Eine Übersetzung
Für Henry Miller
LES ANGES SONT BLANCS
Tout a᾽ coup Louis cessa de frotter ses jambes l᾽ une contre
l᾽ autre et dit d᾽une voix lente: ᾽᾽Les Anges sont blancs’’
Wie der Matrose an den Wanten glitt er auf dem Wendekreis des
Krebses und auf dem Wendekreis des Steinbocks
und es war sehr natürlich daß er vor uns nicht halten konnte
in menschlicher Größe
sondern blickte er auf uns alle aus der Höhe eines Glühwürmchens
oder aus der Höhe einer Pinie
und holte tief seinen Atem ein in der Frische der Sterne oder
im Staub der Erde.
Er war umkreist von nackten Frauen mit bronzenen Blättern
aus Wildfeigen
von ausgelöschten Laternen welche die befleckten Bandagen der
Großstadt im Wind hin und her bewegten
von ungleichmäßigen Körpern die Centauren und Amazonen gebaren
sobald ihr Haar die Milchstrasse berührte.
Und tage vergingen seit dem ersten Augenblick als er uns grüsste indem
er seinen Kopf abnahm und ihn auf das eiserne Tischchen legte
während das Antlitz Polens seine Form änderte wie ein Tintenfleck
vom Löschpapier aufgesogen
und wir segelten zwischen Inselstränden die so nackt waren wie
Fischknochen – seltsam auf dem Sand
und der ganze Himmel war wie eine große Taubenfeder, leer ganz weiß
mit der Regelmäßigkeit des Schweigens
und unter dem farbenreichen Wasser wurden die Delphine schnell
schwarz wie die Bewegungen der Seele
und die Bewegungen der Fantasie und der Hände von Menschen
die sich vortasten und im Schlaf umkommen
in der großen Hülle des Schlafs die uns fest umschließt
gleich für uns alle – das gemeinsame Grab
aus winzigen Kristallen die da glänzen zerbrochen durch die
Bewegungen von Reptilien.
Und dennoch alles war weiß weil der große Schlaf weiß ist und der große
Tod ruhig, regungslos, auffallend anders in einer unendlichen Stille.
Und das Schreien der Truthähne am frühen Morgen und der Hahn
der krähte als er in den tiefen Brunnen fiel
und das Feuer neben dem Berg das Händevoll Funken und die
Blätter des Herbstes in die Höhe wirbelte
und das schiff mit den geschwungenen Schultern die zärtlicher
waren als das Liegen mit unserer ersten Liebe,
das waren Dinge die noch weniger zu tun hatten mit dem
Gedicht
das Du beim hinfallen hinter dir gelassen hast – schwer mit
seinem letzten Wort,
ohne noch irgend etwas zu wissen, zwischen den weissen
Augäpfeln von blinden
und die Leintücher die Du im Fieber auseinanderfaltest um die
tägliche Prozession jener Wesen zu bedecken
die nicht bluten, gleichgültig wie sehr sie auf einander schlagen
mit Beilen und mit Nägeln,
das waren andere Dinge, anderswo eingeordnet
und die kalkweissen Stufen führten hinab bis zur Schwelle der Vergangenheit und fanden die Stille –
aber das Tor, sagtest Du, öffnete sich nicht
und laut klopften deine Freunde dagegen mit grosser Verzweiflung
und Du warst auch dabei
aber Du hörtest nichts und lautlos schwammen die Delphine um dich
und stiegen zwischen den Algen nach oben
und wieder wurden deine Augen starr und dieser Mensch mit den
Bißspuren von Wendekreisen auf der Haut
setzte seine schwarze Brille auf als ob er mit der Flamme
des Sauerstoffs arbeiten wollte
und sagte bescheiden, vorsichtig, indem er bei jedem Wort
stehen blieb:
<< Die Engel sind weiß, glühend weiß, und das Auge wird welk
das sie erblickt
aber es gibt keinen anderen Weg – wenn Du ihre Nähe suchst
mußt Du wie der Stein werden
und wenn Du das Wunder suchst mußt Du dein Blut an die acht
Winkel der Winde säen
denn das Wunder existiert nirgends – es zirkuliert nur in den
Adern des Menschen>>.
G. Seferis
Hydra – Athina, Nov. 39
Les Anges sont Blancs - Eine Übersetzung
Hallo Dictor,
herzlich Willkommen im Salon.
Es wäre für uns tatsächlich wichtig zu wissen, ob die Übersetzung von dir angefertigt wurde, wovon ich ausgehe. (Danke Eva für deine Aufmerksamkeit.) Wir haben für Übersetzungen eine eigene Rubrik, die als Unterrubrik nur ein wenig versteckt ist. viewforum.php?f=76 Ich kann deine Übersetzung gerne dorthin verschieben.
Eva, die Übersetzung einzustellen, ist denke ich rechtlich kein Problem. Der Ursprungstext dürfte jedoch nicht gepostet werden, was er aber wohl, bis auf die ersten beiden Zeilen, auch nicht ist, wenn ich das richtig sehe?
Liebe Grüße
Flora
herzlich Willkommen im Salon.
Es wäre für uns tatsächlich wichtig zu wissen, ob die Übersetzung von dir angefertigt wurde, wovon ich ausgehe. (Danke Eva für deine Aufmerksamkeit.) Wir haben für Übersetzungen eine eigene Rubrik, die als Unterrubrik nur ein wenig versteckt ist. viewforum.php?f=76 Ich kann deine Übersetzung gerne dorthin verschieben.
Eva, die Übersetzung einzustellen, ist denke ich rechtlich kein Problem. Der Ursprungstext dürfte jedoch nicht gepostet werden, was er aber wohl, bis auf die ersten beiden Zeilen, auch nicht ist, wenn ich das richtig sehe?
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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