du gehst durch meinen gedichtwald

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birke
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Beitragvon birke » 31.08.2021, 17:30

.

der ausgefallene sommer
neigt sich dem herbst zu
tropfen benetzen
den boden so nah
war mir deine stimme
nie im oktober
jage ich
sammle und hüte
deine anwesenheit
in mir

.
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nikolaus
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Beitragvon Nikolaus » 17.09.2021, 10:51

Das ist einfach nur wunderschön! In Wort und Bild perfekt!

Herzliche Grüße - Niko
Ich lese Lyrik. Das spart Zeit.

(Marilyn Monroe)

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birke
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Beitragvon birke » 17.09.2021, 19:18

oh, danke, niko!
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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jondoy
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Beitragvon jondoy » 12.10.2021, 23:13

hach, die Titelzeile ist so verlockend,

komm spazieren wir mal durch diesen gedichtwald,
unter der blauen regenbogensekunde
inmitten in der magischen Nacht,
in der herbstschnee fällt,
der das bergpanorama einpudert,
als bestünde es aus kalksteinhübschen alpinen gestalten,
die sich entschlossen hätten
gemeinsam auf den weg zu machen
zu einer dekadenten kostümparty
nach jahrtausendealtem stillstand

siehst du dort drüben die ausgefallenen Sommerbäume
warum die so heißen,
weil die so schön ausgefallen sind,
ihre warmharzigen tage galt es zu entdecken

auf der anderen Seite siehst du die neigt sich dem herbst zu bäume,
die neigen ihre köpfe in das herbe meer der wüsten phantasie,
haben sich vor kurzem nachts ihre haarpracht färben lassen,
braun, rot und ockerfarben war bei ihnen der Renner
wollen endlich mal punkig aussehen,
nach all dem grünen allerleih,
der wind will ihnen eine Glatze rasieren,
aber noch sträuben sie sich,
siehst du, der da drüben trägt eine kastanienkette um den hals,
wenn du ihn blöd anmachst, zerreißt er sie und schmeißt mit
kastanienbraun nach dir, weil du ihm gefällst,

dort in der senke blüht der tropfenwald,
es ist kein regenwald, ein tropfenwald,
tautropfen, die sich in ihm bilden, benetzen deine haut,
wenn du morgens dem abend in die arme läufst,
aber nicht weisst, dass heute dienstag ist,
also gar nicht sein kann, was nicht ist,

dem boden sind die herbstflocken
nie so nah wie morgens
es ist ihnen im schweben, als wenn sie den boden berührten
eh sie im letzten moment davor wie seifenblasen zerplatzen

nie im oktober, eine ehrliche zeitangabe,
ich lebe im nie im oktober,
im nie im oktober und jetzt,
fahre auto nie und oktober,
wenn du verstehst was ich nicht meine,
plötzlich taucht er vor dir auf
der nachtzirkus, nicht dass er ist,
aber kein mensch weiss,
wann und wo er zur vorstellung einlädt.

hörst du es,
was der wind dir zuflüstert
hier in diesem (ge)dicht(em) (wasigen)wald,
dass er deine anwesenheit jagt
und sammelt und hütet wie
einen schatz,

wenn das nicht kostbar ist.
Zuletzt geändert von jondoy am 14.10.2021, 21:01, insgesamt 7-mal geändert.

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birke
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Beitragvon birke » 14.10.2021, 13:04

... das ist aber ein ganz und gar wundersamer wunderbarer spaziergang, lieber jondoy,
ganz herzlichen dank für diese bilder!
(... sind gedichtwälder sonderbar wunderbar! ;) )
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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