Ein Elend (Dezime)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Rita

Beitragvon Rita » 02.09.2013, 12:03

Ein Elend

Traurig krauche ich durchs Leben,
frage stumm, wer mich noch liebt
und noch was auf Treue gibt.
Mein ja bloß, nur mal so eben.

Sieche hin in meiner Trauer,
hab mich fast schon aufgegeben.

Um mich rum wächst eine Mauer,
nicht aus Rosen und Jasmin.
Held, mein Held, ersteig sie kühn,
denn mein Mann liegt auf der Lauer.

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birke
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Beitragvon birke » 02.09.2013, 16:49

ein elend ...
(treffender titel ...)

hallo rita, also, formal mag das ja in ordnung sein, (wobei die reime nicht grad besonders originell sind, aber ok, ist geschmacksache), aber vom inhalt her … ich weiß nicht. (soll das witzig sein?)
nee, nicht meins, aber so gar nicht.

lg, birke
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 02.09.2013, 17:06

Ich kapier' das nicht. Dem Ich ist niemand treu, auch der (Ehe-)Mann nicht. Sie fühlt sich im Gefängnis (was hat das denn mit Treue und Untreue zu tun?), wünscht sich Rettung (oder zumindest einen Besuch) vom "Helden", der aber sehr mutig sein muss, weil der Mann ein autoritärer Typ ist und Wachhund spielt? Warum kriegt denn so einer das letzte Wort? Daran kann ich nichts Lustiges finden.

scarlett

Beitragvon scarlett » 02.09.2013, 17:15

hallo rita,

meins ist das auch nicht, tut mir leid.

meiner meinung nach ist das ein beispiel für einen völlig der form geopferten inhalt-

lg
scarlett
Zuletzt geändert von scarlett am 02.09.2013, 17:20, insgesamt 1-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 02.09.2013, 17:18

Hallo Rita,

davon mal abgesehen, dass ich den letzten Satz als deplaziert empfinde, da er m.E. nicht in den Kontext passt, ist zum einen dieser Satz
Rita hat geschrieben:Mein ja bloß, nur mal so eben.

für mich inhaltsleer, erweckt bei mir den Eindruck als eine Art "Platzhalter", dem Reim geschuldet und zum zweiten ist mir der ganze Text zu larmoyant.

Saludos
Gabriella

pjesma

Beitragvon pjesma » 02.09.2013, 21:12

acherrje, leute. ich hab es nicht mit reimen, aber kann die ironie, sarkasmus und auf die schippe nehmen schon erkennen, ob ungereimt oder gereimt. dies latent *agressiven* zugang (amanita) verstehe ich nicht, bzw. will es auch nicht verstehen und vertiefen. ich kann nicht sagen das ich mich vom lachen krumme wenn ich das gedicht hier lese, aber ein schmunzeln entlockt mir schon die vorstellung einer hausfrau erschlossen in alltagstrott und gefangen in träumerein von rettendem held. es ist schon eine elend ;-)...augenzwinkern ist schon da.
lg, pjesma

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 02.09.2013, 21:46

@pjesma: ich bin ja nun nicht die Einzige, die ihre Problemchen mit dem Text hat. Warum schiebst Du gerade mir "latente Aggressivität" unter? Ich finde das "Weltbild", das dahintersteckt - auch, wenn man schmunzeln soll -, völlig überholt.

pjesma

Beitragvon pjesma » 02.09.2013, 22:07

@amanita---mir ist dein, nennen wir ihn- etwas rüder ton aufgefallen und nicht die übereinstimmung mit anderen meinungen. es beeindruckt mich wenig ob jemand allein oder zu dritt oder zu fünfzig etwas meint...und ich vermute das die autorin dies "weltbild" auch nicht befürwortet, und daher auch ironisiert ... kann mich auch irren. aber ein ironisches gedicht (m. a.) bierernst interpretieren zu wollen empfinde ich als bisschen absurd um nicht haarspalterisch zu sagen...

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 02.09.2013, 22:21

Wenn man hypothetisch davon ausgeht, was ein gutwilliger Leser tun sollte, dass die letzte Zeile nicht ein Deckel und reimschließender Notstopfen ist, der ein Gedicht-Abrundungs-Problem durch eine Witz-artige Pointe zu überdecken versucht, dann müsste es in dem Text um den Konflikt zwischen Eifersucht des lieblosen Mannes und etwas promiskuöser Treue der Gemahlin gehen. Dank des lakonischen Tons ist schon klar, dass ihr Held ihn nicht hochkriegen wird, seinen Körper über die Mauer, was den Schluß zulässt, dass das Frauchen einem kraft- und tatenlosen Tagtraum nachhängt, die Gatter des Reims versperren wirksam den Kontakt mit der Außenwelt. Insofern ist hier das Stilmittel Reim im Rahmen des ironischen Ansatzes ganz passend, finde ich. Inhaltlich tut natürlich nicht gut, wenn der Opponent erst in der letzten Zeile erst- und einzigmalig auftaucht, was eben den eingangs geschilderten etwas platten Witz-Verdacht weckt ...

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 02.09.2013, 22:43

"Promiskuöse Treue" in den "Gattern des Reims" - doch noch was Lustiges, Räuber!

pjesma

Beitragvon pjesma » 02.09.2013, 22:57

ein sehr gutes beobachter bist du, räuber. mit letztem satz geh ich auch konform, der mann taucht zu spät auf.
ich will dich jetzt natürlich nicht instrumentalisieren um auf umwegen "gutwilligen leser" hervorzuheben ;-))), neeein, überhaupt nicht!
lg

Rita

Beitragvon Rita » 03.09.2013, 07:17

Hallo an alle,

tja. Es ist schon ein Elend.

Fenestra hatte beklagt, dass ich keine "besonderen Formen" der Reimlyrik bisher eingestellt habe. Daraufhin habe ich gestern schnell mal eine Dezime geschrieben. Es handelt sich um eine deutsche Dezime, die sich von der des Ursprungslandes Italien etwas unterscheidet. Die deutsche Dezime wird vorwiegend als Glosse geschrieben. Der Autor bezieht sich auf eine Verszeile eines anderen Autors (ohne dessen Gedicht aber glossieren zu wollen) und entwickelt daraus ein eigenes Gedicht. In meinem Fall habe ich mich auf eine Verszeile von Tucholsky bezogen.
Die Dezime hat ein vorgegebenes Reimschema: abba ca cddc für die zehn Zeilen, an das sich der Autor natürlich halten muss, sonst wäre es ja keine Dezime. Sie wird im vierhebigen Trochäus geschrieben.
Ich habe versucht, im Text ein paar Stilfiguren unterzubringen.

Da hier Unklarheiten im Verständnis bestehen, will ich kurz die "Geschichte" des Textes erzählen (das macht man zwar nicht, aber ich mache mal eine Ausnahme):
Eine (verheiratete) Frau langweilt sich offensichtlich in ihrer Ehe, sie fühlt sich nicht mehr geliebt und will sich einen Liebhaber zulegen. Sie ermuntert ihn, warnt ihn aber vor dem eifersüchtigen Ehemann. Und erst hier erfährt man, dass sie verheiratet ist. Das ist ein kleiner Gag. Er reizt zwar nicht unbedingt zum Schenkelklopfen, aber ich habe ja keinen Comedy-Text geschrieben. Das Ganze muss in zehn Zeilen abgehandelt werden.

Die Sprache des Textes gibt sich nicht hochdramatisch, sondern entspricht eher dem gängigen Alltagsdeutsch, dem Inhaltlichen angemessen, wobei ich absichtlich eine
sehr umgangssprachliche Zeile eingefügt habe: "Mein ja bloß, nur mal so eben". Damit will ich auch die "Normalität" des Fremdgehens aus einer eher launig-ironischen Sicht glossieren.

Ich hoffe, jetzt ist der kleine Text etwas verständlicher geworden. Danke euch allen für eure Wortmeldungen.

Lieben Gruß, Rita


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