Die wilde Oder

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Rita

Beitragvon Rita » 30.08.2013, 08:10

Die wilde Oder

Da stand ich wieder an dem großen Fluss,
ich sah die Wellen hoch vorübergleiten,
es blies ein Wind von fernher aus den Weiten -
ich sprang zurück - ein kalter Wasserguss!

Die Schlehenbüsche duckten sich ins Gras,
ein Greifenvogel nur war aufgestiegen,
und all die hohen grünen Hügel schwiegen.
Wohin ich sah – Natur im Übermaß.

Ein Hund schlug an im Dorfe nahebei.
Der sanfte Strom verfiel in lautes Stöhnen -
als wollte er das stille Land verhöhnen
mit seiner Kraft und seiner Prahlerei.

Die Schwäne drängten sich am Uferrand,
ein Vogelschrei, fast wie ein Ruf nach Hilfe,
es wogte und es bebte nah im Schilfe -
nein, wilder nie war wohl mein Oderland.
Zuletzt geändert von Rita am 03.09.2013, 06:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.08.2013, 08:57

Hallo Rita!

Ich empfinde da einige "Ungereimtheiten", die sich vor allem auf den "sanften Strom" und das "stille Land" beziehen. Wenn Wellen hoch vorübergleiten, dann ist der Fluss für mich eher nicht sanft.
Und wenn der Regen "schüttet" und ein Hund bellt, dann ist das Land für mich auch nicht still.

Im übrigen kommt der Regenguss für mich im Gedicht zu platsch-plötzlich, wie auf einer Bühne;
die "Natur im Übermaß" hat so etwas Wertendes, das in Deine Naturbeschreibung nicht passt.
"von fernher aus den Weiten" lese ich eigentlich schon also Tautologie.
"mein Oderland" wirkt auf mich ebenfalls grenzwertig, weil anachronistisch/ absolut "altmodisch", das sagt doch heute keiner mehr.

Ich fürchte, wenn man so reimt, muss man Perfektionist/in sein...

Rita

Beitragvon Rita » 01.09.2013, 17:16

Hallo Amanita,

du kommst nicht klar damit, dass ich in dem Moment, wo das Land weder still ist noch der Strom sanft, genau davon spreche, vom stillen Land und vom sanften Strom. Das meint: Das Oderland ist sonst ein sehr stilles Land, und die Oder ist im allgemeinen ein sanfter Strom - aber heute sind sie es nicht, wie aus dem Kontext hervorgeht. Hier habe ich den Gegensatz eingesetzt. Man nennt diese Form ein Oxymoron. Du kennst sicher von Celan "Schwarze Milch der Frühe ..."? Celan bezeichnet hier die Milch als schwarz, was sie ja nicht wirklich ist, er transportiert mit dem Attribut "schwarz" etwas ganz anderes als die Farbe der Milch.

Mit welcher Begründung nimmst du an, dass das Ich in einem Naturgedicht sich keine Gedanken darüber machen darf, was geschah - also: Natur im Übermaß, der stöhnende Fluss, der Schlussvers? Vielleicht erklärt sich dir einiges, wenn ich sage, der Text ist im Präteritum und nicht im Präsens geschrieben, er "erzählt" von diesem Tag an der Oder. Er "erlebt" ihn nicht gerade, in diesem Moment. Dann wäre es wirklich etwas widersinnig.

Du empfindest es als Tautologie, wenn ich schreibe: "... Wind von fernher aus den Weiten". Das Land am Ufer der Oder wird von weiten Wiesen (den Poldern) und Hügeln beherrscht. Noch mehr Weite aber findet man, wenn man ins Land hineingeht, das Oderland besteht ja vor allem aus Ackerland. Es gibt also nahe Weiten (direkt an der Oder) und ferne Weiten (das Land dahinter).

Und der Regenguss: Damit steigere ich den Eindruck, dass der Strom heute wildbewegt ist, und dass du das als "plitsch-plötzlich" empfindest, wie du schreibst, gefällt mir, denn genau das habe ich beabsichtigt: Das Ich ist von dem Regenguss total überrascht. Und mit ihm der Leser. Wobei die Formulierung die Überraschung noch mehr unterstützen müsste, muss ich noch umarbeiten.

Zu "mein Oderland": Das drückt aus, dass das Ich das Oderland sehr gut kennt und vor allem, dass es diesen Landstrich sehr liebt. Was soll daran "anachronistisch" sein? Meinst du, man sollte heutzutage eine Landschaft nicht mehr lieben oder nicht lieben können?

Und noch etwas verstehe ich nicht: Was meinst du denn damit "Man muss Perfektionistin sein, wenn man so reimt"? Dazu kann ich mich leider nicht äußern, bevor du mir nicht erklärt hast, wie du das gemeint hast.

Ich hoffe, ich konnte einiges klären. Hab besten Dank für deine Wortmeldung.

Lieben Gruß, Rita

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Beitragvon Amanita » 02.09.2013, 16:52

Damit wollte ich auf etwas zu sprechen kommen, was eigentlich klar ist: Mit dem Reim hat man noch ein weiteres Feld zu beackern. Was aber nicht bedeuten darf, dass das Reimschema über allem steht - gleiche Zeit bedeutet (als ein Beispiel) nun mal Gleichzeitigkeit. Und "mein Oderland" konnte ich selbstverständlich deuten, darum ging es nicht.

Rita

Beitragvon Rita » 03.09.2013, 06:37

Hallo Amanita,

das Reimschema steht nicht "über allem", aber es ist ein wesentlicher Bestandteil des gereimten Schreibens. Da gibt es nichts dran zu rütteln, dass muss einem Lyriker klar sein, wenn er Reimgedichte schreibt. Aber du schreibst ja freie Rhythmen, und da ist es mir verständlich, wenn du bestimmte Zusammenhänge lockerer siehst.

Ich komme mit manchen deiner Äußerungen nicht klar. Was meinst du zum Beispiel damit, wenn du schreibst, "gleiche Zeit bedeutet (als ein Beispiel) nun mal Gleichzeitigkeit"? Wenn ich im Präteritum schreibe, dann schreibe ich über ein Ereignis der Vergangenheit, dann kann ich also auch betrachtende Äußerungen in den Text einflechten. Das geht schlechter oder meist gar nicht, wenn man im Präsens schreibt, wenn also das Ereignis gerade stattfindet.

Dass du "mein Oderland" deuten könntest, setze ich voraus. Aber du hast es nicht getan, sondern aus einer negativen Betrachtungsweise heraus mir quasi unter die Nase gerieben. So ist deine Äußerung bei mir angekommen. Hast du das beabsichtigt?

So kann man, glaube ich jedenfalls, schlecht miteinander kommunizieren. Meine Frage, was du mit dem Satz zur Perfektionistin gemeint hast, hast du auch nicht beantwortet. Wie soll ich diesen Satz verstehen? Mit Sprechblasen - entschuldige, kann ich nichts anfangen.

Mir wäre es lieb, wenn du deine Anliegen so formulieren würdest, dass ich sie auch verstehen kann.
Sonst kann es zu Missverständnissen kommen, womit niemandem geholfen wäre.

Lieben Gruß, Rita


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