert, um die Grenze zum Kitsch ein wenig auf Distanz zu bringen. Was meinst Du dazu? Kannst Du mir noch mal das ganze Zitat von Claudius nennen, ich komme nicht drauf, mir fällt gerade immer nur „Der Mond ist aufgegangen“ ein...(Frei nach dem Motto: Seit ich Alzheimer habe, lerne ich täglich neue Menschen kennen...). Danke auf jeden Fall.
Liebe Grüße Euch allen
leonie
Verfasst: 31.10.2006, 21:20
von Max
Liebe Leonie,
Claudius ist meine Schuld und MEIN Alzheimer .. ich habe in meinem Kopf ganz tapfer "Der Mond ist aufgegangen" und "die Blümelein sie schlafen" ineinandergesummt und das niken die Blümchen mit den Köpfen und irgendwo gibt es glaube ich auch noch röschen. Das schöne ist, dass mkir mit zunehmendem Alter nix mehr peinlich
.gif)
.
Die 2. Strophe ist so trotzdem besser

Liebe Grüße
max
Verfasst: 31.10.2006, 21:55
von königindernacht
Ach, das ist doch so ganz nach meinem Sinne- wunderschöne Bilder, die leichte Melancholie und dieser Seufzer zum Schluss. Herbst.
Danke für das stille, schöne Gedicht in seiner zweiten Fassung,
herzlichst, KÖ
Verfasst: 31.10.2006, 22:48
von leonie
Lieber Max,
schön, Dich kennen zu lernen, mein Name ist leonie....Von die Blümelein sie schlafen kann ich nur die erste Zeile, aber da scheine ich ja nicht viel verpasst zu haben...
Liebe Kö,
vielen Dank, da freue ich mich!
Gute Nacht Euch beiden
leonie
Verfasst: 02.11.2006, 23:36
von Mucki
Hallo leonie,
du lässt den Leser bildreich sehr schön in diese wehmütige Stimmung versinken.
Den letzten Satz würde ich anders schreiben (er bricht aus dem sonst so poetischem Rahmen aus, das Wort "macht" stört)
Klopft mein Herz
winterfest?
Oder etwas in diesem Sinne...
Saludos
Gabriella
Verfasst: 03.11.2006, 17:35
von leonie
Liebe magic,
vielen Dank! Ich überlege schon die ganze Zeit hin und her wegen des letzten Satzes. So wird der Sinn ja doch ziemlich verändert. Die Idee mit dem Klopfen finde ich schön, aber wie kriege ich das in eine Aussage? Hm..., ich denke weiter darüber nach...
Liebe Grüße
leonie
Verfasst: 03.11.2006, 18:35
von Mucki
Liebe leonie,
du meinst, du möchstest keine Frage daraus machen? Wie wäre:
dennoch klopft
mein Herz nicht
winterfest
Saludos
Gabriella
Verfasst: 03.11.2006, 19:10
von Max
Liebe Magic, liebe Leonie (wer auch immer du bist),
also, wenn die letzte Strophe schon in diese Richtung gehen soll (ich hätte nichts gegen winterfest machen einzuwenden gehbat), dann würde ich doch ein "schlagen" statt eines "Klopfens" bevorzugen. Ich denek aber auch nochmal über die letzte Strophe nach.
Liebe Grüße
max
Verfasst: 04.11.2006, 08:29
von scarlett
Liebe leonie,
also gegen das "machen" in der letzten Strophe habe cih eigentlich auch nichts einzuwenden - ich finde, es paßt.
Gruß,
scarlett