Seite 1 von 1
Gefängnisse
Verfasst: 29.09.2013, 12:44
von Xanthippe
Scheppernde Klagen.
Aber wenigstens neu gemischt.
Das Mischverhältnis aus
Weitsicht und Rücksicht
also grundlegender Vorsicht,
weiser Voraussicht,
die zurück und von sich weist,
was sich später verläuft.
Wir haben einen denkwürdigen Riss in den Tag gemacht
und alles andere vergessen.
Geläuterte Träume
(zweistimmig, aber einsprachig).
Verlierer der seltenen Sorte,
die ihre Verluste begrüßen,
sich ihnen anschließen.
Das Schlimmste
sei die leere Stelle (Leerstelle),
dort wo normalerweise die Türklinke ist.
Das, sagt der Gefangene,
sei das Schlimmste am Gefängnis.
Verfasst: 29.09.2013, 15:42
von Klimperer
habe einen kleinen Fehler gefunden ... Aber ich maße mir nicht an, dich zu berichtigen: You are the native speaker!
Werde später in Ruhe lesen, ich glaube, es ist ein sehr gutes Gedicht.
Salut Xanthi,
Carlos
Verfasst: 29.09.2013, 15:55
von Zefira
habe einen kleinen Fehler gefunden
.... Vielleicht die "Türklinge"? Ich habe mir den Beckmesser verkniffen, weil ich dachte, vielleicht ist es Absicht ...
(Ich wüsste gerne, wodurch das Gedicht inspiriert wurde. Die erste Strophe erinnert mich an die derzeitigen Versuche einer Regierungsbildung.)Sonnige Grüße!
Verfasst: 29.09.2013, 16:45
von Xanthippe
Danke sehr. Fehler ist berichtigt.
Verfasst: 30.09.2013, 09:39
von Klimperer
Hat Zefira Recht? Daran hatte ich gar nicht gedacht.
Die letzte Strophe aber, auch wenn es nicht so gemeint wäre, erinnert stark am Gefängnis.
Es könnte natürlich im übertragenen Sinn zu verstehen sein, wie in einer Beziehung, zum Beispiel, wo man über keine "Klinke", über keine Möglichkeit mehr verfügt, selbst aus der Zelle auszubrechen ...
"Geläuterte Träume (zweistimmig aber einsprachig)..." Das könnte ein Hinweis auf die Wahlen sein.
Viel nachzudenken gibt dein Gedicht, bring meine alten grauen Zellen zum schwitzen!
Verfasst: 30.09.2013, 10:31
von Zefira
Ich sehe es als eine bildhafte Darstellung der Unfähigkeit, aus Denkmustern auszubrechen. Aber das passt ja sehr gut zur derzeitigen politischen Situation: Man ist so darauf bedacht, sich nach allen Seiten abzusichern und gut dazustehen, dass ständig alles im gleichen ausgefahrenen Kreis herumläuft.
(Der Zwang, immer und überall gut auszusehen, dominiert alles. Wenn Politiker nicht mehr ins Fernsehen dürften, hätten wir vielleicht eine Chance auf Veränderung.)
Sonnige Grüße
Zefira
Verfasst: 30.09.2013, 11:02
von Mucki
Ich lese es wie Zefi, nur die letzten beiden Zeilen bereiten mir Kopfzerbrechen, die passen irgendwie (noch) nicht so richtig dazu.
