Liebe königindernacht,
deiner Bitte möchte ich nun nachkommen.
Ich habe den Text immer wieder hin und her bewegt
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Steyk hat schon klar gestellt, worum es geht.
Da brauchst du dir, denke ich, keine Gedanken machen, wie du es noch klarer machen könntest.
Auch für mich ist es eindeutig.
Die Bilder, die du entwirfst sind klar, dennoch nicht distanziert genug, wie ich meine einerseits und andererseits noch zu nahe am Mädchen.
Die Mutmaßungen über die Gedanken des Mädchens sollten erkennbar deine Gedanken sein, meine ich. Im Rückblick - und im Hinblicken auf die Zukunft.
Es ist die Übertragung deiner Gedanken auf das Mädchen von dem vielleicht viel, wenig, oder auch gar nichts weißt???
Das sind Überlegungen allgemeiner Art, die du dir vielleicht alle schon gemacht hast, die ich aber für so wichtig halte, dass ich dir meine Gedanken mitteile.
Zum Text- und Aufbau
Er hat mir noch zu viel Proaisches, ist noch nicht verdichtet genug.
Ich schreibe kursiv mal in den Text hinein, wo ich mir noch mehr Verdichtung oder auch andere Formulierungen vorstellen könnte, alles nur Vorschläge:
Vierzehn I.
Lippenfarbe
legst du
auf deine Lider Begründung: Tatsächl. sind es die Lider und du hättest dann auch noch den Stabreim Lippen/Lider verdichteter, distanzierter
II.
zu grell,
das Violett
nicht zu
übersehenBegründung: komprimierter und eindringlicher meine ich
IV.
Lass uns dennoch
nach dem Blau
unter ihm
suchen.
Mit dem mitleren Vers tue ich mich am Schwersten, deswegen kommt der erst am Schluss dran
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Beim letzten Vers stehe ich vor der Frage: muss es das
Blau sein, was so oft dieRolle des Guten + Klaren spielt?
Muss der letzte Vers überhaupt sein, oder ist nicht vielmehr durch die Erkenntnis der Erwachsenen, die im Gedicht entwickelt wird, schon alles gesagt?
Die positve Aussicht, so denn es überhaupt etwas "Negatives" ist, sich mit 14 unter Schminke zu verstecken, was ich bezweifle, muss m. E. nicht unabdingbar formuliert werden.
So bekommt, dein Gedicht so ein bisschen was Belehrendes, so nach dem Motto: Wir werden gemeinsam deine guten Seiten wieder unter der Schminkschicht entdecken, lass mich mal machen
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Vielleicht wäre etwas in Richtung:
- doch du
bleibst für mich ...usw
Mehr daruf hin arbeiten, dem lyr, du zu zeigen, dass das Innenverhältnis immer noch so wie vorher ist
Tja nun das Mittelstück:
III
versteckst unter ihnen
buntes Erinnern
an das Malen
mit Fingerfarben
wütenden Protest
gegen das Klopfen
an deiner Tür ins Ich
erstes Sehnen
nach warmem Atem
an erwartungsvoller Haut
Da werden die Vermutungen in Frageform gekleidet beschrieben, warum das Mädchen sich so geschminkt hat und was es fühlen könnte...
Es fehlen Satzzeichen um diesen langen Fragesatz (eine Leidenschaft von dir, lange Sätze?)
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klarer zu bekommen.
Dann würde ich berücksichtigen, dass ein 14 jähriges Mädchen wahrscheinlich schon lange nicht mehr mit Fingerfarben gemalt hat, und vielleicht auch erst wieder nach der Pubertät einen Bezug dazu entwickeln kann, wenn es künstlerische Ambitionen hat.
Vorschläge:
Hinter die ersten zwei Zeilen ein Fragezeichen.
Dann vielleicht:
ich höre deinen inneren Protest
wie er wütend sich auflehnt
gegen das Klopfen
an deiner Tür (statt
ins Ich, habe ich
inneren gewählt, scheint mir so mehr dem stillen Protest zu entsprechen
erahne dein
erwartungsvolles Sehnen
nach warmem Atem
und fremder HautHier habe ich das
erste weggelassen, weil ich glaube, dass dieses Sehnen schon viel früher beginnt, nur mit 14 Jahren hinter verschlossenen Türen vielleicht zum ersten mal in die Tat umgesetzt wird - was heutzutage dann relativ verspätet ist.
Mir fehlt das Wissen, aber es muss ja auch nicht haarscharf dem Bild der Statistik entsprechen, wo und in welchem Alter erste sexulle oder körperliche Kontakte zwischen den Geschlechtern ausgetauscht werden.
Ich finde die Perspektive des Gedichts interessant und könnte mir durchaus vorstellen, dass du daran noch eine Weile arbeiten wirst, denn es sind Gedanken enthalten, die sich nicht so schnell in ein paar Worte gießen lassen.
Ich hoffe, ich konnte herüberbringen wie ich das Gedicht sehe und gleichzeitig , dass ich Reize setzen konnte, die dir bestefalls ein wenig die Hand führen oder dich inspirieren.
Natürlich verstehe ich ganz sicher manches anders als es deine Intention ist, aber daran können wir ja arbeiten

Hat mir Freude gemacht.
Liebe Grüße
Gerda
@ Bela, weißt du, es wäre sicher hilfreich für königindernacht zu wissen, wieso du es als Liebesgedicht interpretierst.
LGG