Seite 1 von 1
Der Flüchtling
Verfasst: 06.09.2013, 10:09
von Rita
Der Flüchtling
Erinnere dich, vergiss,
was du vergessen musst. Vergiss.
Deckt das Heute doch das weiße Tuch,
weiß wie die Träume,
über den Winter, der dich frieren ließ.
Das Heute in seinem Schrecken.
Nimm dein Kind an die Hand,
geh durch die Straßen der Fremde,
der Fremde, die dort ist,
wo du nicht bist.
Elender, der Verfluchtesten einer,
dies ist dein Haus, dein Gott,
gewartet hat diese Welt
auf dich.
Verfasst: 06.09.2013, 18:09
von ecb
Ein treffender Ausdruck dafür, wie zynisch und selbstverständlich dem Flüchtling die Umkehrung aller seiner Begriffe abverlangt wird, nach denen wir (die zufällig gerade nicht in die Flucht Getriebenen) mit größter Selbstverständlichkeit leben.
LG Eva
Der Flüchtling
Verfasst: 07.09.2013, 09:55
von Rita
Hallo ecb,
man denkt: Umsonst ist der Tod. Wenn du hierbleiben willst, musst du uns nützlich sein, sonst wirst du zurück in dein Elend gestoßen. Dieses neue Leben verlangt sehr viel von einem, der vor den Schrecken seiner Heimat fliehen musste. Und hier erlebt er neue Schrecken, andere, aber doch Schrecken. Ja, da gehört schon eine Menge Zynismus dazu, wenn behauptet wird, Deutschland brauche ausländische Facharbeiter. Zum Beispiel. Dankeschön fürs Reinsehen.
Lieben Gruß, Rita
Verfasst: 07.09.2013, 10:10
von Niko
hallo rita,
das ist toll! dicht, atmosphärisch vor allem!
besonders gefallen mir
Elender, der Verfluchtesten einer,
dies ist dein Haus, dein Gott,
gewartet hat diese Welt
auf dich.
ich würde mir noch viele dieser rita-werke wünschen, wenn ich denn was zu wünschen hätt'
beste grüße: niko
(Gesendet von meinem iBrain)
Der Flüchtling
Verfasst: 12.09.2013, 10:46
von Rita
Niko, ich versteige mich nicht oft zu solchen lyrischen Großtaten. Muss ich dich enttäuschen. Hängt immer vom Thema ab. Aber du kennst das doch: Bleibe im Hause und nähre dich redlich. Danke fürs Reinsehen und die Wortmeldung.
Lieben Gruß, Rita