Septemberregen (Pantun)

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Rita

Beitragvon Rita » 09.09.2013, 10:26

Septemberregen (Pantun)

Es regnet, regnet ohne Unterlass.
Man hat den Sommer sich schon abgeschminkt.
Nur schwer erträgt man jetzt das kühle Nass.
Septemberregen, und die Stadt ertrinkt.

Man hat den Sommer sich schon abgeschminkt.
Den Rest von Sonne nimmt man mit ins Jahr.
Septemberregen, und die Stadt ertrinkt.
Man ist genervt und kaum noch ansprechbar.

Den Rest von Sonne nimmt man mit ins Jahr.
Als Mensch ist man ja einiges gewohnt.
Man ist genervt und kaum noch ansprechbar.
Wohl wahr, der Sommer hatte sich gelohnt.

Als Mensch ist man ja einiges gewohnt.
Nur schwer erträgt man jetzt das kühle Nass.
Wohl wahr, der Sommer hatte sich gelohnt.
Es regnet, regnet ohne Unterlass.
Zuletzt geändert von Rita am 09.09.2013, 18:58, insgesamt 1-mal geändert.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 09.09.2013, 14:24

Hallo Rita, die Form finde ich witzig - aber ich sehe doch auch ein paar Unzulänglichkeiten.

- Es gibt auch Sommerregen; der noch nicht auf den Herbst hinweist und dennoch heftig bis unerträglich sein kann.

- "Den Sommer sich abgeschminkt" halte ich für keine gute Wendung, egal ob in Lyrik oder Prosa.

- Müsste es nicht heißen "einEN Rest von Sonne nimmt man mit ins Jahr"? Also müsste wenigstens ein Apostroph hin.

- Den Übergang "Als Mensch ist man ja einiges gewohnt./ Man ist genervt und kaum noch ansprechbar." finde ich nicht plausibel.

Rita

Beitragvon Rita » 09.09.2013, 18:53

Hallo Amanita,

wenn ich das mit dem Pantun richtig verstanden habe, so geht es nicht darum, dass es witzig sein sollte.
Ich denke mir, in Malaysia, woher diese Form stammt, geht es einfach darum, durch Wiederholung beim Zuhörer zu erreichen, dass er sich den gesprochenen Text einprägt. Ich denke, das stammt noch aus halbbarbarischen Zeiten, als die Technik noch nicht so weit war, Gesprochenes wiederholen zu können. Wie es sich aber wirklich mit dem Pantun verhält, weiß ich beim besten Willen nicht. Vielleicht gibt es hier jemand, der sich da auskennt.

Selbstverständlich gibt es auch einen Sommerregen, und der kann auch heftig bis unerträglich sein, das ist eine sehr richtige Bemerkung.

Den Übergang von "Man ist als Mensch ja einiges gewohnt" zu "Man ist genervt und kaum noch ansprechbar" finde ich ganz gut. Der zweite Satz funktioniert wie ein Nachsatz, wie eine nähere Erläuterung. Aber welcher Satz da hingehört, hängt nicht von mir, sondern von der Form des Pantuns ab. Pantun, das ist ein bisschen wie Würfeln.

Ja, da hast du recht, da habe ich nicht korrigiert. Es muss heißen "den Rest" und nicht "ein Rest".

Meine Formulierung lautete nicht: "Den Sommer sich abgeschminkt", sondern: "Man hat den Sommer sich schon abgeschminkt". Ich habe eine halb umgangssprachliche Stilebene gewählt, und da dachte ich mir, dass "abgeschminkt" nicht so verkehrt ist. Dass es bei einer höheren Stilebene falsch am Platze wäre, ist klar, keine Frage.

Hab vielen herzlichen Dank fürs Kommentieren.

Lieben Gruß, Rita

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 09.09.2013, 21:37

Hallo, Rita,

Regen, Dauerregen, der Wechsel des Wetters, der Jahreszeiten - ein tolles Thema für ein Pantum. Das Pantum (oder Pantun) ist eine sehr schöne Form, wie ich finde. Die Wiederholungen können fast hypnotisierend wirken. Neue Zeilen, neue Wendungen werden fast unmerklich eingeflochten und langsam könnte der Leser irgendwo hin geführt werden. Nur wo wird er hier hingeführt? Die Kernaussage ist ja doch recht banal und durch dieses ständige "man" bleiben die Bilder für mich auf Distanz.

Man hat den Sommer sich schon abgeschminkt.


Diese metrik-geschuldete, etwas verdrehte Zeile würde ich umstellen:

Den Sommer hat man sich schon abgeschminkt.

Den Sommer abschminken, ich mag dieses Bild. Ist es nicht sogar der Dauerregen, der dieses Abschminken auf den Gesichtern buchstäblich übernimmt? Das wäre ein Motiv, das dieses Gedicht noch etwas origineller machen könnte, für mich zumindest.

"Den Rest von Sonne nimmt man mit ins Jahr"
Das Jahr ist doch aber schon über die Hälfte abgelaufen, wie kann man jetzt noch die Sonne "mit ins Jahr" nehmen?

Nimmt man die Sonne nicht vielmehr mit (oder zumindest soviel wie möglich davon) in die dunkle Jahreszeit?

Nur so ein paar Gedanken von mir, ich weiß nicht, ob du an dem Text noch weiterarbeiten möchtest.

Viele Grüße
fenestra

Rita

Beitragvon Rita » 10.09.2013, 11:13

Hallo Fenestra,

nein, daran arbeite ich nicht weiter. Es war ein Versuch, aber diese asiatischen Gedichtformen liegen mir wohl einfach nicht. Ich dachte, mir könnte einer mal das Dunkel um das Pantun etwas erhellen. Ich habe überhaupt nichts Handfestes dazu in meinen Unterlagen gefunden.

Ja, das kann man so schreiben: "Den Sommer hat man sich schon abgeschminkt" - eine Inversion, eine Satzfigur, nicht schlecht. Aber meine Version ist nicht metrikgeschuldet, wie du annimmst, sondern ein korrekter deutscher Aussagesatz.

Übrigens, der Rest des Jahres gehört auch noch zum Jahr, Fenestra. Oder siehst du das anders?

Was das "man" angeht: Ob ein Ich, ein Du, ein Wir, ein Man - das nimmt sich nichts. Irgendein Personalpronomen hätte ich sowieso nehmen müssen. Das "man" aber meint eine Allgemeinheit, eine größere Gruppe von Menschen, ist keinesfalls unpersönlich. Denk immer an den Satz: "Man sagt nicht man, man sagt ich." Hat dir der Lehrer doch auch in der Schule beigebracht, zur Stärkung deines kindlich-wackligen Selbstbewusstseins? Das war auch völlig in Ordnung. Aber hier liegt ein anderer Fall vor.

Du hast recht, die Aussage ist ein bisschen banal, ein Jammern über den Regen. Jammern ist immer banal. Aber Freude kann auch banal sein, und das Dazwischen ist auch nicht sehr berauschend. Natürlich hätte ich darauf abheben können, dass die Felder den Regen brauchen, dass Kindern so gerne durch Pfützen laufen, dass Regen die Luft reinigt, dass man den Schirm nicht vergessen darf, Regen bringt Segen usw. Alles richtig und auch falsch, denn beim Pantun muss man daran denken, dass in der letzten Strophe alles wieder irgendwie zusammenpasst. Aber ich bin keine Pantun-Spezialistin, wie gesagt, mir liegt diese Form nicht so sehr. Die bekannten deutschen Strophenformen
sind mehr mein Ding.

Dankeschön für die Beschäftigung mit meinem Versuch.

Lieben Gruß, Rita

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Beitragvon fenestra » 10.09.2013, 21:21

Was das "man" angeht: Ob ein Ich, ein Du, ein Wir, ein Man - das nimmt sich nichts. Irgendein Personalpronomen hätte ich sowieso nehmen müssen.


Wenn du das so siehst, haben wir offenbar völlig verschiedene Vorstellungen von Lyrik. Es geht doch nicht darum, sowieso irgendetwas nehmen zu müssen, sondern um den präzisen Einsatz von Sprache. Es ist ein großer Unterschied, ob du den Leser ansprichst, ein lyrische Ich reden lässt oder verallgemeinerte Aussagen triffst.

Übrigens, der Rest des Jahres gehört auch noch zum Jahr, Fenestra. Oder siehst du das anders?


Ja, das sehe ich anders. Wenn ich etwas mit in den Raum nehme, muss ich vorher außerhalb des Raums sein. Wenn ich etwas mit ins Jahr nehme, kann das Jahr noch nicht vorher angefangen haben. So verstehe ich die Wendung "in etwas mit hinein nehmen".

Licht ins Dunkel des Pantums? Welche Informationen brauchst du denn, um mit dieser eigentlich doch einfachen Form zu arbeiten? Mit dem indonesischen Vorbild kann man die deutschen Texte so wenig vergleichen, wie ein deutsches Haiku mit seinem japanischen Vorbild. Die französischen Romantiker haben mit dem Pantum gearbeitet, viel später dann Oskar Pastior, der hier seine Erfahrungen damit mitteilt:

http://www.planetlyrik.de/oskar-pastior ... m/2011/07/

Schön, dass du jedenfalls den Versuch gemacht hast, dir die Form anzueignen.

Viele Grüße
fenestra

Rita

Beitragvon Rita » 12.09.2013, 10:35

Tja, Fenestra, auf dem Wege der Logik liegen eine Menge Stolperscheine, die muss man erst mal bewältigen können.

Das "man" verallgemeinert nicht, sondern spricht von der Allgemeinheit. Eine Verallgemeinerung wäre, wenn ich schreiben würde: Alle lachen - aber ich übersehe dabei, dass es da ein paar Nichtlacher gibt. Das wäre eine Verallgemeinerung, eine unzulässige zudem, wenn ich mich auf das einzelne Subjekt bezöge.

Du redest vom Raum, in den du etwas mitnehmen willst, aber du stehst außerhalb des Raums. Soweit so gut, bis dahin stimmt noch alles. Aber gestatte die Frage: Bist du schon im Dezember, wenn du noch im September bist? Musst du da nicht etwas mit in den Dezember (das heißt, den Rest des Jahres) nehmen?

Leider kann mir hier keiner was zum Pantun schreiben, wie ich bemerke. Schade, ich weiß immer gern ein bisschen mehr über eine lyrische Form, als ich sie dann zustande bringe.

Danke, Fenestra, dass du dich noch mal gemeldet hast.

Lieben Gruß, Rita

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Beitragvon fenestra » 12.09.2013, 18:00

Tja, Fenestra, auf dem Wege der Logik liegen eine Menge Stolperscheine, die muss man erst mal bewältigen können.


Danke, ebenso:

Das "man" verallgemeinert nicht, sondern spricht von der Allgemeinheit.


In der Tat, welch großer Unterschied! Im Übrigen hatte ich geschrieben, dass durch das "man" die Bilder für mich auf Distanz bleiben. Es ist nun einmal ein unpersönliches Pronomen. Und das ist nicht meine Logik, sondern die grammatikalische Definition.

Musst du da nicht etwas mit in den Dezember (das heißt, den Rest des Jahres) nehmen?


Genau, in den Dezember, den Winter, den Rest des Jahres. Das hast du aber nicht geschrieben. Du hast "ins Jahr" geschrieben.

Von meiner Seite ists jetzt hier gut gewesen, sowas macht mir keinen Spaß.


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